Windkraft und Sonnenenergie sind die wichtigsten Bausteine für die Energiewende. Im Winter, wenn die Sonne nur mäßig scheint und der Ertrag von Fotovoltaikanlagen gering ausfällt, bläst in höheren Lagen meist kräftiger Wind. Die beiden Techniken ergänzen sich also gut und liefern stabil Strom. Dennoch werden für die Grundlast des Stromnetzes noch die Wasserkraft, Biogas oder das Verbrennen von Erdgas und Kohle benötigt. Die Atomkraftanlagen scheiden aus. Sie sind hierzulande abgeschaltet.
Eine moderne Windkraftanlage liefert Strom für bis zu 4000 Haushalte
Eine moderne Windkraftanlage liefert an guten Standorten Strom für rund 4000 Haushalte. Vier solcher Anlagen sollten im Stadtwald östlich von Mindelheim unweit von St. Anna entstehen. Ziel war, vor allem die Industriebetriebe in Mindelheim mit ihren Abertausenden von Arbeitsplätzen mit günstigem Strom zu versorgen. Bedingt durch den Überfall Russlands auf die Ukraine und den nun schon seit fast zwei Jahren andauernden Krieg waren die Preise stark gestiegen.
Weitere Anlagen waren auf der benachbarten Gemarkung Mattsies vorgesehen, ebenso bei Bad Wörishofen. Dazu wird es in allen Fällen zumindest in den nächsten Jahren nicht mehr kommen. Der Planungsverband Donau-Iller hat das Vorranggebiet Windkraft bei Mindelheim auf einer Verbandsversammlung in Memmingen bei einer ersten Beteiligungsrunde wieder aus der Planung gestrichen, teilte Mindelheims Bürgermeister Stephan Winter mit.
2015 war das Gebiet als für die Windkraft geeignet vom Planungsverband eingestuft worden. Vorausgegangen waren Berechnungen über die Windhöffigkeit und andere Faktoren. Auch die Belange der Bundeswehr waren berücksichtigt worden. Damals allerdings waren Windkraftanlagen nur etwa 170 Meter hoch, sagte Winter im Gespräch mit dieser Redaktion. Heute ist klar: Windkraftanlagen in Süddeutschland sind nur wirtschaftlich zu betreiben, wenn sie mindestens 200 Meter in den Himmel ragen. Tatsächlich sind sogar knapp 250 Meter notwendig.
Ein Unternehmer war bereits in Vorleistung getreten
Mehrere Investoren hatten Interesse, Windkraftanlagen bei Mindelheim zu bauen. Der Unternehmer Martin Müller war sogar schon mit einem Vogelschutzgutachten in Vorleistung getreten. Auch die Stadt Mindelheim hat mitgezogen. In drei Klausursitzungen haben sich die Stadträte mit Experten ausgetauscht. Nun zeigt sich: Alle Mühe war vergebens.
Zwei Gründe sind es, warum solch hohe Windkraftanlagen zumindest in absehbarer Zeit keine Chance auf Genehmigung erhalten. Die Mindestradarführungshöhe ist das Hauptproblem. Nach heutigem Stand der Technik ist es nicht erlaubt, mit Windkraftanlagen in solche Höhenkorridore vorzudringen. Kategorisch geht nichts über einer Höhe von 836 Metern über Normalnull. Weil das Bodenprofil schon bei rund 640 bis 645 Metern liegt, geht die Rechnung für höhere Windkraftanlagen nicht mehr auf.
Hinzu kommt die Bundeswehr. Teile des Mindelheimer Stadtgebietes hat die Bundeswehr als Hubschraubertiefflugübungsareal ausgewiesen. Die genauen Suchkreise unterliegen der Geheimhaltung. Windkraftanlagen wären da jedenfalls im Weg. Im Oktober hatte die Nachricht, dass sich das Bundesverteidigungsministerium querlegt, bereits für Schreckmomente bei Politikern geführt.
Auf der Schwäbischen Alb wird Windkraft erlaubt sein
Im gesamten Einzugsgebiet des Planungsverbandes Donau-Iller, das das Grenzgebiet zwischen Bayern und Baden-Württemberg abdeckt, kann an anderer Stelle aber durchaus Windkraft möglich gemacht werden. Vor allem die Schwäbische Alb wird nun zum Vorranggebiet, sagte Winter. Mehr als 1,8 Prozent der Verbandsfläche können für die Windkraft genutzt werden. Damit würde die Region das Ziel der Bundesregierung erreichen.
Um den Ausfall der Windkraft zu kompensieren, sieht Mindelheims Rathauschef als Möglichkeit den Ausbau der Fotovoltaikanlagen. Im Energieplan der Stadt Mindelheim sollen daher mehr als 17 Hektar Ackerland zwischen Nassenbeuren und Lohhof für PV-Anlagen ausgewiesen werden. Das beschloss der Stadtrat bereits. Winter ist dabei auch bewusst, dass diese Entscheidung zu Konflikten mit der Landwirtschaft führt. Denn auch dort sind die Flächen ein knappes Gut. Die Lösung könnten vermehrte Agri-PV-Anlagen sein, also Anlagen, unter denen auch Landwirtschaft möglich ist.
Noch im Oktober hatte sich Bürgermeister Winter zuversichtlich gezeigt, dass die Bundesregierung die Auflagen der Bundeswehr abändern werde. Umso enttäuschter zeigte sich nun der Mindelheimer Rathauschef. Kommentar