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Türkheim

18.01.2020

Türkheim tritt beim Flexibus kräftig auf die Euphorie-Bremse

Ist der Zug für den Flexibus in Türkheim schon abgefahren? Die Akzeptanz ist zumindest im Türkheimer Gemeinderat noch ausbaufähig - zumindest so lange keine Anbindung nach Bad Wörishofen in das Konzept aufgenommen wird. Doch das wird die Bahn zulassen, da sie eine Konkurrenz zur Zugverbindung in die Kneippstadt verhindern wird.
Foto: Alf Geiger

Plus Weil eine Anbindung nach Bad Wörishofen nicht möglich sein wird, tut sich die Ratsmehrheit sehr schwer mit ihrem grundsätzlichen Okay zur Flexibus-Einführung.

Grundsätzlich ist der Türkheimer Gemeinderat mit seiner deutlichen 17:2-Mehrheit zwar schon dafür, dass der Flexibus auch im Wertachtal eingeführt wird. Doch von Begeisterung oder gar Euphorie, wie in anderen Unterallgäuer Ortschaften, war bei der Diskussion im Gemeinderat am Donnerstagabend aber so gar nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Skepsis war so groß, dass durchaus auch ein Türkheimer Ausstieg aus den Flexibus-Plänen des Landkreises möglich erschien.

Aus Türkheimer Sicht ist die fehlende Anbindung des Flexibusses von und nach Bad Wörishofen der Knackpunkt

Knackpunkt aus Türkheimer Sicht: Ohne eine Anbindung nach Bad Wörishofen werden mögliche Flexibus-Fahrgäste aus Türkheim beileibe nicht den erhofften Nutzen aus der Einführung des zusätzlichen ÖPNV-Angebots ziehen können. Und angesichts der immer dünner werdenden Finanzdecke der Gemeinde sorgten auch die zu erwartenden Zuschusskosten in den kommenden fünf Jahren von insgesamt rund 100.000 Euro nicht gerade dafür, dass die Gemeinderäte weniger Bauchschmerzen bei ihrem Ja zum Flexibus hatten.

Nach der Kommunalwahl geht es dann wirklich ums Geld:Droht jetzt der „Flexit“?

Alle waren sich einig, dass der Flexibus gerade für Türkheim ohne eine Anbindung nach Bad Wörishofen „wenig attraktiv“ sein werde, wie es CSU-Rätin Roswitha Siegert noch zurückhaltend formulierte. Als Kreisrätin hatte Siegert auch schon in diesem Gremium mehrfach deutlich auf die Schwachstellen des Flexibus-Konzepts hingewiesen.

Aber ob es je eine solche Anbindung Richtung Kurstadt mit ihrem breiten Ärzte- und Bildungsangebot geben wird? Schließlich ist der Flexxibus ausdrücklich und ausschließlich als „Ergänzung“ zum bestehenden ÖPNV-Angebot gedacht und darf (und will) keinesfalls in Konkurrenz zu den bestehenden Nahverkehrsangeboten treten. Und genau das wäre zweifellos der Fall – zumindest aus Sicht der Bahn, deren Züge von Türkheim aus wochentags fast im Stundentakt zwischen Bad Wörishofen und Türkheim-Bahnhof hin und her pendeln.

Schon beim „Flexibus-Gipfel“ in Wiedergeltingen im November ließ Flexibus-Anbieter Josef Brandner aus Krumbach keinen Zweifel daran, dass er keine Chancen für eine entsprechende Anbindung nach Bad Wörishofen sieht – das Veto der Bahn wäre wohl zwangsläufig. Zumindest die von Wiedergeltingen massiv geforderte Anbindung von und nach Buchloe wurde damals erreicht.

Nur ein Etappensieg für die Akzeptanz des Flexibus-Konzepts im Wertachtal

Ein Etappensieg für die Akzeptanz des Flexibusses im Wertachtal – mehr aber offenbar auch nicht, zumindest nicht in Türkheim, das als größte Gemeinde mit den meisten potenziellen Nutzern dann auch am tiefsten dafür in die Tasche wird greifen müssen. Von rund 17.000 Euro im ersten bis gut 27.000 Euro im fünften Jahr der Einführungsphase wird Türkheim zuschießen müssen.

Über Sinn und Unsinn des Flexibusses gerade in Türkheim wurde daher eifrig diskutiert. Johann Vogel zeigte aus Sicht eines Irsingers auf, welche paradoxen Blüten das Flexibus-Konzept dann treiben könnte. Wer von Irsingen aus ins wenige Kilometer entfernte Bad Wörishofen kommen will, muss nach dem derzeitigen Planungsstand dann erst mit dem Flexibus nach Türkheim-Bahnhof, dort eine Fahrkarte für den Zug der Bahn kaufen und in Bad Wörishofen dann vielleicht sogar noch einmal auf den Flexibus umsteigen, den die Kneippstadt jetzt nach einigem Zögern auch einführen will. „Ein Start mit so vielen Mängeln ist kein guter Start“, urteilte Grünen-Rätin Gudrun Kissinger-Schneider, die mit ihrer Forderung nach einer kürzeren Testphase als die vorliegenden fünf Jahre bei ihren Ratskollegen zwar durchaus Zustimmung erntete. Bürgermeister Kähler konnte aber auch bei dieser Forderung keine Hoffnungen aufkommen lassen: An dem Konzept könne nicht mehr ernsthaft gerüttelt werden, ohne gleich das ganze Projekt zu gefährden. Aber: „Wo bleibt der Mehrwert für Türkheim?“ fragte Michaela Vaitl-Scherer (FW).

So wurde dann – wie zuletzt auch in Wiedergeltingen – aus der „grundsätzlichen Zustimmung“ der „ausdrückliche Wunsch“ des Türkheimer Gremiums zu einer Anbindung des Flexibusses zwischen Türkheim und Bad Wörishofen aufgenommen. Ob es was hilft? Irmgard Schäffler von der SPD hat keine Hoffnung: „Das Konzept steht und daher könnten wir uns diesen Show-Antrag auch gleich sparen.“

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