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Ulm/Neu-Ulm

26.12.2015

Heftige Kritik an der Handelskammer

Ja, das Transparent auf dem Gebäude der IHK in Ulm „Pro Stuttgart 21“ ist längst weg. Auch daran entzündete sich Kritik.
Bild: Alexander Kaya

Der Bundesverband für freie Kammern wundert sich über einen besonders großen Verwaltungsapparat in Ulm. Wirtschaftsvertreter sehen diesen als Pfund im Kampf um Köpfe.

Alle Jahre wieder bekommen die Industrie- und Handelskammern (IHK) ihr Fett weg. Im vierten Jahr in Folge legt der Bundesverband für freie Kammern (BFFK) nun seinen Kammerbericht vor, diesmal erwischt es besonders die Ulmer. Seit 1995 setzt sich der BFFK gegen die Zwangsmitgliedschaft von Unternehmen in den IHKs ein, ist sozusagen ihr natürlicher Feind.

Im diesjährigen Kammerbericht hat sich der BFFK erstmals mit dem Personaleinsatz in den IHKs beschäftigt. Das Ergebnis: Die IHK Ulm hat demnach zwischen 2007 und 2014 26 zusätzliche Vollzeitstellen (33,8 Prozent) geschaffen und gehört damit zu den IHKs mit dem massivsten Personalzuwachs. Auf je 311 Mitglieder leistet sich die IHK Ulm eine Vollzeitstelle. „Eine solcher Personaleinsatz stellt sich im Vergleich mit den anderen Kammern als völlig überzogen dar“, sagt BFFK-Geschäftsführer Kai Boeddinghaus. Dieser Wert gehöre auch absolut zu den bundesweit schlechtesten. Leider würden die Kammerfunktionäre vergessen, dass es ihre hart arbeitenden Mitglieder sind, die diesen bürokratischen Aufwand finanzieren müssten, erinnert Boeddinghaus. Der BFFK-Geschäftsführer fordert die Kammerführung hier zu einem deutlichen Gegensteuern auf. Er erinnert dabei daran, dass es insbesondere die Wirtschaftsorganisation der Kammern sei, die gegenüber Länder und Kommunen eine sparsame und wirtschaftliche Haushaltsführung einforderten. Der BFFK habe sich dabei ausschließlich auf die von den Kammern selber auf IHK-Transparent veröffentlichten Zahlen bezogen. Die für Neu-Ulm zuständige IHK Schwaben mit Sitz in Augsburg schneidet nach der Interpretation der BFFK besser ab. Dort sind es 815 Mitglieder pro Vollzeitstelle. Das heißt der Verwaltungsapparat ist auf Ulmer Seite mehr als doppelt so dick. Fakt ist: Auch die Führungsebene der IHK Ulm ist breiter aufgestellt. Die IHK Ulm gibt zwölf Führungskräfte mit einem Gehalt von etwas über 1,0 Millionen Euro zusammen an. In Augsburg verdienen sieben Führungskräfte 667000 Euro.

Bei der IHK Ulm wertet man die Auswertung des BFFK als Sturm im Wasserglas. Entscheidend, so Hauptgeschäftsführer Otto Sälzle, seien die Mitgliedsbeiträge. Mit 0,15 Prozent des Gewerbeertrags („Umlagehebesatz“) liege Ulm im Vergleich mit anderen Kammern, auch der Augsburger, sehr niedrig. Und selbstverständlich habe die Ulmer IHK in jüngster Zeit Stellen geschaffen. Diese sei aber zum größten Teil geschehen, um Lösungen für eines der drängendsten Probleme der regionalen Wirtschaft zu finden: dem Fachkräftemangel. „Das ist unsere Aufgabe.

Das verlangen die Mitglieder von uns.“ So sei etwa ein „Welcome Center“ geschaffen worden, um das Potenzial ausländischer Arbeitskräfte zu erschließen. Auch die Kontaktstelle „Frau und Beruf“ sei aufgestockt worden, um weibliche Personen nach einer Familienpause wieder besser in das Berufsleben zu integrieren. „Dies zu kritisieren ist zu kurz gesprungen“, sagt Sälzle. Auch Kritik an neuen Stellen in der Weiterbildung sei ungerechtfertigt: Denn diese würden auf dem Markt agieren, also voll kostendeckend funktionieren.

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