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Senden/Weißenhorn

17.11.2020

Achtung Autofahrer: Spezial-Blitzer blitzt in Zukunft in Senden und Weißenhorn

Senden und Weißenhorn haben sich dafür ausgesprochen, dass die kommunale Verkehrsüberwachung ein neues, mobiles Radargerät kauft.
Foto: Bernhard Weizenegger

Plus Die beiden Städte wollen sich beteiligen, wenn die Kommunale Verkehrsüberwachung eine sogenannte Semi-Station kauft. In Senden wurde das Gerät schon getestet.

Flexibler Einsatz an verschiedenen Standorten, zeitgleiche Messung beider Fahrtrichtungen, minimaler Personalaufwand: Im Kampf gegen Raser bietet die sogenannte Semi-Station gewichtige Argumente. Deswegen wird sie wohl in Zukunft in mehr Orten stehen und die Geschwindigkeit messen.

Die Stadt Senden hat sich Anfang des Jahres bereits an einem Testlauf beteiligt, insgesamt drei Monate lang stand die Station in Senden – und das erfolgreich. In den drei Monaten hat der Blitzeranhänger insgesamt 2886 Fälle aufgezeichnet. Zum Vergleich: Die Messung aus einem Caddy heraus zeigte in dem Zeitraum lediglich 958 Fälle an. Auch die finanzielle Seite spricht für die Semi-Station, denn den Ausgaben in Höhe von rund 8700 Euro stehen Einnahmen von rund 63.400 Euro gegenüber und damit ein Gewinn in Höhe von rund 54.700 Euro.

Die Testphase in Senden habe gezeigt, dass aufgrund einiger Raser auch nachts Kontrollen nötig seien, was mit der Semi-Station problemlos machbar sei, heißt es in dem Sendener Bericht. Zudem sei das Gerät insgesamt gut bedienbar.

Der Blitzer kostet insgesamt rund 250.000 Euro

Das Gerät kostet insgesamt 246.000 Euro, sechs Kommunen würden sich zum jetzigen Zeitpunkt daran beteiligen und sich die Semi-Station dann aufteilen. Auf Senden käme ein Betrag in Höhe von rund 73.300 Euro zu; bei dieser Summe sind die damaligen Mietkosten bereits eingerechnet. Neben Senden (zehn Tage pro Monat) sind das Illertissen (neun), Weißenhorn (fünf), Altenstadt (vier), Unterroth und Kettershausen (je einen). Hinzu kommen laufende monatliche Kosten für Mitarbeiter der Kommunalen Verkehrsüberwachung (KVÜ) und EDV.

Hochgerechnet auf die Einsatzdauer des Geräts lohne sich die Anschaffung, ist sich die Stadt Senden sicher – auch wenn es wegen Wartung oder Witterung teilweise nicht einsatzfähig sein könnte. Und: Durch den Erwerb der Semi-Station sei die ebenfalls geplante Anschaffung der stationären Überwachung in der Dorfstraße in Hittistetten nicht betroffen, teilte die Verwaltung mit. Dazu gebe es in naher Zukunft weitere Informationen. Die Sendener Stadträte stimmten der Anschaffung einstimmig zu.

Auch die Stadt Weißenhorn hat beschlossen, sich an dem Kauf der Semi-Station zu beteiligen. Auf die Stadt würden beim Kauf 41.000 Euro entfallen. Michael Schrodi (CSU) sprach sich im Bauausschuss gegen die gemeinsame Anschaffung aus: „Ich bin strikt dagegen, über solche Wege die Stadtkasse aufzubessern.“

Für weitaus sinnvoller hält er den Kauf von mehreren Tafeln, die Autofahrern zum Beispiel an Ortseingängen das Tempo anzeigen. Diese Schilder seien sehr sinnvoll, aber eine Überwachung gehöre dazu, sagte Thomas Schulz (SPD). Die bisherigen, sehr offensichtlichen Messungen von einem Auto aus am Flugplatz seien eine Lachnummer, fügte er hinzu. Jürgen Bischof (Freie Wähler/WÜW) betonte: „Es gibt Leute, die interessiert kein Tempolimit und kein lachendes Gesicht.“ Niemand werde durch die Radarmessungen abgezockt. „Wer sich an die Regeln hält, zahlt keinen Cent“, sagte Bischof.

Herbert Richter (SPD) argumentierte, dass es immer wieder Beschwerden von Anwohnern über gewisse Stellen gebe, wo zu schnell gefahren wird. Die Semi-Station sei ein wirksames Mittel, um einzugreifen. Zehn Stadträte stimmten für eine positive Zusage an die KVÜ, vier CSU-Mitglieder und Andreas Ritter von der FDP sprachen sich gegen die gemeinsame Anschaffung aus. Mehrheitlich zugestimmt hatten zuletzt auch die Gremien in Unterroth, Kettershausen, Altenstadt und Illertissen.

An welcher Stelle der Blitzer steht, wird spontan entschieden

An welchen Standorten das Gerät einmal eingesetzt wird, können die Kommunen selbst festlegen. In Weißenhorn, das kristallisierte sich in der Sitzung heraus, wird unter anderem die Kaiser-Karl-Straße in den Fokus rücken. Zwei Anwohner hatten sich nämlich bei der Stadtverwaltung über den Verkehr dort beschwert und den Wunsch nach einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 Kilometer pro Stunde vorgebracht. Weil zwischen Hauptplatz und Ulmer Straße so gerast werde, sei das Überqueren der Kaiser-Karl-Straße wie russisches Roulette, heißt es in den Beschwerden.

Die Zweite Bürgermeisterin, Kerstin Lutz, berichtete von der Einschätzung der Polizei, wonach in der Kaiser-Karl-Straße nicht übermäßig schnell gefahren werde und in den vergangenen zehn Jahren auch keine Unfälle passierten, die auf die Geschwindigkeit zurückzuführen sind. Zudem sagte Lutz, dass die Stadt in dieser übergeordneten Straße kein Tempolimit anordnen dürfe. Philipp Hofmann (CSU) konnte die Beschwerde der Anwohner nachvollziehen. Er habe früher selbst an der Kaiser-Karl-Straße gewohnt, berichtete er. Tagsüber werde wegen der parkenden Autos dort nicht so schnell gefahren, aber nachts werde die Straße sehr wohl als „Rennstrecke“ wahrgenommen, eine 30er-Zone interessiere die Raser nicht. „Das wäre der perfekte Einsatzort für den Blitzerwagen“, sagte Hofmann. Dieser Hinweis wird nun an die KVÜ weitergegeben. Mit einer Gegenstimme lehnte das Gremium die Einführung eines Tempolimits auf 30 km/h ab.

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