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Landsberg

30.08.2020

Der Landsberger Polizeidirektor, der sich auch als Firmenchef sieht

Bernd Waitzmann leitet die Polizeiinspektion Landsberg: Der 49-jährige Polizeidirektor war zuvor stellvertretender Chef der Dienststelle Augsburg-Süd.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Seit rund einem halben Jahr ist Bernd Waitzmann der Leiter der Polizeiinspektion Landsberg. Warum er seinen Urlaub viele Jahre nach dem FC Augsburg richtete.

Etliche Jahre hat Bernd Waitzmann seine Urlaube nach dem Bundesligaspielplan ausgerichtet. Ein Blick in das Büro des Landsberger Polizeichefs bestätigt das. An den Wänden hängen Fotos von Fußballspielen und ein FCA-Trikot mit der Nummer sieben und dem Namen Waitzmann und vielen Autogrammen von Spielern.

Sieben Jahre lang war er stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Augsburg-Süd und damit auch Einsatzleiter bei den Heimspielen des FCA. Seit mehr als einem halben Jahr ist der Polizeidirektor nun in Landsberg Chef einer der größten Polizeiinspektionen in ganz Oberbayern.

„Sieben Jahre lang habe ich den FCA aus polizeilicher Sicht betreut“, sagt Bernd Waitzmann. Dass er auch Fan der Augsburger ist, die in ihre zehnte Bundesligasaison gehen, daraus macht er keinen Hehl. „Aber natürlich drücke ich auch den Bayern und 60 die Daumen.“ Vor etwas über einem halben Jahr stand in der Vita des 49-Jährigen eine bedeutende Veränderung an: Der Merchinger (Landkreis Aichach-Friedberg) bewarb sich für die Leitung der Polizeiinspektion Landsberg. „Ich habe mich bewusst für Landsberg entschieden. Mir ist Regionalität wichtig. Deshalb wäre für mich München nie infrage gekommen. Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg und Augsburg sind meine Heimatregion.“

Mehrmals pro Woche pendelt er mit dem E-Bike

Sein Heimatort liegt 29 Kilometer von seinem Arbeitsplatz entfernt. Drei- bis viermal die Woche pendelt Waitzmann mit dem E-Bike zur Dienststelle. „Ich könnte mir nie vorstellen, 80 oder 90 Kilometer in die Arbeit zu pendeln. Ich will greifbar sein.“ Das bedeutet: Auch bei besonderen Einsatzlagen außerhalb der regulären Dienstzeiten will der Polizeidirektor schnell vor Ort sein können. Sein Start Anfang Februar war entspannt. „Zum Grüß-Gott-Sagen am Anfang hatte ich den Fasching. Das war sehr schön. Aber dann kam Corona und damit ein ganz neues Einsatzfeld“, blickt Bernd Waitzmann auf die erste Zeit in Landsberg zurück, die aber kein bisschen langweilig oder weniger arbeitsintensiv als in der Großstadt gewesen sei.

Beinahe wäre der Merchinger nach seiner Schulzeit in einer Bank gelandet. Aber statt einer Ausbildung startete er 1987 als Jugendlicher zunächst ein Praktikum bei der Polizei, was damals noch möglich war, und entdeckte seinen Traumjob. Ein Jahr später begann er seine Laufbahn im mittleren Dienst bei der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn. Danach arbeitete er in Neu-Ulm und stieg 1999 in den gehobenen Dienst auf. Der junge Kommissar arbeitete bei der damaligen Polizeidirektion, war in der Stabsarbeit tätig und Dienstgruppenleiter bei verschiedenen Inspektionen in Augsburg.

Bernd Waitzmann hatte schon mehrere einschneidende Erlebnisse

Nach dem Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei arbeitete er als Polizeirat beim Polizeipräsidium München und kehrte danach nach Augsburg zurück. Dort erlebte er auch ein einschneidendes Erlebnis – den Polizistenmord am 28. Oktober 2011. Aber auch ein Fall aus Neu-Ulm ist ihm bis heute in Erinnerung geblieben. „Dort ist ein Fußgänger von einem Motorradfahrer erfasst worden und hat dabei beide Beine verloren. Wir mussten die Beine danach suchen“, erzählt Bernd Waitzmann, den aber auch der schlimme Unfall auf der B17 bei Denklingen, wo im Mai vier Menschen starben, betroffen gemacht hat.

Sehr froh ist er, dass er von der Dienstwaffe noch nie Gebrauch machen musste, „auch wenn ich sie schon öfter in der Hand hatte. Aber Gott sei Dank konnte die Situation immer gut gelöst werden“. Einen Schutzengel habe er einmal bei einem Einsatz mit einem psychisch Kranken gehabt. Der Mann habe plötzlich unvermittelt eine Mistgabel gezückt und ihn und einen Kollegen angegriffen. „Das war sehr knapp. Die Entscheidung war: Schießen oder laufen. Wir sind gelaufen“, sagt Bernd Waitzmann, der betont: „Ruhig ist es für die Polizei auch auf dem Land nicht, nur ruhiger.“

Der Polizeidirektor bezeichnet seine neue Arbeitsstelle als Glücksgriff

Als Chef einer großen Polizeiinspektion sieht er eine seiner Hauptaufgaben in der Personalarbeit und im Hinterfragen von strukturellen Abläufen. „Als Polizeichef ist man auch Firmenchef. Ich will die Inspektion gut aufstellen für die Kunden, sprich die Bürger, und wo sich die Mitarbeiter auch wohlfühlen.“ Dabei verweist der Polizeidirektor auch darauf, dass sich die Landsberger Inspektion in den nächsten Jahren sehr stark verändern wird, da zahlreiche Kollegen in den Ruhestand gehen. Ansonsten ist Bernd Waitzmann der Austausch und Kontakt mit anderen Behörden wie Stadt, Kommunen, Landratsamt und JVA sehr wichtig. Wie es in einer Gemeinde (politisch) zugeht, das weiß der 49-Jährige. Seit 2014 ist der „Ur-Merchinger“, wie er sich selbst bezeichnet, in seinem Heimatort als Gemeinderat tätig und war in den vergangenen sechs Jahren auch Jugendreferent. „Aber für diese Aufgabe bin ich jetzt etwas zu alt geworden“, lacht der Polizeichef, der Vater eines fast erwachsenen Sohnes ist.

Um in seiner Freizeit mit der Familie entspannen zu können, muss er sich nun nicht mehr nach dem Bundesligaspielplan richten. Es sei denn, es steht für Bernd Waitzmann ein Stadionbesuch als ganz normaler Fan an.

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