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Landkreis Neu-Ulm/Günzburg

13.11.2018

Falsche Polizisten: Welle von Anrufen im ganzen Landkreis

In großem Stil haben sich Betrüger am Montag im Kreis Neu-Ulm am Telefon als Polizisten ausgegeben. Die echte Polizei warnt vor der Masche.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Symbolbild)

Falsche Polizisten haben am Montag in den Landkreisen Neu-Ulm und Günzburg mehr als 50 Bürger mit Anrufen heimgesucht. Allein in Weißenhorn versuchten es die Betrüger 38 Mal.

Alle Angerufenen verhielten sich richtig, beendeten das Gespräch und informierten die richtige Polizei. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Zahl der betrügerischen Anrufe noch deutlich höher ist, als bislang bekannt. Unter Umständen wurden Personen finanziell geschädigt oder stehen aktuell noch in Kontakt mit den vermeintlichen Polizeibeamten. Um an weitere Ermittlungsansätze zu gelangen, werden etwaige Geschädigte gebeten, sich mit der örtlichen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen. Auch verdächtige Wahrnehmungen sind für die Polizei wichtig.

Betrüger klappert in Weißenhorn das gesamte Stadtgebiet ab

Allein in Weißenhorn hat ein Betrüger sich am Montagabend in mindestens 38 Fällen als Polizist ausgegeben. Er klapperte offenbar das gesamte Stadtgebiet ab. Der Unbekannte meldete sich am Telefon mit der bekannten Masche, wonach in der Nachbarschaft Einbrecher festgenommen worden seien, bei denen angeblich der Name und die Anschrift des Angerufenen gefunden wurden. Das Display der Angerufenen zeigte dann die manipulierte Nummer 07309/110 an. Man solle jetzt alle Fenster und Rollläden geschlossen halten, riet der Unbekannte. Dann fragte er nach Geld und Wertgegenständen in der Wohnung. Den Angerufenen war aber die Betrugsmasche aus den Medien mittlerweile hinlänglich bekannt, sodass sie auf Fragen und Forderungen des falschen Polizisten nicht eingingen, sondern anschließend sich mit der richtigen Polizei in Verbindung setzten und den Vorfall zur Anzeige brachten.

Auch in Neu-Ulm wollten Betrüger mindestens fünf Bürger am Telefon über den Tisch ziehen. Hierbei tischten die Anrufer den überwiegend älteren Leuten die Masche von festgenommenen Straftätern auf. Dazu verwendeten sie in mindestens zwei der Fälle die technisch manipulierte Telefonnummer 0731/110, um den „offiziellen“ Charakter des Anrufs zu verstärken. Die Angerufenen fielen nicht auf die Betrüger herein. Sie beendeten die Gespräche, ohne dass ein Schaden entstand.

Falsche Polizisten rufen Bürger in Illertissen an

Bei der Polizeiinspektion Illertissen wurden drei Anrufe falscher Polizeibeamter registriert, die zwischen 20.55 und 21.15 Uhr eingingen. In allen Fällen wurde den Angerufenen mitgeteilt, dass die Polizei zwei Einbrecher festgenommen habe. Bei den Festgenommenen sei ein Handzettel aufgefunden worden, der auch die Adresse des Angerufenen enthalte. Sie sollten nachsehen, ob bei ihnen etwas entwendet worden ist. Den Angerufenen im Alter zwischen 67 und 80 Jahren kam der Anruf jeweils verdächtig vor und so beendeten sie das Gespräch und informierten die Polizei.

Im Bereich Günzburg riefen Unbekannte in etwa einem Dutzend Fälle Bürger zuhause an. Die weiblichen und männlichen Anrufer erzählten ihnen unter anderem, dass eine Einbrecherbande festgenommen worden sei und bei dieser Bande auch ein Zettel mit der Adresse der Angerufenen gefunden wurde. Die Angerufenen wurden seitens der Täter angewiesen, alle Fenster und Türen zu schließen. In den Telefongesprächen wurden die Angerufenen auch danach gefragt, ob sie Wertgegenstände zu Hause haben. Die Angerufenen, die unter anderem auch durch die Berichterstattung in den Medien bezüglich der bekannten Betrugsmasche sensibilisiert waren, reagierten richtig und beendeten die Telefongespräche. Anschließend zeigten sie die Anrufe bei der Polizei an. Es wurde in den vergangenen Wochen und Monaten seitens der Polizei bereits wiederholt vor falschen Polizeibeamten gewarnt, die in dieser oder in ähnlicher Form Bürger anrufen, um diese unter Vorspiegelung falscher Tatsachen letztlich zur Herausgabe von Bargeld oder Wertsachen zu bewegen. Zum Teil geben die Täter dieser Betrugsmasche bei den Anrufen auch an, dass sie Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft oder anderer Behörden seien. Die Polizei bittet darum, solche Anrufe grundsätzlich anzuzeigen und diese auch im eigenen Bekannten- und Verwandtenkreis anzusprechen, damit auch die eigenen Bekannten, Freunde und Verwandten vorbeugend gewarnt werden.

Laut Polizeisprecher Jürgen Krautwald ist die Masche der falschen Polizisten weiter auf dem Vormarsch. Die Zahlen seien „regelrecht explodiert“. Im Bereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West gab es zwischen Januar und Oktober 911 Fälle – im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum noch 177 gewesen. Die Polizei geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. Wie sollen sich Betroffene verhalten?

Das rät die Polizei betroffenen Bürgern:

  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Zeitdruck setzen – hinterfragen Sie alles kritisch.
  • Geben Sie am Telefon nie Auskunft über Vermögensverhältnisse.
  • Behörden fordern nie auf solche Art und Weise Geld oder Vermögenswerte von Ihnen.
  • Lassen Sie sich eine Rückrufnummer geben
  • Trennen Sie die Verbindung durch Auflegen und wenden sie sich an die Notrufnummer 110, wenn möglich von einem anderen Telefon. Lassen Sie sich nicht verbinden.
  • Setzen sie Familienangehörige über diese Vorgehensweisen in Kenntnis.
  • Informieren Sie bei derartigen Anrufen Ihre Angehörigen.
  • In Bayern erhalten Sie keine Anrufe von der Notrufnummer 110.
  • Rufen Sie bei dem geringsten Zweifel den Polizeinotruf 110. (az)

Lesen Sie dazu auch. Wie Telefonbetrüger mit miesen Tricks auf Beutezug gehen

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