"Es brennt lichterloh." So schilderte Johannes Becher (Grüne), Sprecher für kommunale Fragen und frühkindliche Bildung im Bayerischen Landtag, der zusammen mit Gastgeberin Gabriele Triebel (Grüne) aus Kaufering, Sprecherin ihrer Fraktion für Bildung, Erinnerungskultur und Religion, die prekäre Situation in den Kitas und der Kindertagespflege diskutierte. Das konnten 14 Fachfrauen in verantwortlichen Positionen aus unterschiedlichen Einrichtungen in Epfenhausen, Igling, Kaufering, Landsberg und Penzing, die an der Diskussion am Runden Tisch in der AWO-Begegnungsstätte über die Probleme aus ihrem Alltag berichteten, nur bestätigen.
Es mangle an allem, an ausreichend Personal, guten Arbeitsbedingungen, entsprechender Bezahlung und der gesellschaftlichen Wertschätzung. Um die Realität, die nicht mit der von Regierungsseite erhobenen Statistiken übereinstimme, hautnah zu erleben, hospitiert Becher, jüngst selbst Vater geworden, einmal im Quartal den ganzen Tag in einer Kita, wo ihn sofort eine Kinderschar umringe. Wegen der unzureichenden Bezahlung und fehlender Aufstiegschancen gebe es nur wenige männliche Bezugspersonen in diesem Bereich.
Kein großer Plan, lediglich gestopfte Löcher
Die engagierten Frauen (95 Prozent der Angestellten sind weiblich und gerne in diesem Job) beklagten vor allem den Personalmangel, der in zu großen Gruppen eine erforderliche individuelle Betreuung Einzelner kaum möglich mache. Wenn, wie zum Beispiel in Penzing, ein Drittel Flüchtlingskinder ohne Sprachkenntnisse und drei integrative Kinder in einer 25er-Gruppe betreut werden, könne das auf Dauer nicht funktionieren. Auch um das Bildungsniveau lernschwächerer Kinder anzuheben, brauche es dringend kleinere Gruppen, sprich mehr Fachpersonal. Doch da fühlen sich die Kindergartenleiterinnen von der Politik alleingelassen, es gebe keinen großen Plan, da würden lediglich Löcher gestopft.
Bei Krippen-Öffnungszeiten, wie in Landsberg von 7 bis 18 Uhr, fehle mitunter eine ausreichende Personaldecke. Krippenkinder würden zum Teil elf Stunden betreut, weil es die Situation zu Hause erfordere. Die Wünsche der Eltern, die unter erheblichem Druck stünden, seien oft nicht zu erfüllen. Die Grünen hätten, auch im Hinblick auf die kommende Landtagswahl, ein Konzept unter dem Motto "Die Kleinsten stark machen", mit Zielsetzung Chancengleichheit und individuelle Förderung für jedes Kind, ausgearbeitet. Auch alle Menschen, die in diesem System arbeiten, sollen entsprechend gestärkt werden, damit sie einmal gesund in Rente gehen können.
"Selbst die Forschung hat mittlerweile bestätigt, dass zwei Jahre in einer hochwertigen Einrichtung die Chancen auf ein besseres Leben deutlich steigert", so Becher. Auf die Frage von Gabriele Triebel, wie sich die Pandemie auf die Kindergartenkinder ausgewirkt habe, berichteten die Leiterinnen über erhebliche Defizite in der sozialen und emotionalen Kompetenz. Der erhöhte Fernsehkonsum während dieser Zeit sei deutlich spürbar. Das allgemeine Fazit des Abends lautete: "Wir können den Bedürfnissen nur gerecht werden, wenn die Bedingungen stimmen."