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Landkreis Landsberg

11.11.2017

Wie sicher sind die Behörden?

Behördenmitarbeiter haben manchmal keinen leichten Job. Am Landratsamt Landsberg sollen die Sicherheitsvorkehrungen erhöht werden. In einzelnen Abteilungen – im Bild die Ausländerbehörde – sitzen Mitarbeiter hinter Glas.
Bild: Julian Leitenstorfer

Beleidigungen, Drohungen und Tritte gegen Türen: Am Landratsamt gibt es manchmal unschöne Szenen. Jetzt will man aufrüsten, um die Sicherheit der Mitarbeiter zu erhöhen.

Auch wenn solche Fälle wie die Geiselnahme am Landratsamt Pfaffenhofen (LT berichtete) in Landsberg noch nicht vorgekommen sind – die Mitarbeiter der Kreisbehörde haben oft einen schwierigen Job. „Es kommt immer wieder zu kleineren Vorfällen. Kunden werden verbal rabiat, treten gegen eine verschlossene Tür. Aber körperliche Gewalt hatten wir zum Glück noch nicht“, sagt Wolfgang Müller, der Sprecher des Landratsamtes Landsberg. Nicht nur wegen des jüngsten Vorfalls in Pfaffenhofen – ein Vater nahm dort eine Mitarbeiterin als Geisel – sollen in Landsberg nun Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.

„Wir überlegen, was wir für die Sicherheit der Mitarbeiter tun können“, sagt Wolfgang Müller. Er selbst ist als Leiter der Beschwerdestelle immer wieder mit aufgebrachten Kunden konfrontiert. Aber nicht nur er, sondern auch die Mitarbeiter von Jugend- und Sozialamt, Jobcenter und Ausländerbehörde. Dort verkehre zum Teil eine „nicht ganz einfache Klientel“, wie Müller es ausdrückt. „Im Jugendamt gibt es oft schwierige Gespräche. Zum Teil werden die auch mit Polizeibegleitung geführt, da Kunden zu Gewalt neigen. Da geht es dann oft um Sorgerechtsangelegenheiten und Kindeswohl“, erläutert Müller. Im Pfaffenhofener Fall ging es auch um einen Sorgerechtsfall, als ein Mann eine Mitarbeiterin des Jugendamtes stundenlang in seiner Gewalt hatte.

In Zukunft geht es nur noch zu zweit auf Außentermin

In Landsberg kommt es auch immer wieder in Asylangelegenheiten zu unschönen Vorfällen. „Hier gibt es vereinzelt Unzufriedenheiten mit Leistungen, die lautstark reklamiert werden.“ Müller schildert auch einen konkreten Fall, in dem eine Mitarbeiterin zu einem Außentermin die Polizei alarmierte. Ein Flüchtling sollte aus einem dezentralen Quartier in ein anderes umziehen. Er geriet so stark in Rage, dass die Mitarbeiterin die Polizei rief. „Die Konsequenz daraus ist, dass schwierige Termine in Zukunft nur noch von zwei Mitarbeitern wahrgenommen werden“, sagt Wolfgang Müller.

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Auch in der Behörde selbst steht das Thema Sicherheit groß auf der Agenda. Seit einigen Wochen schon ermittelt eine externe Sicherheitsbeauftragte das Gefährdungspotenzial für einige Abteilungen. Zudem wurde am Mittwoch nach den Ereignissen in Pfaffenhofen beispielsweise vom Personalrat ein Leitfaden der Polizei verschickt („Wie Sie sich vor Übergriffen Ihrer Kunden schützen“). Im vergangenen halben Jahr gab es auch zwei Sicherheitsschulungen mit der Polizei. „Wir überlegen auch, was wir noch tun können. Zum Beispiel Alarmknöpfe in den Büros installieren oder Kurzbefehle über die Tastatur, die Alarm in Nachbarbüros oder an der Pforte auslösen“, sagt Müller. Hinter Sicherheitsglas sitzen zum Beispiel Mitarbeiter der Kasse oder in der ausgelagerten Ausländerbehörde in der Lechfeldstraße.

Im Gericht geht es wie am Flughafen zu

Schon seit Jahren gibt es am Landsberger Amtsgericht verschärfte Sicherheitsvorkehrungen. Im Eingangsbereich gibt es an der Information nicht nur dickes Glas, sondern auch Personenkontrollen wie am Flughafen. Wer ins Gebäude will – egal, ob als Zeuge, Angeklagter oder Besucher –, der muss durch den Sicherheitscheck und vorbei an Metalldetektoren.

Anlass der verschärften Kontrollen an allen Gerichten in Bayern waren die tödlichen Schüsse auf einen Staatsanwalt im Dachauer Amtsgericht im Jahr 2012. „Die Sicherheitskontrollen haben sich bewährt“, sagt Alexander Kessler, der Sprecher des Landsberger Amtsgerichts. „Aber trotzdem gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, wenn jemand schon im Haus ist.“ Auf der anderen Seiten würden die strengen Kontrollen einen hohen Personalaufwand bedeuten. Die Justizwachtmeister werden deshalb von Mitarbeitern privater Sicherheitsfirmen unterstützt.

Die Stadt arbeitet auch an einem Sicherheitskonzept

An einem Sicherheitskonzept – gemeinsam mit der Polizei – arbeitet derzeit die Landsberger Stadtverwaltung. „Einzelne Maßnahmen daraus wurden auch schon umgesetzt“, sagt Pressesprecher Andreas Létang. Zu brenzligen Situationen seie es im Bürgerbüro, wo die meisten Bürger ihre Anliegen vorbringen, noch nicht gekommen. „Natürlich gibt es hin und wieder Bürger, die ausfallend werden oder schlechte Manieren haben. Solche verbalen Zwischenfälle halten sich mit drei bis vier Mal im Jahr sehr in Grenzen.“

Die Polizei habe man noch nie rufen müssen. Der jüngste Vorfall in Pfaffenhofen habe für Landsberg keine Auswirkungen. „Allerdings bestätigt dieser Vorfall, dass wir mit der Aufstellung eines Sicherheitskonzeptes auf dem richtigen Weg sind“, so Létang weiter.

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