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Ulm

19.03.2018

Große Anteilnahme nach Brandanschlag auf Ulmer Moschee

In der Nacht auf Montag warfen Unbekannte Molotow-Cocktails vor ein Gebetshaus in Ulm.
Bild: Helmstädter

In der Nacht auf Montag warfen Unbekannte Molotow-Cocktails vor ein Gebetshaus in Ulm. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart übernimmt die Ermittlungen.

Auf eine Moschee der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüs (IGMG) in der Ulmer Schillerstraße am Ehinger Tor haben Unbekannte einen Brandanschlag verübt. Wie Staatsanwaltschaft Stuttgart und Polizeipräsidium Ulm mitteilen, meldeten Zeugen am frühen Montagmorgen gegen 3 Uhr ein Feuer in der Schillerstraße. Mit dem Feuerlöscher aus dem Streifenwagen löschten die Polizisten die Flammen.

Kriminaltechniker sicherten die Spuren des Brandes

Die loderten zu dieser Zeit direkt vor der Fassade des Hauses. Kriminaltechniker sicherten die Spuren. Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass Unbekannte zwei Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit gegen die Wand des Hauses warfen. Eine der Flaschen zerbrach nach Polizeiangaben ohne weitere Folgen. Die zweite löste den Brand vor dem Haus aus. In unmittelbarer Nähe stellte die Polizei drei weitere Flaschen mit einer brennbaren Flüssigkeit sicher. Sie stammen vermutlich von denselben Tätern, kamen aber nicht zum Einsatz.

Die Hintergründe der Tat sind nicht bekannt. Das ist Gegenstand der Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart übernahm nach eigenen Angaben die Leitung der Ermittlungen, weil der Verdacht bestehe, dass im öffentlichen Raum eine Straftat mit extremistischem Hintergrund verübt worden sei.

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Fassungslosigkeit herrschte am Montagmittag in einer Teestube der IGMG direkt neben dem Anschlagsort. Wie Besucher der Einrichtung gegenüber unserer Zeitung versicherten, soll es in den vergangenen Tagen ein „Sicherheitsgespräch“ mit der Ulmer Polizei gegeben haben.

Das Schild der Moschee der Mili-Görüs-Gemeinde.
Bild: Oliver Helmstädter

Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, warnte, wie berichtet, vor einem Jahr, dass die Konflikte in der Türkei auch Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland hätten. Maaßen sprach konkret die Gefahr von „Stellvertreter-Auseinandersetzungen“ zwischen Anhängern der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK und nationalistischen Türken hierzulande an. „Natürlich gibt es innerhalb der türkischen Gemeinschaft eine gewisse Spaltung“, sagt auch Masallah Dumlu, der für die Grünen im Kreistag sitzt.

Dumlu kann sich allerdings kaum vorstellen, dass dies der Grund für den Anschlag sei. Denn etwa die Hälfte des IGMG in Ulm sei kurdischstämmig. Dumlu hält deswegen auch ein rechtsradikales Motiv für möglich. Er selber sei entsetzt über die jüngsten Äußerungen von Bundesinnenminister Horst Seehofer. Wer behaupte, der Islam gehöre nicht zu Deutschland, sei letztlich ein Hetzer, der sich für Gewalt gegen Muslime mitverantwortlich mache. Während sich Polizei und Staatsanwaltschaft in Zurückhaltung üben, beurteilt die IGMG die Lage auf ihrer Facebook-Seite drastischer: „Die Moschee der IGMG wurde gestern Nacht Ziel eines Molotow-Angriffs“, ist dort zu lesen.

Die Anteilnahme nach der Tat ist groß

Die Anteilnahme ist groß: Knapp 500 Menschen teilten via Internet ihre Anteilnahme mit. Auf dem Facebook-Auftritt der türkischen Tageszeitung Milli Gazete  wurden am Montag Fotos veröffentlicht, die offenbar direkt nach dem mutmaßlichen Anschlag aufgenommen wurden: Die Bilder zeigen die brennende Flüssigkeit vor einem vergitterten Kellerfenster in der Dunkelheit der nächtlichen Schillerstraße. Offenbar versuchten die Unbekannten mit den Molotowcocktails den Keller des Hauses in Brand zu setzen, was jedoch misslang. Der Boden platzte auf und ein Kunststoff-Korb des benachbarten Gemüsehändlers fing Feuer. Auch in der Türkei wurde der Vorfall registriert. Neben der Milli Gazete verbreitet zudem der türkische Parlamentsabgeordnete der Regierungspartei AKP, Mustafa Yeneroglu, Bilder des „Brandanschlags“.

Im Ulmer Rathaus sitzt der Schrecken des Extremismus-Gespensts ebenso tief: „Nicht vorzustellen, was hätte passieren können, wenn ein Feuer nachts in dem Haus, das von vielen Familien bewohnt wird, ausgebrochen wäre“, äußerte sich Ulms OB Gunter Czisch besorgt.

Politiker und religiöse Verbände verurteilen den Vorfall

Mehrere Sprecher des Ulmer Rats der Religionen versammelten sich am Nachmittag vor der Moschee, um ein Zeichen der „Präsenz und Solidarität“ zu setzen. Obwohl über die Hintergründe der Tat noch nichts bekannt ist, äußern sich die Mitglieder des Rats der Religionen, Volker Bleil (evangelische Kirchengemeinde), Israfil Polat (DITIB Moscheeverein) und Shneur Trebnik (jüdische Synagoge) in einer gemeinsamen Pressemitteilung besorgt und betroffen angesichts eines möglichen politischen oder religiösen Motivs: „Wir verurteilen diese Tat auf das Schärfste. Ganz gleich, was die Hintergründe oder Motive der Täter sein mögen, werden wir Anschlägen auf Gebetshäuser unabhängig von Konfession oder Religionsgemeinschaft entschieden entgegentreten.“

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