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Unterallgäu

02.04.2020

Banken-Bilanz: Wenn da nur nicht dieses Virus wäre

Die Corona-Krise wirkt sich auf die Wirtschaft aus - und auf die Arbeit der Banken.
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Die Corona-Krise wirkt sich auf die Wirtschaft aus - und auf die Arbeit der Banken.
Bild: Ralf Lienert (Symbol)

Die Genossenschaftsbanken blicken auf ein gutes 2019 zurück. Corona scheint derzeit aber vieles zu verändern. Der Ausblick wird mit jedem Tag unklarer.

Vor sechs Wochen noch hätte der Kreisverbandsvorsitzende der Genossenschaftsbanken im Unterallgäu, Anton Jall, nichts als große Zuversicht verbreitet. Die Zahlen des Jahres 2019 sind gut, die sechs selbstständigen Banken alle mit der geschäftlichen Entwicklung sehr zufrieden. Seit sich der Corona-Virus aber immer mehr verbreitet und die Politik jetzt auf eine Schocktherapie setzt, um der weiteren Ausbreitung Herr zu werden, mehren sich die Sorgenfalten. Bisher seien es zwar nur wenige Firmen, die wegen Corona in ernste Schwierigkeiten geraten sind, heißt es vonseiten der Bankdirektoren. Es könnten aber bald mehr werden. Und das ist Gift für die Wirtschaft. Für die Genossenschaftsbanken sind solche Krisen aber auch zugleich Chance.

Regionale Banken wollen ihre Kunden in Krisenzeiten unterstützen

Denn die regionalen Geldhäuser kennen ähnlich den Sparkassen ihre Kunden wie kein anderer. Jan Wanner von der VR-Bank Memmingen sagt: In solchen Zeiten zeigt sich der Wert regionaler Banken. „Wir unterstützen unsere Kunden in Krisenzeiten“, betont er auf der Bilanzpressekonferenz in Erkheim. Ihr Auftrag sei, zu den regionalen Firmen zu stehen. Lesen Sie auch: Rasanter Anstieg der Kurzarbeit im Allgäu

Anton Jall sprach von einer „überaus positiven Entwicklung in den wichtigsten Geschäftsfeldern“ im Jahr 2019. Die Bilanzsumme aller sechs Genossenschaftsbanken stieg um rund 5,6 Prozent auf gut 3,5 Milliarden Euro. Die den Banken anvertrauten Kundengelder stiegen um 5,5 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. Das Anlagevolumen nahm sogar um 7,3 Prozent auf 4440 Millionen Euro zu. Das allerdings ist in Zeiten von Negativzinsen sogar Last, wenn es nicht gelingt, die Gelder wieder zu verleihen. Jall sagt: „Leider Gottes hat es die Politik geschafft, dass solche Zuwächse Kosten verursachen“. Gemeint ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank EZB.

Banken-Bilanz: Wenn da nur nicht dieses Virus wäre

Walter Eberhard von der Raiffeisenbank Pfaffenhausen räumt ein, dass der Kurssturz an den Börsen in jüngster Zeit die schönen Zahlen verhagelt hat. Die Verluste müssen verbucht werden.

Setzt die EZB noch mehr auf "billiges Geld"?

Das Zinsumfeld macht den Banken weiter Sorgen. Angesichts der Corona-Krise fürchten die Bankdirektoren, dass die EZB versucht sein könnte, noch mehr auf billiges Geld zu setzen, um die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Auf Neukunden, die lediglich Geld von einer Bank zur anderen transferieren und keine weiteren Geschäfte mit der Bank machen wollen, werden Negativzinsen zukommen, kündigten die Chefs der Genossenschaftsbanken an. Jede Bank geht hier aber unterschiedlich vor. Eher sind es größere Anlagebeträge ab 50.000 oder 100.000 Euro, die dann mit einem Strafzins belegt werden. Die meisten wollen diesen Schritt so weit es geht hinausschieben. In den nächsten Jahren müssen sich die Genossenschaftsbanken aber auf rückläufige Ergebnisse beim Zinsertrag einstellen, so Jall.

Die Nachfrage nach Wohnungen und Häusern ist weiter ungebrochen

Eine wichtige Rolle spielt für die Genossenschaftsbanken die weiter ungebrochene Nachfrage nach Wohnungen und Häusern. Das sei der wirtschaftlichen Stärke der Region zu verdanken. Grundlage seien leistungsfähige und international wettbewerbsfähige Firmen. Allerdings fehlt es zunehmend an Baugrund, bedauerte Jall. Die Kommunen hätten Mühe, die Nachfrage nach Bauland zu decken.

Weiterhin hoch seien die Investitionen bei den gewerblichen und landwirtschaftlichen Kunden. Diese könnten aber oft auf hohe Eigenmittel zurückgreifen. Getragen werden die Genossenschaftsbanken von über 62.000 Mitgliedern. „Das ist unsere DNA“, sagt Jall.

Immer mehr Kunden im Unterallgäu nutzen Online-Services der Bank

Unaufhaltsam voran schreitet die Digitalisierung. Kunden nutzen diese Möglichkeit auch vermehrt, ihre Geldgeschäfte von Zuhause aus zu erledigen. Zugleich betonen die Geschäftsführer, sie legten unverändert großen Wert auf die Präsenz in der Fläche. In Pfaffenhausen und Breitenbrunn sollen die Gebäude heuer saniert werden. In Oberrieden wird die Filiale aber geschlossen.

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