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Weißenhorn

16.11.2018

Keime im Wasser: Noch gibt es keine Entwarnung

Die Mehrkosten sind zum einen moderat und zum anderen ist das Geld gut angelegt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Bislang ist unklar, woher die Belastung des Trinkwassers mit coliformen Bakterien kommt. Vorerst gelten spezielle Vorsichtsmaßnahmen.

Noch können die Fachleute keine Entwarnung geben. Bis auf Weiteres gilt in Weißenhorn sowie in den Stadtteilen Attenhofen, Hegelhofen, Grafertshofen, Emershofen und Bubenhausen das Abkochgebot für Trinkwasser. Anlass für diese Vorgabe des Gesundheitsamtes Neu-Ulm ist wie berichtet der Nachweis von coliformen Bakterien bei einer Routineprobe am Brunnen der Wasserversorgung Weißenhorn in Grafertshofen. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass das Trinkwasser im Ortsnetz verunreinigt ist, müssen die Bürger in den genannten Stadtteilen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Daran wird sich vermutlich auch übers Wochenende nichts ändern.

Noch sei die Ursache für die Keime im Wasser nicht gefunden, berichtete Andreas Palige am Freitagmittag. „Aber wir sind dran“, versicherte er. Palige ist im Rathaus zuständig für Wasser, Kanal und Müll. Für den Nachfolger von Karl-Walter Simmendinger, dem früheren Werkleiter des Wasserwerks, ist es es der erste größere Vorfall dieser Art. Vor einigen Jahren habe er zwar eine Verunreinigung im Trinkwasser in Biberachzell miterlebt, erzählte Palige. „Damals haben wir Einwurfzettel an die Haushalte verteilt.“ Doch diesmal sind weit mehr Bürger betroffen, weshalb die Stadt ihre Informationen über die Verunreinigung auch an die Presse und an Radiosender geschickt hat.

Am Montagvormittag ist eine Besprechung mit dem Gesundheitsamt Neu-Ulm

Fünf Proben von verschiedenen Stellen seien am Donnerstag und Freitag genommen worden, berichtete Palige. Etwa 48 Stunden dauere es, bis die Ergebnisse vorliegen. „Am Montagvormittag werden die Befunde analysiert und die weitere Vorgehensweise mit dem Gesundheitsamt besprochen.“ Das Wasserwerk der Stadt Weißenhorn werde die Bürger informieren, sobald das Trinkwasser wieder einwandfrei ist.

Doch welche Auswirkungen auf die Gesundheit haben die im Brunnen nachgewiesenen coliformen Bakterien überhaupt? Dazu hat das Gesundheitsamt umfangreiche Informationen herausgegeben, die auch auf der Internetseite des Landratsamts Neu-Ulm nachzulesen sind. Eine Gefährdung der menschlichen Gesundheit sei bei alleinigem Nachweis von coliformen Bakterien für die Normalbevölkerung in der Regel nicht zu besorgen, heißt es darin. Dies gelte jedoch nicht für die Unterspezies Klebsiella pneumoniae und Enterobacter cloacae, die zum Beispiel Wundinfektionen und Blutvergiftungen auslösen können. Bei abwehrgeschwächten Personen ist nach Angaben der Behörde beim Nachweis der Bakterien eine gesundheitliche Gefährdung nicht auszuschließen. Zu dieser Personengruppe zählen etwa Säuglinge und Kinder, ältere Menschen und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem, zum Beispiel nach Chemotherapie, Knochenmarktransplantation oder Cortisontherapie.

Ein Glas Wasser ist noch nicht gefährlich

Wer ein Glas Wasser ohne Abkochen trinkt, muss sich allerdings noch keine Sorgen machen. Denn einzelne Bakterien lösen dem Gesundheitsamt zufolge keine Krankheit aus. Coliforme Bakterien seien nicht grundsätzlich schädlich. Sie kommen in großer Zahl im Darm, aber auch in der Umwelt vor. Menschen mit einem intakten Abwehrsystem haben daher in der Regel nichts zu befürchten. Erst wenn eine sehr hohe Anzahl von Bakterien aufgenommen worden ist oder das Immunsystem geschwächt ist, kann es zu Durchfällen kommen. Dazu wären aber mehrere Liter Trinkwasser notwendig, heißt es in der Mitteilung. Da Durchfall aber viele andere Ursachen haben kann, sollten Erkrankte ärztliche Hilfe suchen.

Um auf Nummer sicher zu gehen, rät das Gesundheitsamt Bürgern, das Leitungswasser einmalig sprudelnd aufzukochen und dann langsam über mindestens zehn Minuten abzukühlen. In diesen Fällen ist das Abkochen notwendig:

  1. Trinken


  2. Zubereitung von Nahrung


  3. Kaffee oder Tee kochen


  4. Obst, Gemüse und Salat waschen


  5. Geschirrspülen von Hand


  6. Wassersprudler


  7. Eiswürfelzubereitung


  8. Lösen von Medikamenten


Zähneputzen und Mundduschen. Trinkwasserspender, die direkt an der Wasserleitung hängen, sollten abgeschaltet werden. Wer nicht abkochen will, kann alternativ auch abgepacktes Wasser verwenden.

Auch die Stiftungsklinik Weißenhorn ist betroffen

Für Händewaschen, Duschen, Baden und die Toilettenspülung muss das Wasser nicht abgekocht werden. In der Waschmaschine und in der Geschirrspürmaschine werden die Bakterien durch Temperatur und Waschmittel abgetötet. Coliforme Bakterien dringen im Übrigen nicht durch die Haut und werden auch nicht eingeatmet wie zm Beispiel Legionellen.

Da auch die Stiftungsklinik an die Weißenhorner Wasserversorgung angeschlossen ist, müssen Patienten und Besucher dort einige Dinge beachten. Nach Rücksprache mit dem Krankenhaushygieniker gelten folgende Maßnahmen: Duschen sind bis auf weiteres gesperrt, Zähneputzen ist nur mit Wasser aus Flaschen möglich. Die Zubereitung von Nahrung, Kaffee und Tee sowie das Waschen von Lebensmitteln darf nur mit abgekochtem Wasser erfolgen, zum Lösen von Medikamente ist Wasser aus Flaschen zu verwenden. Und: Nach dem Händewaschen ist eine hygienische Händedesinfektion erforderlich.

Mehr Informationen zu dem Thema: Keime im Wasser: Was Bürger wissen müssen und Keime im Wasser sind kein Grund zur Panik.


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