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Satire

02.01.2019

So wird 2019: Geheimmission und Knalleffekt

Der Blick in die Satire-Glaskugel bringt die Geschehnisse des neuen Jahres ans Licht.
Bild: Sebastian Kah, dpa

Jahresausblick: Neue Aufgabe für Franz Josef Pschierer, neues Raumgefühl in Bad Wörishofen und ein neuer Vize-Scheich.

Januar

Lange Zeit ist gerätselt worden, warum sich ausgerechnet für den Mindelheimer Franz Josef Pschierer in der neuen Staatsregierung kein Platz mehr hat finden lassen. Die Wahrheit ist: Pschierer hat einen Geheimauftrag übernommen, der die CSU wieder auf alte Zeiten hoffen lässt. Er ist ausgewiesener Experte im Schafkopfspiel und weiß der Posaune liebliche Töne zu entlocken. Der CSU-Politiker wäre somit der ideale Bürgerbeauftragte für Geselligkeit und Lebensfreude in der Bayerischen Staatsregierung. Weil aber bereits Klaus Holetschek aus Memmingen – seit der verlorenen Landratswahl 2006 ein Busenfreund Pschierers – einen ähnlichen Posten bekleidet, bringt Pschierer die CSU-Mitglieder der Staatsregierung nun als einfacher Landtagsabgeordneter quasi ehrenamtlich auf Erfolgskurs. Im Untergeschoss der Staatskanzlei trommelt er den Posauenchor der CSU zusammen und weiht die Parteifreunde in die Geheimnisse des Schafkopfspiels ein. Die Freien Wähler werden angesichts dieser ausgeklügelten Strategie schon bald wieder die harten Bänke der Opposition drücken müssen.

Februar

Mindelheim gönnt sich einen neuen Feiertag: Der 25. Februar soll in Zukunft an den Gewinn der Olympischen Silbermedaille des deutschen Eishockeyteams um den Mindelheimer Patrick Reimer erinnern. Um 7.58 Uhr Ortszeit sollen Kirchenglocken ertönen und die örtlichen Gaststätten Freibier-Runden für die Bevölkerung ausgeben. Darauf verständigte sich der Stadtrat in seiner Jahresabschlusssitzung. Dass der 25. Februar zudem der inoffizielle „Tag der Schachtelsätze“ ist, freut Bürgermeister Stephan Winter umso mehr: „Das ist für uns die besondere Gelegenheit, einen Sohn unserer Stadt, der am 10. Dezember 1982, einem Jahr in dem Helmut Kohl zum Bundeskanzler gewählt wurde, der Commodore 64 auf den Markt kommt, E.T. die Leinwand erobert und Nicole mit „Ein bisschen Frieden“ den Eurovision Song Contest gewinnt, als zweiter Sohn der Familie Reimer, die insgesamt drei Söhne hat, von denen zwei, nämlich Patrick und Jochen, Eishockeyprofis wurden, das Licht der Welt erblickte, gebührend zu feiern und ihm mit dem Reimertag ein Denkmal zu setzen, das es in der Form in Mindelheim, der Stadt der Kultur und Lebensfreude, so noch nicht gegeben hat.“

Ein schwerer und längst überfälliger Schlag gegen einen landkreisweit agierenden Schreiberlinge-Clan ist der Türkheimer Rathausverwaltung nun endlich gelungen: Der notorischer Querschreiber Alf G. wurde jetzt im Türkheimer Wasserwerk festgesetzt und einem ausführlichen Verhör unterzogen. Dieser „ganze Mist von wegen Pressefreiheit und kritischem Journalismus“ sei nicht mehr auszuhalten gewesen, hieß es aus der Türkheimer Zentrale. „Kommt daher und will uns gute Ratschläge geben. Dabei ist der noch nicht einmal ein eingeborener Türkheimer“, so die Verantwortlichen. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis diesem Treiben ein Ende gesetzt werden musste, an dem der sonst doch so meinungsfreudige Schreiberling ganz schön zu schlucken hatte: „Was denn? Water-Boarding ist gar nicht so schlimm, wenn man dazu frisch gechlortes Leitungswasser verwendet“, sagt ein leitender Marktbaumeister, dessen Kampfname Recep Tayyip Schinndogan (R.T.S.) in Insiderkreisen hinlänglich bekannt ist. Von dem unbelehrbaren Reporter fehlt bislang jede Spur, doch R.T.S. sieht keinen Grund zur Beunruhigung: „Der taucht schon wieder auf. Irgendwann…“

März

Die Interessensgemeinschaft „Nieder mit dem Glücksdiktat“ setzt sich erfolgreich dafür ein, im Unterallgäu neben den Glücks- endlich auch Pechwege zu etablieren. Leader-Mittel sind dafür bereits zugesagt, werden voraussichtlich aber nicht ausreichen. Insbesondere die Beschilderung erweist sich als große Herausforderung: Wie können die Wegweiser so angebracht werden, dass sich die Wanderer garantiert verlaufen, aber doch irgendwann irgendwo ankommen?

April

Aufgrund des großen Erfolgs der „Grünen Mitte“ plant die Raiffeisenbank Pfaffenhausen schon die nächsten Großprojekte. Im ganzen Marktflecken sollen neue Wohngebiete nach dem Vorbild der Grünen Mitte entstehen. Damit erkennbar ist, dass diese zusammengehören, werden sie einheitlich benannt und gestaltet. Künftig soll es eine Gelbe Mitte, eine Rote Mitte und eine Blaue Mitte in Pfaffenhausen geben. Doch während es für die „Grüne Mitte“ noch einfach war, eine farblich passende Bepflanzung zu finden, tun sie sich bei der Gelben, Roten und Blauen Mitte schwer.

Mai

Gut zehn Jahre lang hat das sanierungsbedürftige Waaghaus die Türkheimer Volksseele zum Kochen gebracht. Doch damit ist es jetzt endlich vorbei. Der Türkheimer Gemeinderat hat es geschafft, den „Gordischen Knoten“ zu zerschlagen und einen Weg aus der Dauerkrise zu finden. „Und das war viel einfacher als alle gedacht haben“, grinst sich Christian Kähler, der clevere Rathauschef, ins Fäustchen. Das viel zu lange schändlich vernachlässigte Waaghaus heißt nicht mehr länger so, sondern wurde in „Traumschloss Türkheim“ umbenannt. Der Erfolg gibt allen recht: „Da wird jetzt wohl keiner mehr voreilig nach einem Abriss schreien“, hebt Kähler den warnenden Zeigefinger: „Oder wer will ernsthaft ein Traumschloss abreißen, bitteschön?“ Das hat letztlich auch die ständig herumquengelnden Freien Wähler überzeugt: „Das ist nämlich gar keine Ruine, das ist ein Traumschloss“, ist selbst der ehemalige Dauergrantler Otto Rinninger inzwischen überzeugt, der von Kähler zur Belohnung zum „Traumprinz h.c.“ mit lebenslangem Wohnrecht im neuen Traumschloss ernannt wurde.

Juni

Die Gelbe Tonne, inzwischen ein halbes Jahr alt, entpuppt sich allen Unkenrufen zum Trotz als voller Erfolg. Das ist nicht zuletzt dem meistgeklickten Youtube-Video aller Zeiten zu verdanken, in dem die Abfallwirtschaft anschaulich demonstriert, wie sich die Leichtverpackungen mit einfachen Mitteln verdichten lassen. Krautstampfer – egal ob aus Holz oder in Form ausgesprochen kräftiger Waden – kommen wieder in Mode. Die Bürger lechzen nach mindestens zwei weiteren Tonnen, um mit einer roten und einer grünen endlich die wichtigsten Grundfarben in ihrem Müllhäuschen – äh, Müllanbau – vereinen zu können.

Juli

Lange wurde dieses Geheimnis in Bad Wörishofen gehütet, wie ein Schatz, doch jetzt ist durchgesickert: Der Knaller zum 200. Kneipp-Geburtstag im Jahr 2020 steht fest. Mitten im Sitzungssaal des Rathauses von Bad Wörishofen wird ein original Kneipp-Tretbecken entstehen. Als Highlight wird das Becken von natürlichem Regenwasser gespeist, das durch die Saaldecke tropft. Bauliche Maßnahmen seien dazu nicht erforderlich, hieß es. „Darüber wird die ganze Welt berichten“, ist man bei den Verantwortlichen überzeugt. Entsprechend wurde der Werbeetat für das Jubiläum gestrichen.

August

Der Umbau des Kirchheimer Gasthofs Adler zum Dorfgemeinschaftshaus kann beginnen. Wer wie viel Platz benötigt, welcher Verein in welchen Raum darf und wann – darüber gibt es keinerlei Streit im Fuggermarkt. Allerdings strebt eine Gruppierung der örtlichen Naturschützer einen Bürgerentscheid an: Die Vogelliebhaber wollen, dass das Haus umbenannt wird in „Gasthof zum Storch“. Einen Adler habe es in Kirchheim noch nie gegeben, wohl aber Störche. Als die Pfaffenhausener Brauerei gleichen Namens davon Wind bekommt, macht sie kurzen Prozess: In einer Nacht- und Nebelaktion besprüht ein Künstler die Fassade des bisherigen Gasthofs zum Adler mit einem überdimensionalen Storch – was nicht unbedingt zum Frieden zwischen den Adler- und den Storchenbefürwortern beiträgt.

September

Inshallah: Was viele schon lange ahnten, wurde jetzt Gewissheit: Rammingen gehört gar nicht wirklich zum Landkreis Unterallgäu, sondern nun auch offiziell zum Freistaat Katar. Das liebenswerte Land am Persischen Golf ist vom beschaulichen Rammingen sowieso kaum zu unterscheiden: Hier wie dort leben immer mehr Scheichs. Was lag da für Rammingens ehemaligen Bürgermeister Anton Schwele näher, als sich nicht länger gegen dieses Märchen aus 1001 Nacht zu stemmen und das „Kalifat Ramminarria“ auszurufen: „Hier werden Milch und Honig fließen“, verkündete Schwele, der damit automatisch in „Abu Anton“ umbenannt und zum stellvertretenden Scheich ernannt wurde. Das neue Gemeindehaus wurde augenblicklich zu einem Harem umgewidmet, die Ramminger Kreisverkehre werden aber auch weiterhin dafür sorgen, dass allen Nicht-Rammingern sofort schwindlig wird, wenn sie auch nur in die Nähe des Kalifats kommen.

Oktober

Bürgermeister Jürgen Tempel und die Bürger aus Loppenhausen haben großen Gefallen an dem Fahrbahnteiler und der frisch sanierten B 16 gefunden. Weil ihnen das Herumkurven um die Verkehrsinsel so gut gefällt und der Verkehr so auch deutlich beruhigt wird, werden in Zusammenarbeit mit dem Straßenbauamt in Kempten weitere Verkehrsinseln auf der Hauptstraße geschaffen. Auf Anregung aus Kempten werden zudem kleine Hügel gebaut, die eine Art Buckelpiste simulieren sollen. Loppenhausen wird damit zum Mekka für alle Motocross-Quad- und Motorradfahrer. Während sich die einen Loppenhausener darüber ärgern, dass der Verkehr dadurch weiter zugenommen hat, freuen sich andere darüber und bauen neben der neu geschaffenen Strecke eine Tribüne für Zuschauer, die dort mit Wurstsemmeln und Bier verköstigt werden.

November

Geschichte wiederholt sich: Memmingens Oberbürgermeister Manfred Schilder bricht auf zum Gang nach Canossa, respektive Mindelheim. Der Stadtrat hat überraschend einer Fusion des Klinikums mit den Kreiskliniken zugestimmt und will diese innerhalb der nächsten zwölf Jahre, nein Wochen, unter Dach und Fach sehen. Blöd nur, dass das Oberallgäu nicht einmal zwölf Monate brauchte, um mit dem Unterallgäu zu verhandeln und es den Klinikverbund mit dem sprechenden Namen O-AUA (Oberallgäu, Unterallgäu) längst gibt.

Dezember

Der Landkreis setzt seine ehrgeizigen Klimaschutzziele selbstredend auch im eigenen Haus um. Weil eine energetische Sanierung des Anbaus am Landratsamt aus finanziellen und ästhetischen Gründen aber nicht infrage kommt, geht man das Problem pragmatisch an. Der Sitzungssaal – im Sommer ohnehin eine Sauna – wird fortan nicht mehr beheizt. An Kreisräte, die Anorak, Mütze und Schal zuhause vergessen haben, werden gegen eine geringe Gebühr, dank der die Sanierung in den nächsten 50 Jahren vielleicht doch noch in greifbare Nähe rückt, Wolldecken mit aufgesticktem Landkreis-Wappen verliehen. Dem Vernehmen nach gehören in der allgemein frostigen Atmosphäre hitzige Debatten der Vergangenheit an. Auch die Sitzungsdauer hat sich verkürzt. Erste Gemeinden, allen voran Markt Wald, wollen deshalb dem Beispiel folgen und die Sitzungssäle ihrer Rathäuser ebenfalls nicht mehr beheizen.

Nicht nur beim Landkreis denkt man über Neuerungen für die Versammlungsstätte nach. In Bad Wörishofen legte Bürgermeister Paul Gruschka nun ein Raumkonzept für einen Rathaus-Neubau vor. Augenfällig: Nachdem Zweiter Bürgermeister Stefan Welzel seit geraumer Zeit nicht mehr neben Gruschka sitzen darf, sieht das Raumkonzept nun ein eigenes Zimmer für Welzel vor. Von dort aus soll der „Zweite“ künftig per Video-Schaltung an den Sitzungen teilnehmen. Das sei nichts Ungewöhnliches und zudem protokollarisch praktischer, so Gruschka.

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