Jugendfußball

13.04.2013

Nicht ohne unseren Schiri

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In der Frühjahrsrunde soll auch bei der Mindelheimer F3-Jugend die FairPlay Liga starten. Doch einige Vereine misstrauen dem Pilotprojekt, das ohne Schiedsrichter auskommt

Ettringen Markus Maier blickt von der Seitenlinie auf das Fußballfeld. Gerade hat die zweite Halbzeit des E-Jugend-Spiels begonnen; die Kicker des TSV Ettringen versuchen, den Rückstand gegen die Gäste aus Dirlewang aufzuholen. Trotz der kühlen Abendluft trägt Maier seine rote Regenjacke am Kragen offen. Heute ist der Trainer nur Zuschauer, das Spiel seiner F-Jugend-Mannschaft wurde verlegt.

Die Trainer wollen nach ihrer eigenen Regelung spielen

Der Pfiff des Schiedsrichters hallt über den Platz. Die Nummer fünf der Ettringer hält sich nach einem Zweikampf die Stirn. Der Unparteiische, etwa 15 Jahre alt, sieht nach, ob sich der Spieler ernstlich wehgetan hat, ermahnt die allzu Motivierten, aufeinander Rücksicht zu nehmen.

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Nach dem Wunsch des Bayerischen Fußballverbands wird Maiers F-Jugend ihre Spiele in dieser Saison ohne Schiedsrichter abhalten. Die Kicker sollen sich nach dem Modus der FairPlay Liga miteinander messen, mit möglichst wenig Einfluss von Betreuern, Eltern oder Trainern. Es ist ein Pilotprojekt, das in anderen Regionen Schwabens bereits erfolgreich läuft. Nun soll es auch im Unterallgäu, bei den F3-Junioren Mindelheim und Memmingen eine solche Liga geben - doch nicht alle Trainer wollen mitziehen.

Ohne Schiedsrichter müssen die Kinder auf dem Platz selbst über Foul oder Einwurf entscheiden. Doch einige Unterallgäuer F-Jugend-Trainer sind skeptisch, ob die Idee funktioniert. „Grundsätzlich habe ich nichts gegen die FairPlay Liga, aber in der aktuellen Form halte ich sie nicht für zielführend für den F-Jugendbereich“, sagt Werner Lux, Trainer des SVS Türkheim. „Wenn ich nicht mehr coachend auf die Kinder einwirken darf, können sie im Spiel nicht mehr so viel lernen.“

Darum haben fünf der sechs betroffenen Trainer aus dem Raum Mindelheim Einspruch gegen ihre Einteilung in das Projekt eingelegt. Sie fühlten sich „überrumpelt“ von der Entscheidung des Verbands bei der Jugendleitertagung im März, sagt Lux. Stattdessen haben sie sich auf eine eigene Regelung geeinigt: Vor jeder Begegnung legen die beiden Trainer gemeinsam fest, ob ihre Mannschaften die Partie nach dem Fair Play-Modus oder, wie bisher, mit einem Schiedsrichter spielen.

Lux befürchtet, ohne Unparteiischen würden sich die Rabauken im Spiel durchsetzen: „Auch auf dem Bolzplatz gilt das Recht des Stärkeren.“ Auch der Ettringer Trainer betont, der Schiedsrichter sei für ihn ein wertvoller Vermittler. Gerade bei den unter 9-Jährigen hat der Schiedsrichter im Spiel auch die Aufgabe, den Kindern die Regeln zu vermitteln.

Der Verband hat die Sonderregelung akzeptiert. „Niemand wird dazu gezwungen, nach dem FairPlay-Modus zu spielen“, stellt Kreisjugendleiter Karlheinz Giegerich klar. Dennoch bedauert er, dass es offensichtlich nicht gelungen ist, im Mindelheimer Raum eine geeignete Gruppe von Mannschaften zu finden, die das neue Konzept ausprobieren. Der Bayerische Fußball-Verband will das Projekt bald flächendeckend in Bayern starten.

In der Gruppe der Mindelheimer F3-Junioren wendet bisher nur der TV Sontheim den FairPlay-Modus an. Das erste Ligaspiel gegen den FSV Amberg sei sehr gut gelaufen, berichtet Trainer Stefan Sattler: „Die Kinder waren hinterher begeistert – und die Eltern werden sich auch daran gewöhnen.“

Die Erfahrungen in den Nachbarregionen sind positiv

Auch in den benachbarten Regionen hat man bislang überwiegend gute Erfahrungen mit der FairPlay Liga gemacht. „Aus meiner Sicht ist das eine super Idee, ich empfehle sie weiter“, sagt etwa Andreas Schierz, Jugendleiter der Spielgruppe Augsburg Nordwest, welche das Projekt in der Herbstrunde getestet hat.

Diese positiven Erfahrungswerte will auch Ettringens Trainer Maier nicht leugnen. „Man darf sich dem Neuen natürlich nicht gänzlich verschließen“, sagt er. Spätestens beim Spiel in Sontheim wird auch er eigene Erfahrungen mit dem FairPlay-Modus sammeln. Bis dahin ist Maier aber recht froh über die interne Regelung in seiner Spielgruppe. In den nächsten Wochen stehen ihm nämlich sechs Derbys ins Haus. „Und ich hätte Sorge, wie ich die Beteiligten ohne Schiri im Zaum halten sollte“, sagt er und lacht.

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