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Landsberg

21.10.2019

Kabarett: Was Urban Priol und Claus-Peter Reisch verbindet

Kabarettist Urban Priol wettert in der Aula der Mittelschule gegen Missstände in Politik und Wirtschaft.
Bild: Julian Leitenstorfer

Plus Der Kabarettist Urban Priol wettert in der Mittelschule in Landsberg gegen Missstände in Politik und Wirtschaft. Seenotretter Claus-Peter Reisch verkauft im Anschluss Schokolade.

Urban Priol macht sich Gedanken über die Politik. Der Streifzug durch die aktuellen Geschehnisse mit Protagonisten wie Andreas Scheuer, AKK, Julia Klöckner, Olaf Scholz, Angela Merkel, Christian Lindner und Ursula von der Leyen in seinem Programm "Im Fluss" lässt Priol die Haare zu Berge stehen, so scheint es. Ein bisschen erinnert der Mann, der in der ausverkauften Aula der Mittelschule Landsberg angetreten ist, um Missstände in Politik und Wirtschaft anzuprangern, an Albert Einstein.

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Bunt wie sein Outfit – Priol ist im Hemd mit Fischmuster und bunten Sneakern zu Jeans angetreten – ist auch seine Gedankenwelt, an der er das Publikum teilhaben lässt. Und so gelangt er schnell von Instagram und den neuen Zeiten des Ständig-präsent-sein-Müssens, über die Tücken von Navis zur griechischen Mythologie: Göttervater Zeus, der „erste Frauenversteher der Geschichte“, frisst Metis, seine Lehrerin, die sich in eine Fliege verwandelt hatte. Diese lässt sich in Zeus Kopf nieder. Und so wurde laut Priol „die Frau die mäßigende Stimme im Kopf des Mannes“.

Am Verkehrsminister lässt er kein gutes Haar

Er schwenkt weiter zur Künstlichen Intelligenz, die zunehmend in alle Lebensbereiche einziehe, „in einer Zeit, in der die menschliche Intelligenz immer mehr abnimmt.“ Viele Beispiele dafür findet er in Politik und Wirtschaft, die die Zeichen des Klimawandels nicht erkannt hätten, sodass – wie auf der vergangenen Automesse IAA zu sehen war – immer schwerere und stärker motorisierte Luxusfahrzeuge auf den Markt kämen.

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Ob Feinstaub, Maut oder Tempolimit – an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, lässt Priol kein gutes Haar. Dass AKK nun Verteidigungsministerin sei, tue ihm leid für die Soldaten. Kostenlose Bahnfahrten stünden nicht Bundeswehrsoldaten, sondern viel eher Ehrenamtlichen zu. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner wolle die Lebensmittelindustrie vor den Verbrauchern schützen. „Sie setzt auf Freiwilligkeit der Wirtschaft bei der Kennzeichnung. Da haben sich die Mastschweine kaputtgelacht.“

„Früher gab es den Weltspartag …“

Auch auf die Zusammensetzung des Bundestages kommt der Franke zu sprechen. Das Gremium solle die Bevölkerung abbilden, dazu fehlten nicht nur Frauen, sondern auch Abgeordnete mit Migrationshintergrund oder Hauptschulabschluss, Behinderte oder Alleinerziehende. „Der Klimaschutz zerschellt an den Klippen der Einzelinteressen“, kritisiert der Kabarettist. Er komme auch deshalb nicht voran, weil neuerdings viele soziale Themen damit verbunden würden. Es sei eine Schande, wie sich ältere Männer wie der AfD-Politiker Andreas Kalbitz an dem Mädchen Greta Thunberg abarbeiteten.

Auch die Zinspolitik der EZB bekommt ihr Fett ab. „Früher gab es den Weltspartag. Schick heute mal ein Kind mit der Spardose zur Bank. Da sagen die: Hau bloß ab!“. Das Grummeln verstärke sich in der Bevölkerung, weil keiner mehr wisse, wofür die Politik überhaupt stehe, so Priol. Er zieht einen Vergleich mit einem Zug: „Das Volk sitzt im Waggon, die Politiker in der abgekoppelten Lok.“

Alles ist im Fluss

Das Publikum ist in vielem einer Meinung mit Priol, immer wieder kommt spontaner Applaus auf. Höhepunkte des Abends sind die Imitationen von Politikern wenn Priol gekonnt in die jeweiligen Dialekte schlüpft und beispielsweise den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Wilfried Kretschmer nachahmt: „Alles ist im Fluss. Millionen sind in Bewegung.“

Wir müssen Verantwortung für unseren Planeten übernehmen“, sagt Priol am Ende und freut sich, dass Ministerpräsident Markus Söder sowie Bundesinnenminister Horst Seehofer ihre Meinung zur Seenotrettung von Claus-Peter Reisch geändert hätten. Früher sei von einem Schlepper gesprochen worden, heute von einem hochanständigen Mann.

Kapitän Reisch hat sein Buch „Das Meer der Tränen“ dabei

Reisch, Kapitän des Schiffes „Lifeline“, steht dann auch am Ende der Veranstaltung vielen Interessierten Rede und Antwort und signiert sein eben erschienenes Buch „Das Meer der Tränen“. Mit dem Verkauf von Schokolade, die komplett in Ghana gefertigt wird, macht Reisch zudem darauf aufmerksam, dass Migration nur verhindert werden könne, indem die Lebensbedingungen vor Ort verbessert werden. 50 Familien hätten durch die Schokoladenproduktion ein Auskommen, erzählte er im Gespräch mit dem LT.

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