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Penzing/Schwifting: Demo: Massive Kritik an Steico-Ansiedlung  bei Stillern

Penzing/Schwifting

Demo: Massive Kritik an Steico-Ansiedlung  bei Stillern

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    Grüne protestieren gegen Steico-Ansiedelung am Staatsgut Stillern
    Grüne protestieren gegen Steico-Ansiedelung am Staatsgut Stillern Foto: Julian Leitenstorfer

    Der holzverarbeitende Betrieb Steico will sich an der Autobahn beim Weiler Stillern auf einer landwirtschaftlichen Fläche ansiedeln (LT berichtete). Einem Protestaufruf folgten am Samstagvormittag mehr als 100 Bürger. Vertreter der Grünen, des Bund Naturschutz und Schwiftings Bürgermeisterin fanden deutliche Worte zu dem Ansinnen. Es wurden auch Vorschläge zu Alternativstandorten im Landkreis Landsberg gemacht.

    Die Botschaften auf den Plakaten der Teilnehmer waren eindeutig: „Hände weg vom Grundwasser“, forderten sie und „Keine Industrie mitten in der Landschaft“. Einen solchen Betrieb in der Nähe vom Weiler Stillern zu errichten, wäre „der Hammer“, meinte ein Gegner des Vorhabens in Anspielung auf Penzings Bürgermeister Peter Hammer. Organisiert wurde die Demo von den Grünen, der ÖDP, dem Kreisverband des Bund Naturschutz und dem Kreisverband des Landesbunds für Vogelschutz.

    Martin Erdmann, Kreisvorsitzender der Landsberger Grünen, sagte zu Beginn, dass Steico „ein gutes Produkt herstellt“. Die Firma fertigt Holzfaserdämmstoffe. „Wir sind offen für eine Ansiedlung im Landkreis Landsberg, aber nicht an der Stelle“, so Erdmann.

    Ludwig Hartmann spricht von "Umweltvandalismus"

    Ludwig Hartmann, Landtagsabgeordneter der Grünen aus dem Landkreis Landsberg und Co-Fraktionsvorsitzender der Partei im Landtag, bezeichnete das Vorhaben als „staatlich organisierten Umweltvandalismus“. Dafür erhielt er von den Anwesenden viel Applaus. Bei der Fläche, die dem Unternehmen zur Verfügung gestellt werden soll, handelt es sich nämlich um eine staatliche Fläche, weswegen der Haushaltsausschuss des Landtags einem Verkauf zustimmen müsse. Seine Partei werde einen Ortstermin einfordern, kündigte er an.

    Zu den Rednern bei der Protestkundgebung gegen die Steico-Ansiedelung gehörte auch Ludwig Hartmann, Landtagsabgeordneter der Grünen.
    Zu den Rednern bei der Protestkundgebung gegen die Steico-Ansiedelung gehörte auch Ludwig Hartmann, Landtagsabgeordneter der Grünen. Foto: Julian Leitenstorfer

    Hier werde unnötig Ackerfläche unwiederbringlich versiegelt, beklagte Hartmann. Das passe nicht mit dem gestiegenen Umweltbewusstsein der Menschen zusammen. Er übte zudem Kritik am Penzinger Gemeinderat. Die Entscheidung, die Ansiedlung zu unterstützen, sei „aus der Zeit gefallen“. Der Grünen-Politiker sagte, dass es nun darum gehe, der Firma zu zeigen, dass eine Ansiedlung an dem Ort kein Spaziergang werde. „Edeka hat es nicht geschafft, sich hier anzusiedeln, und Steico wird es auch nicht schaffen“, rief er den Teilnehmern des Protests kämpferisch zu.

    Bund Naturschutz: Vorsitzender rechnet mit Klagen

    Zweifel, dass dieser Standort genehmigungsfähig ist, hat auch Peter Satzger, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz. Er glaube nicht, dass ein von der Gemeinde Penzing auf den Weg gebrachter vorhabenbezogener Bebauungsplan der Überprüfung durch ein Gericht standhalten werde. „Ich denke, die Verbände werden dagegen klagen.“ Er habe, ebenso wie die Grünen, Zweifel, dass das Vorhaben dem Anbindegebot des Landesentwicklungsprogramms des Freistaats entspricht. Das schreibe vor, Gewerbegebiete nur mit Anbindung an bestehende Siedlungen auszuweisen. Doch die Staatsregierung habe immer mehr Ausnahmen zugelassen in den vergangenen Jahren.

    Peter Satzger sagte, dass der Landkreis in den vergangenen 35 Jahren insgesamt 4000 Hektar an landwirtschaftlicher Fläche verloren habe. „Wo sollen die Anbauflächen für unsere Nahrungsmittel herkommen? Wir können die Erde nicht aufblasen.“ Aus seiner Sicht gibt es im Landkreis zwei Standorte, an denen eine Ansiedlung von Steico sinnvoller wäre. Er nannte den Fliegerhorst in Penzing mit seinem Bahnanschluss und beim Sägewerk Pröbstl in Fuchstal. Einig waren sich alle Redner darin, dass besser Flächen verwendet werden sollten, die bereits versiegelt sind und eine Anbindung haben.

    Windacherin sorgt sich ums Grundwasser

    Satzger verwies zudem darauf, dass der Grundwasserspiegel im Jahr 2018 wegen der damaligen Trockenheit in Penzing gesunken und bislang nicht wieder gestiegen sei. Holzverarbeitende Betriebe benötigten viel Wasser. Eine Sorge, die auch die Windacherin Karin Lenner dazu bewogen hat, an dem Protest teilzunehmen. Auf LT-Nachfrage sagte sie: „Ich mache mir Sorgen, dass sie uns das Wasser abgraben. Wir beziehen unser Grundwasser von hier.“

    Diese Bedenken teilt auch Schwiftings Bürgermeisterin Heike Schappele. „Die Grundwasserproblematik ist scheinbar noch nicht bei jedem angekommen“, sagte sie. Sie habe an diesem Freitag und Samstag zwei völlig gegensätzliche Termine gehabt, berichtete sie. Zunächst nahm sie an der Aufstellungsversammlung für den Landschaftspflegeverband teil, der sich um die Pflege von Ausgleichs- und anderen ökologisch wertvollen Flächen kümmern soll, und nun stehe sie beim Weiler Stillern, wo zehn Hektar Ackerfläche versiegelt werden sollen. „Da beißt sich die Katze doch selber in den Schwanz!“ Der Weiler liegt zwar auf Penzinger Flur, aber nahe bei der Gemeinde Schwifting und südlich der A96.

    Schwiftings Bürgermeisterin Heike Schappele kritisiert das Vorhaben mit deutlichen Worten.
    Schwiftings Bürgermeisterin Heike Schappele kritisiert das Vorhaben mit deutlichen Worten. Foto: Julian Leitenstorfer

    Die Schwiftinger müssten mit dem zusätzlichen Verkehr, den Emissionen und den Auswirkungen auf die Umwelt leben und hätten nur Nachteile von der Steico-Ansiedlung, beklagte Schappele und richtete einen eindringlichen Appell an alle Entscheidungsträger: „Wir sollten Gottes Schöpfung erhalten und mit Sorge und Achtsamkeit handeln und nicht geleitet von Profitgier und Ausbeutung.“ Gabriele Triebel, Grünen-Landtagsabgeordnete aus Kaufering, äußerte die Befürchtung, dass Steico nur „das Einfallstor“ sei für die Ansiedlung weiterer Firmen in dem Bereich.

    Mit Martin Bergmann meldete sich auch ein Penzinger zu Wort. Er plant, Ende des Monats zusammen mit anderen einen Ortsverband der Grünen in Penzing zu gründen. Er halte das Projekt für „nicht stimmig für unsere Gemeinde“. Fünf Schwiftinger Familien haben derweil eine Petition gestartet, die an den Landtag übergeben werden soll. Zahlreiche Teilnehmer der Demonstration unterschrieben direkt vor Ort.

    Penzings Bürgermeister sieht Vorteile bei dem Standort

    Penzings Bürgermeister Peter Hammer hatte den Standort im Gespräch mit dem LT jüngst als geeignet bezeichnet, weil er sich nicht in unmittelbarer Nähe von Wohnbebauung befinde und die Lkw auch nicht durch Ortschaften fahren müssten.

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