Newsticker
Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Krise schon am Dienstag
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Brandserie: So reagiert man in Greifenberg auf die Festnahme

Greifenberg

17.08.2020

Brandserie: So reagiert man in Greifenberg auf die Festnahme

Die Greifenberger Brandserie ist wohl geklärt: Die Polizei hat eine 41-jährige Greifenbergerin festgenommen. Sie soll dreimal in zwei Gebäuden Feuer gelegt haben.
Bild: Christian Rudnik

Plus Die Brandserie in Greifenberg ist geklärt. Die Erleichterung im Ort ist groß. Welches Motiv hatte die mutmaßliche Brandstifterin?

Aufatmen in Greifenberg: Die Polizei hat die mutmaßliche Brandstifterin von Greifenberg gefasst. Das gab das Polizeipräsidium Oberbayern Nord am Montagnachmittag bekannt. Eine 41-jährige Frau aus Greifenberg wurde festgenommen. Sie sitzt bereits in Untersuchungshaft. Sie soll vor wenigen Tagen in einem großen Gebäudekomplex und einem Mehrfamilienhaus drei Brände gelegt haben. Die Bürgermeisterin reagiert überrascht und betroffen zugleich. Auch ein betroffener Hausbesitzer äußert sich.

Wie mehrfach berichtet, kam es im Zeitraum von 7. bis 9. August in einem Gebäudekomplex in der Greifenberger Haupt- und Wankstraße zu zwei Bränden. In dem Wohn- und Geschäftshaus brannte es in zwei aufeinanderfolgenden Nächten so schwer, dass das Gebäude einsturzgefährdet war. Trotz beherzten Einsatzes der Feuerwehr brannte es so heftig, dass 27 Wohneinheiten, mehrere Ladenzeilen und Arztpraxen seitdem nicht mehr nutzbar sind. Es entstand Schaden in Millionenhöhe. Wenige Tage später brannte es in einem Mehrfamilienhaus im Föhrenweg. Dort waren mehrere Personen vorübergehend untergebracht, die bei den ersten Bränden ihr Zuhause verloren hatten. In den beiden ersten Fällen ging die Polizei von Brandstiftung aus beziehungsweise konnte im letzten einen technischen Defekt ausschließen. Aufgrund der Gesamtumstände ging die Polizei von einer vorsätzlichen Brandlegung aus.

Die Greifenberger Brandserie ist wohl geklärt: Die Polizei hat eine 41-jährige Greifenbergerin festgenommen. Sie soll dreimal in zwei Gebäuden Feuer gelegt haben.

Deshalb wurde bei der Kriminalpolizei eine 16-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet. „Diese setzt sich aus erfahrenen Ermittlungsbeamten und Spezialisten aus den Bereichen Kriminaltechnik, Fahndung und IT-Forensik zusammen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Im Zuge der intensiven Ermittlungen ergab sich ein dringender Tatverdacht gegen eine 41-Jährige aus Greifenberg. Bereits am Sonntag konnte die Frau in enger Absprache mit der Staatsanwaltschaft Augsburg festgenommen werden.

Über das Motiv der mutmaßlichen Brandstifterin ist noch nichts bekannt

Das Motiv für die Taten ist noch unklar, dürfte laut Polizei aber im privaten Bereich zu finden sein. Die Tatverdächtige bewohnte selbst eines der Brandobjekte. Am Montag wurde die Frau dem zuständigen Ermittlungsrichter am Amtsgericht Augsburg vorgeführt. Dieser erließ Haftbefehl, unter anderem wegen schwerer Brandstiftung in drei Fällen. Die 41-Jährige befindet sich bereits in einer Justizvollzugsanstalt.

Die Festnahme der mutmaßlichen Brandstifterin sorgt in Greifenberg für Freude. „Ich bin sehr erleichtert und doch verwundert“, sagte Bürgermeisterin Patricia Müller unserer Zeitung.

Sie selbst hatte intensiven Kontakt zu der 41-Jährigen, als es darum ging, Ersatzquartiere für betroffene Bewohner des großen Gebäudes im Ort zu finden. „Man kann sich in Menschen so täuschen. Das hätte ich nie gedacht.“ Müller kannte die Frau vor den Bränden nicht und lernte sie erst nach den ersten Bränden in dem großen Wohn- und Geschäftshaus kennen. „Wie kann sich ein Mensch als Betroffener geben, obwohl er eigentlich der Verursacher ist?“, hinterfragt die Bürgermeisterin. „Da überlegt man schon kurz, wem man noch vertrauen kann. Das ist erschütternd.“ Aber jetzt ist nicht nur die Bürgermeisterin erleichtert, dass die intensive Ermittlungsarbeit der Polizei wenige Tage nach den Bränden offenbar zum Erfolg geführt hat.

Die Greifenberger Brandserie ist wohl geklärt: Die Polizei hat eine 41-jährige Greifenbergerin festgenommen. Sie soll dreimal in zwei Gebäuden Feuer gelegt haben.
Bild: Christian Rudnik

„Es gab eine große Skepsis im Ort. Die Bereitschaft, jemanden bei sich aufzunehmen, war nach dem dritten Brand fast nicht mehr vorhanden“, sagt Patricia Müller, die nach den Bränden alle betroffenen Bewohner in vorübergehende Unterkünfte vermitteln konnte. „Jetzt kann die Bevölkerung aber wieder ruhig schlafen und muss nicht mehr hoch schrecken, wenn die Sirene geht. Die Feuerwehr hat Enormes geleistet. Aber das alles wird uns noch lange beschäftigen.“

Nach den Großbränden: Ein Eigentümer äußert sich

Große Erleichterung herrschte gestern auch bei Albert Ostermaier, dem Besitzer des Gebäudekomplexes mit Wohn- und Geschäftsräumen. Mit der Festnahme der mutmaßlichen Täterin sei die Bedrohung erst mal vom Tisch. „Es ist unfassbar, was die Mieter durchgemacht haben“, sagte Ostermaier, doch das sei jetzt vorbei. Natürlich seien auch er und seine Familie sehr betroffen gewesen, aber „in erster Linie geht es um die Mieter“.

Zu der mutmaßlichen Täterin selbst will er nicht viel sagen. „Um die Taten einordnen zu können, müsste man mehr von der Geschichte, von den Motiven wissen.“ Großes Lob gibt es von ihm auch für die Ermittlungsbehörden. „Es ist enorm, wie schnell und großartig die Polizei ermittelt hat. Das ist wirklich tolle Arbeit.“ Derweil würden die Arbeiten an dem beschädigten Gebäude nach Plan voranschreiten. „Da läuft alles wirklich sehr professionell ab.“ Wann die ersten Mieter zurückkehren können, ist derzeit noch offen.

Das große Gebäude kann saniert werden

Für die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk waren die drei Einsätze zum Teil eine enorme Herausforderung – und auch gefährlich. Zahlreiche Atemschutztrupps drangen bei dem Feuer in dem Gebäudekomplex in den beiden Nächten in die Kellerräume vor.

Der Schaden, den das Feuer verursachte, geht in die Millionen. Aber mittlerweile herrscht Zuversicht, dass das Gebäude wieder komplett saniert werden kann. An dem Einfamilienhaus im Föhrenweg entstand Schaden von rund 50.000 Euro. Bei den Einsätzen wurden mehrere Personen leicht verletzt.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren