Newsticker
Bundesregierung stuft mehr als 20 Länder als Hochrisikogebiete ein
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Die Bahn zwischen Geltendorf und Lindau ist im Stromzeitalter

Geltendorf

16.12.2020

Die Bahn zwischen Geltendorf und Lindau ist im Stromzeitalter

Seit Sonntag fahren auch auf der Bahnstrecke zwischen Geltendorf und Lindau die Züge mit Strom.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Seit Sonntag fahren westlich von Geltendorf die Züge elektrisch. Damit endet auch die Ära des „Alex“. Ganz ohne Diesel wird der Zugverkehr ins Allgäu trotz Elektrifizierung aber auch künftig nicht ablaufen.

Der letzte dieselbetriebene Alex-Zug vom Allgäu nach München hat sich am Sonntagmorgen um 0.37 Uhr mit der Zugnummer „ALX ALXS“ und einem großen Pfeifkonzert aus dem Bahnhof Geltendorf verabschiedet. Seither geht es mit Strom in Richtung Lindau und Schweiz. Wie der Start in die neue Ära in Geltendorf verlief.

Es klang etwas traurig, der Triebfahrzeugführer wählte die Tonfolge der Presslufthörner gut. Was aus dem Zugführer nach dem Ende des „Alex“ und fast an die 20 Millionen Kilometern beruflich wird, weiß keiner. Fakt ist aber, dass die Bahnunternehmen solche Triebfahrzeugführer suchen wie die Stecknadel im Heuhaufen. Zum Teil wechseln die Triebfahrzeugführer zu den neuen Betreibern in der Region, wie der DB und der ab 2021 auf der Allgäustrecke fahrenden Go-ahead, wie es auf einer Online-Nachricht der Länderbahn heißt.

Die Sonderfahrt fiel coronabedingt aus

Als im Dezember 2003 der Alex seinen Betrieb aufnahm, gab es einen großen Medienrummel, da zum ersten Mal ein Privatunternehmen die Strecke München Oberstdorf/Lindau bediente. Eingesetzt wurden bis heute die Dieselloks der Firma Siemens mit der Bezeichnung ER20, die sehr leise sind. In den vergangenen 17 Jahren fuhren damit an 6205 Tagen knapp 50 Millionen Fahrgäste, dabei legte der Alex knapp 21 Millionen Kilometer zurück. Aufgrund der aktuellen Corona-Umstände konnte die letzte Fahrt nicht wie geplant als Sonderfahrt mit vielen Gästen durchgeführt werden.

Auch beim Eurocity (EC) München-Zürich gab es zum Fahrplanwechsel Veränderungen. Über viele Jahrzehnte war der Eurocity mit Dieselloks der Baureihe 218 (BR 218) in einer Doppeltraktion bespannt. Inzwischen wurden die Waggons von der Schweizer Bundesbahn modernisiert, ein Panoramawagen kam hinzu, der am letzten Tag noch an einem EC hing, der zufälligerweise in Geltendorf an einem roten Signal halten musste und danach die leichte Steigung nach Türkenfeld nahm mit seinem bekannten Motorklang, der die Anwohner an der Strecke viele Jahrzehnte begleitete. Die zweimal 2500-PS-Dauerleistung mussten eingesetzt werden, damit Heizung und Licht in den Waggons optimal versorgt werden konnten. Von den insgesamt 5000 PS gingen alleine für Heizung und Licht 1000 PS weg.

Ein Schaden ausgerechnet bei der ersten Fahrt

Am Sonntag gegen 10.10 Uhr rauschte der neue EC der Schweizer Bundesbahn vom Typ „Astoro“ durch Geltendorf, der jetzt seinen planmäßigen Betrieb aufgenommen hat. Doch ausgerechnet auf der ersten Fahrt von Zürich nach München gab es einen Oberleitungsschaden. In Hergatz ließ wie gewohnt ein Fahrdienstleiter den neuen ECE-Zug durch Gleis 1 fahren, obwohl dort keine Oberleitung ist. Die Strecke musste bis zum Nachmittag gesperrt werden.

Fahrgäste beim Ein- und Aussteigen im den Zug der Regionalbahn am Geltendorfer Bahnhof in Richtung Allgäu.
Bild: Julian Leitenstorfer

Am Sonntag um 12.50 Uhr fuhr der erste Regionalexpress mit E-Lok bespannt aus München kommend von Geltendorf ab nach Memmingen, und am späten Sonntagnachmittag passierte der erste Containerzug aus Österreich Geltendorf. Er war in Salzburg abgefahren, sein Ziel war der Containerbahnhof Wolfurt in Vorarlberg.

Ein ehemaliger BRB-Manager ist jetzt bei Go-ahead

Der Regionalexpress mit Doppelstockwagen, bespannt mit einer E-Lok, wird aber nur ein Jahr auf der Strecke München-Memmingen-Lindau zu sehen sein, dann nimmt das englische Unternehmen „Go-ahead“ mit Sitz in Berlin seinen Betrieb mit 22 elektrischen Triebzügen vom Typ „Flirt“ des Herstellers Stadler auf. Als Kaufmännischer Geschäftsleiter tritt bei Go-ahead Sebastian Goßner auf, der schon die Bayerische Regiobahn zum Start geführt hat, die unter anderem zwischen Augsburg, Weilheim und Schongau sowie Füssen und Landsberg unterwegs ist.

Ganz verschwinden werden die dieselbetriebenen Züge auf der Allgäubahn jedoch nicht. Die BRB fährt mit den „Lint“-Diesel-Zügen nach Füssen. Auch moderne Triebzüge von Pesa, deren Zugfront einen an das Aussehen eines Hais erinnern, fahren jetzt noch auf der Allgäubahn über Kempten nach Lindau-Oberstorf, denn die elektrifizierte Strecke geht nur über Memmingen nach Lindau.

Trotz der neuen Oberleitung westlich von Geltendorf gibt es aber auch noch Züge, die im Dieselbetrieb unterwegs sind, zum Beispiel, wenn sie nach Kempten fahren, wie dieser Zug rechts im Bild.
Bild: Alwin Reiter

Auch die alte Diesellok BR218, (die jüngste wurde 1979 gebaut) wird noch einmal in der Früh und einmal am Abend einen Regionalexpress von Kempten nach München schieben und ins Allgäu ziehen. Wann diese Strecke elektrifiziert wird, steht noch in den Sternen. Wie der Sprecher der Bahn in einem Beitrag im Fernsehen andeutete, wird eher die Strecke von München nach Mühldorf elektrifiziert.

Auch ein Strombetrieb auf der Ammerseebahn von Geltendorf nach Weilheim wäre eine Option, aber wann das sein wird, das steht noch in den Sternen, so die Meinungen in verschiedenen Bahn-Internetforen.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren