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Landkreis Landsberg

13.09.2019

Giftige Blaualgen tauchen jetzt auch im Landkreis Landsberg auf

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Das Landratsamt Landsberg warnt vor der Blaualge. Sie breitet sich derzeit auf dem Lech im nördlichen Landkreis aus. Badeverbote sind geplant.
Bild: Julian Leitenstorfer Photographie

Blaualgen vermehren sich in vier Stauseen zwischen Kaufering und Prittriching massenhaft im Lech. Die Bakterien sind vor allem für Hunde lebensgefährlich. Was Forscher sagen.

Rund einen Monat nach dem Blaualgenfund am Mandichosee bei Merching (Landkreis Aichach-Friedberg) wurden jetzt auch im Landkreis eine insbesondere für Hunde giftige Art von Cyanobakterien nachgewiesen. An den Staustufen 18 (Kaufering), 19 (Schwab- stadl), 20 (Scheuring) und 21 (Prittriching) können die Blaualgen bereits mit bloßem Auge erkannt werden, meldete am Freitagmittag das Landratsamt. Die Behörde gab eine Warnmeldung heraus. Wohl in Kürze werden auch ein formelles Badeverbot und eine Nutzungsuntersagung für Wassersportler und Angler erlassen. Auch vor dem offiziellen Inkrafttreten der Verbote rät das Landratsamt dringend, diese Gewässer und den Uferbereich zu meiden.

Für Hunde verläuft der Kontakt oft tödlich

Des Weiteren sollten Hundebesitzer darauf achten, ihre Hunde nicht in die Nähe des Gewässers zu lassen. Das von den Blaualgen ausgeschüttete Toxin kann für Hunde tödlich sein, wenn sie dieses über das Wasser aufnehmen. Die Gefahr geht dabei konkret von der Blaualgenart Tychonema aus – eine von rund 2000 Arten, die unter dem Oberbegriff Blaualgen zusammengefasst sind. Einige dieser Bakterien produzieren Giftstoffe, die Tychonema das Alkaloid Anatoxin A. Während Menschen in der Regel durch das Schlucken von Wasser keine gesundheitsgefährdenden Mengen dieses Bakteriengifts aufnehmen können, sieht es zum Beispiel bei Hunden anders aus.

Weil sich am Mandichosee im August drei Hunde tödliche Vergiftungen zuzogen, war man auf die Bakterienbelastung aufmerksam geworden. In der Folge wurden in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt von der Forschungsstation der Technischen Universität München weitere Gewässer südlich des Mandichosees auf Blaualgen untersucht. Vor dem angekündigten warmen Spätsommerwochenende folgte am Freitag nun die Warnmeldung. „Wir wollen nicht, dass in der nächsten Woche zu lesen ist, das etwas passiert ist“, sagt dazu die Gewässerkundlerin Dr. Uta Räder.

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Die Forscher stehen noch vor vielen Rätseln

Viel Konkretes will die Wissenschaftlerin von der TU München momentan zum Blaualgenphänomen in der Region nicht sagen. „Wir wissen darüber, über die Ökologie und Verbreitung noch nicht viel.“ Deswegen gibt die Wissenschaftlerin auch keine Prognose ab, ob die Cyanobakterien und speziell die Tychonema auch an anderen Seen in der Region vorhanden sein könnten. „Da wäre alles rein spekulativ, jetzt muss erst einmal diesem Befund ausführlich nachgegangen werden.“ Momentan gebe es erst einen mikroskopischen Nachweis, der jedoch Verwechslungen mit anderen Arten nicht ausschließe. Deshalb müssten noch weitere Analysen gemacht werden. Weil man nicht wisse, warum diese Bakterienart nun auf einmal in der Region vorkomme, könnten auch noch keine Aussagen gemacht werden, wie das Problem gelöst werden kann.

Typisch für die Fundstellen von Tychonema sind rötlich-braune Ansammlungen auf dem angespülten Schlamm. Davon kann ein fischiger unangenehmer Geruch ausgehen. Menschen würden sich in der Regel an einer solchen Stelle nicht in ein Gewässer begeben, erklärt Räder. Gerade anders sei es jedoch bei Hunden: Diese würden von dem muffig-erdigen Geruch angezogen und schlabberten in diesem Schlamm – am Mandichosee hatte das für drei Tiere tödliche Folgen.

Die Blaualgen bilden richtige Matten

Schon länger befasst sich die Biologin Jutta Fastner vom Umweltbundesamt mit den Cyanobakterien und speziell den Tychonema. Zunächst sei man von einem absoluten Ausnahmefall ausgegangen, als sich 2017 am Tegeler See in Berlin ein Hund daran vergiftete. Auch das im Spätsommer festgestellte Vorkommen am Mandichosee sei ungewöhnlich, denn normalerweise verschwänden die Bakterien über den Sommer, sagte sie der Friedberger Allgemeinen. Anders als andere Blaualgen färbe die Tychonema die Gewässer nicht ein und sei kaum sichtbar. Bemerkbar mache sie sich erst, wenn sie sich massenhaft vermehrt. Die Tychonema vom Mandichosee lebe am Gewässergrund. Wenn sie sich vermehrt, bilde sie Matten, ähnlich wie Moospolster, die kleine Luftbläschen machen. Dadurch könne sie auftreiben und wegdriften. In diesen Matten sei die Giftkonzentration wesentlich höher als im freien Gewässer.

Lesen Sie auch den Kommentar:Blaualgen: Eine wenig bekannte Gefahr

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