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Landsberg

28.01.2019

Wenn Ludwig II. auf Stoiber und Merkel trifft

Kabarettist Wolfgang Krebs schlüpfte bei seinem Auftritt in Landsberg in verschiedene Rollen. Natürlich in die von Horst Seehofer, Markus Söder und Edmund Stoiber, aber auch von König Ludwig II. und Angela Merkel.
Bild: Thorsten Jordan

Kabarettist Wolfgang Krebs schlüpft bei seinem Auftritt in Landsberg in höchst unterschiedliche Rollen. Doch sie alle haben etwas gemeinsam: Sie vergnügen das Publikum.

Wenn sich Stoiber, Seehofer, Söder und andere Politprominenz in Landsberg ein Stelldichein geben, dann findet sich der Zuschauer in der ausverkauften Vorstellung des Imitationskünstlers Wolfgang Krebs wieder. Er zündete an einem unterhaltsamen Abend in der Aula der Mittelschule ein Feuerwerk an Wortakrobatik und Stimmenvielfalt.

Vor der Kulisse eines idyllischen Alpenpanoramas wechselt der Kabarettist nicht nur die Kostüme und Perücken. Gekonnt mimt er auch den sich kunstvoll verhaspelnden Edmund Stoiber (den „Ministerpräsidenten des ehemaligen Bayern“), den jovialen Horst „Seepferdchen, äh, Seevogel, nein Seehofer“ oder die „Kandesbrunzlerin“ Angela Merkel. Auch Hubert Aiwanger aus Rottenburg a.d. Laaber – „der Name des Flusses nimmt seine Wortbeiträge vorweg“ – tritt auf. Dazwischen zieht die Allgäuer Sängerin Meggy Montana mit ihrer Schlager-Schnulze „Was ich am meisten an dir mag, ist dein Bausparvertrag“ durch die Reihen der Zuschauer.

Kommt eine Schutzmauer gegen die Armutszuwanderung aus Bremen?

Dabei ist der Hintergrund des Treffens ein ernster: Schorsch Scheberl, Schlitzohr und eines der Alter Egos von Wolfgang Krebs, sorgt sich um Tradition und Gemütlichkeit in seinem schönen Bayernland. Dem droht die Landflucht und besonders betroffen davon ist sein Heimatdorf. Um diesen Trend zu stoppen, veranstaltet Scheberl, der ehrenamtlicher Vorsitzender aller 30 Ortsvereine ist, einen Motivationsabend im einzigen Lokal, der Wirtschaft „Zur Toten Hose“. Dort bringt er viele Argumente für das Landleben vor: „artgerechte Tierhaltung, dauerhaftes Vergnügen, preiswertes Bauen“ – im Unterschied zum „Drecks-München“, wo man tausend Euro kalt für eine Ein-Zimmer-Wohnung bezahlen müsse.

Der Ede wird wehmütig

Dauerbrenner Edmund Stoiber hatte gleich mehrfach seinen Auftritt, auch wenn er laut Wolfgang Krebs „wegen seines Körpereinsatzes am anstrengendsten“ sei. Stoiber moniert die letzte Bayernwahl und dass die „CSU-CSU mit den Freien Quälern“ regieren müsse. Deren Politik halte er für falsch, aber „auch der Holzweg kann der richtige sein, wenn Sie eine Termite sind“. Er frage sich schon, wie es sein könne, dass die Leute die CSU nicht mehr wählen, „wo wir uns doch gar nicht verändert haben?“.

Damit trifft er den Nerv des Publikums. Ursachen sehe er in der Armutszuwanderung aus Bremen und Teilen des Ruhrgebiets. Und er sinniert verschmitzt darüber, eine Mauer hinter Aschaffenburg zu errichten und „die Hessen sollen sie bezahlen“. Stoiber blickt wehmütig auf alte Zeiten zurück. Er erzählt, wie man sich in seinem Heimatort „Hausratswolfen“ noch „umeinander gekümmert“ habe. Er selbst sei in Wahlkabinen gekrochen und habe alten Leuten ihre zitternde Hand helfend geführt.

Wenn der Ministerpräsident zum Wahlhelfer wird

Auch Horst Seehofer freut sich über die 48-Prozent-Wahlergebnisse aus seiner Ministerpräsidenten-Zeit und denkt als Innenminister überhaupt nicht an Rückzug: „Ich werde auf meinem Computer nie ’Alt’ und ’Entfernen’ gleichzeitig drücken!“ In der Rolle des Markus Söder macht Krebs als Erstes ein Selfie auf der Bühne. Auch dessen fränkischen Dialekt, seine Gestik und Mimik imitiert er perfekt, obwohl er sagt: „Für Söder habe ich lange gebraucht, angesichts seiner unterschiedlichen Tonlagen.“

Die Kanzlerin verortet die Schwaben in Richtung Vietnam

Dann ergreift König Ludwig II. als Baulöwe, der in den „Rohbau“ Neuschwanstein einzog, das Wort und prangert das „Gejammere“ der Landbewohner an. Sogar Angela Merkel schaut auf ihrer großen Abschiedstournee vorbei. Mit ihrem Hosenanzug der Marke „Sack und Asche“ und der typischen Raute verkündet sie, die Bayern, „ein Volk mit ihrer merkwürdigen Sprache“ kennenzulernen. Gerüstet mit einer Tetanus-Impfung fahre sie in „das wilde Land“, um die dortige CSU zu „unterwandern, äh, unterstützen“. Trotz Dolmetscher an ihrer Seite scheitert sie jedoch an den unterschiedlichen Dialekten. So glaubt sie am Ende, die Schwaben hätten eine Affinität zu Vietnam, da sie immer „Ha-noi“ sagten.

Der Kabarettist Wolfgang Krebs bereitete mit seinen Parodien dem Publikum nicht nur einen höchst vergnüglichen Abend. Ihm gelingt es auch, dem politischen Ernst eine heitere Seite abzugewinnen. Und durch seine muntere Spielart entwirft er ein Psychogramm der Leute, die zwar durch den Kakao gezogen, aber nie bösartig verunglimpft werden.

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