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15.03.2013

Bahnprojekte auf dem Abstellgleis

Endstation Ulm? Hochgeschwindigkeitsstrecken aus Paris, Marseille und London drohen künftig an der bayerischen Landesgrenze auf der Donaubrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm zu enden.
Bild: Alexander Kaya

Wirtschaftsvertreter befürchten Nachteile von Sparmaßnahmen der Bahn im Raum Neu-Ulm/Günzburg. Hochgeschwindigkeitsstrecke könnte an Ulm vorbei führen

Landkreis Bei Bahnprojekten in der Region läuft es nicht rund. Nachdem die Bahn offenbar auf den Bau eines dritten Gleises auf 28 Kilometern von Neu-Ulm nach Neuoffingen (Kreis Günzburg) verzichtet, droht so nicht nur die Regio-S-Bahn geschwächt zu werden. Darunter leidet auch der Ausbau der transeuropäischen Magistrale, von Paris über Ulm nach Budapest. Verkehrsexperten der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) befürchten sogar, dass durch eine mögliche Bevorzugung der Nordvariante über Frankfurt und Nürnberg Hochgeschwindigkeitszüge künftig einen Bogen um Ulm machen.

Die Problemfelder:

Regio-S-Bahn In einem unserer Zeitung vorliegenden Gutachten („Bedarfsplan-Überprüfung Schiene des Bundesverkehrsministeriums“) heißt es wörtlich: „Eine Verdichtung des Nahverkehrs im Bereich Ulm ist auf dieser Strecke nicht geplant.“ Konkret geht es hier um ein drittes Gleis im Abschnitt Neu-Ulm - Neuoffingen. Dies bedeutet, dass der Raum Günzburg als zukunftsträchtiger Teil des S-Bahn-Konzepts wohl dauerhaft außen vor bleibt.

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Das Papier aus dem Jahr 2010 ist offenbar noch immer aktuell: Verkehrsexperten der Industrie- und Handelskammer Schwaben (IHK) befürchten vor dem Hintergrund laufender Gespräche über den Bundesverkehrswegeplan 2015 an dieser Stelle eine dauerhafte Schwächung der Regio-S-Bahn. Auch wenn das bayerische Kabinett vergangene Woche beschlossen hat, das dritte Gleis bis Neuoffingen wieder zum Bundesverkehrswegeplan anzumelden, ist laut IHK-Verkehrsexperten davon auszugehen, dass die Bahn dennoch darauf verzichten werde – auch wenn dieser Abschnitt noch Teil des „vordringlichen Bedarfs“ im Bundesverkehrswegeplan ist. Im maßgeblichen Gutachten steht, dass eine Kapazitätserweiterung auf dieser Strecke „nicht begründbar“ ist. Auch für die Finanzierung eines zweiten Gleises von Neu-Ulm Richtung Allgäu ist nach IHK-Einschätzung in diesem Jahrzehnt nach heutiger Lage der Dinge kein Geld in Sicht ist.

Dabei sei auf der Strecke Ulm–Memmingen–Kempten die fehlende Kapazität viel drängender als die Elektrifizierung: „Die Anschlüsse zum ICE in Ulm, die für den Geschäftsreise- und Tourismus-Verkehr im Allgäu wichtig sind, gleichen teilweise einem Lotteriespiel“, sagt der IHK-Verkehrsausschuss-Vorsitzende Alfred Kolb. Die Strecke sei erkennbar an der Leistungsgrenze, und mit der Eröffnung der Strecke Ulm–Senden–Weißenhorn („Bähnle“) ab Dezember diesen Jahres sollen dort nochmal 40 Züge pro Tag zusätzlich rollen.

„Die Diskussionen laufen“, sagt Markus Riethe, Direktor des Regionalverbandes Donau-Iller. Das Problem mit dem Ausbau bis Neuofffingen sei bekannt. Man habe es seitens des Verbandes bisher ausgeklammert. Zuversichtlich zeigt sich Riethe hingegen, dass die Finanzierung der geschätzten zehn bis zwölf Millionen Euro für ein zweites Gleis gen Weißenhorn geklärt werden könne.

Ulm-Augsburg Die Landesgrenze droht Nadelöhr europäischen Ausmaßes zu werden: Wenn Bahn-Planungen so bleiben, werden die Hochgeschwindigkeitsstrecken aus Paris, Marseille und London künftig auf der Donaubrücke zwischen Ulm und Neu-Ulm enden. In Schwaben werde eine Lücke bis zur fertiggestellten Schnellstrecke Dinkelscherben–Augsburg–München bleiben.

Ein Nadelöhr wird die Region nicht nur wegen dem sich abzeichnenden Aus für den Ausbau des Abschnitts Neu-Ulm - Neuoffingen. Ein weiterer Grund dafür liegt im Raum Augsburg. Denn da ein drittes Gleis nur von Gessertshausen bis Augsburg gebaut wird, können die ICE-Züge auf der Strecke Ulm–Augsburg nicht richtig beschleunigen, weil sie dann schon vor Gessertshausen auf vorausfahrende Regionalzüge „auflaufen“ und zum Abbremsen gezwungen wären. „Heute aber festzulegen, die Züge auf Jahrzehnte hinaus nicht schneller fahren zu lassen, widerspricht der Idee, dass diese Strecke Teil der transeuropäischen Magistrale Paris–Wien–Budapest ist“, sagte der IHK-Verkehrsausschuss-Vorsitzende. Bis 2002 sei ein kompletter Ausbau von Neu-Ulm bis Augsburg im Bundesverkehrswegeplan gestanden. „Seitdem schmelzen die Perspektiven für diese Strecke wie Schnee in der Sonne.“

Nordvariante Und noch woanders drückt der Schuh: Wie Peter Stöferle, bei der Verkehrsinfrastruktur und -politik, Logistik zuständig, auf Nachfrage sagt, machten sich die Kammern aus Ulm und Augsburg Sorgen, dass die schnellen Züge künftig an Ulm vorbei fahren könnten. Ulm und Augsburg könnten so vom bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen abgekoppelt werden. Die Kammern aus Augsburg und Ulm hätten in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel „eine verbindliche Klarstellung seitens des Bundes“ zur transeuropäischen Magistrale Paris-Budapest gefordert. Wie es um eine nördliche verlaufende Alternative über Frankfurt, Würzburg und Nürnberg bestellt ist, soll in einem Gespräch der Kammerchefs mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer am 19. März geklärt werden.

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