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Ulm

24.01.2020

Sedelhöfe hui, Fußgängerzone pfui?

Veränderungen stehen an: Der Mc-Donalds-Container kommt weg. Diskutiert wird nun über Sitzgelegenheiten, Bänke und Baustellen.
Bild: Alexander Kaya

Plus Noch eine Großbaustelle? Während das 250-Millionen-Einkaufsquartier am Bahnhof Formen annimmt, wird um die Sanierung von Hirsch- und Bahnhofstraße gerungen. Der richtige Zeitpunkt ist strittig.

46 Jahre ist es her, als die Hirschstraße in eine Fußgängerzone verwandelt wurde. Genauso alt ist auch der typische rötliche Pflasterbelag. Viel hat sich seitdem nicht getan, in Ulms Einkaufsmeile, die längst mit der Bahnhofstraße zusammen gewachsen ist. Hier wird noch dieses Jahr die Flaniermeile um die Sedelhöfe erweitert. Nagelneu, glänzend und attraktiv wird sich das Einkaufsquartier präsentieren, während der Lack der Rest-Fußgängerzone ziemlich ab ist. Ein neuer Belag muss zumindest zwingend auf dem Grund des McDonalds-Containers. Der kommt nämlich weg, weil das Fast-Food-Lokal wie berichtet in die Sedelhöfe zieht.

Bereits im vergangenen Februar hatte die SPD gemeinsam mit der FWG- und der CDU-Fraktion beantragt, dass die Verwaltung einen Wettbewerb zur Sanierung der Bahnhofs- und Hirschstraße auslobt. Geschehen ist nichts. Die Fraktionen erneuerten nun diesen Antrag und beauftragten die Verwaltung, bis zum Frühsommer einen Architektenwettbewerb zur Gestaltung der Bahnhofstraße und Hirschstraße auszuloben.

Drogeriekönig Erwin Müller ist Anlieger

Die Grünen sind grundsätzlich auch für eine „große Lösung“. „Doch ich bin Realist genug, zu wissen, dass alleine die Verhandlungen mit den Immobilienbesitzern fünf Jahre dauern“, sagt daher Michael Joukov-Schwelling. In der Tat dürfte es zähe Verhandlungen mit einer Vielzahl an Grundstückbesitzern geben, was die Beteiligung an den Kosten angeht. Darunter sind „dicke Fische“ wie Drogeriekönig Erwin Müller, dem etwa das Müller-Gebäude sowie Abt gehört. Aber auch weniger finanzstarke Anlieger.

Sedelhöfe hui, Fußgängerzone pfui?

Die Fraktion der Grünen will schnell handeln und laut Antrag an OB Czisch daher in einem ersten Schritt auf der Container-Fläche die Aufenthaltsqualität mit Sitzgelegenheiten, Spielgeräten und Bäumen erhöhen.

IHK will die Fußgängerzone lieber sofort sanieren

Josef Röll, der Handelsexperte von der Ulmer Industrie- und Handelskammer (IHK) sieht das kritisch. „Wir sind nicht gegen Spielgeräte und Bäume“, sagt Röll. „Nur nicht an dieser Stelle.“ Denn mit der Eröffnung der Sedelhöfe werde die Frequenz in der Bahnhofstraße wieder zunehmen. Daher sei es nicht klug gerade an dieser ohnehin engen Stelle zusätzliche Barrieren aufzustellen. Unterschiedliche Auffassungen gibt es auch, was den Baubeginn angeht.

Die IHK hält es für besser, die Fußgängerzone zu sanieren, solange die Baustellen am Hauptbahnhof noch bestehen, also bis Mitte 2022, wenn die einseitige Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße aufgehoben ist. „Man muss die Fußgängerzone als Ganzes sehen“, sagt Röll. Bis die Tiefgarage am Hauptbahnhof fertig ist, solle Ulm die Chance erhalten, sich inklusive Sedelhöfe und Hirsch- und Bahnhofstraße als runderneuertes Einkaufsziel zu präsentieren. Wenn mit der Sanierung der bestehenden Fußgängerzone gewartet werde, drohten Ulm unterm Strich 15 Jahre Baustellendauer. So bekomme die Stadt das Baustellen-Image nie los. Zumal ein Teil der „alten“ Bahnhofstraße ohnehin neu gepflastert werden muss. Denn ein großer Teil des Übergangs vom Hauptbahnhof in die Fußgängerzone ist durch den Neubau des Hotels am Bahnhofsplatz neben den Sedelhöfen aufgerissen. Eine neue Baustelle ist zudem schon gesetzt: Apotheker Alfred Rohmer, der im Erdgeschoss die „Neue Apotheke“ betreibt, will seinen Nachkriegsbau abreißen lassen und gegenüber den Sedelhöfen, zwischen Bahnhofstraße und der Abzweigung in Richtung Parkhaus, einen Neubau errichten.

Czisch will nicht noch eine Großbaustelle in direktem Anschluss

Aus Sicht von OB Gunter Czisch gibt es in Ulm längst eine gewisse Baustellenmüdigkeit. Grundsätzlich seien sich alle einig, dass die Fußgängerzone saniert gehöre. Es sei aber fraglich, ob es klug ist, direkt nach der Eröffnung der Sedelhöfe die „alte“ Fußgängerzone aufzubuddeln. „Ich rate dringend, nicht sofort die nächste Großbaustelle zu beginnen.“ An den Diskussionen rund um das Thema könne das Stadtoberhaupt erkennen, dass sich im Gemeinderat erst mal eine mehrheitliche Meinung bilden müsse, wie es weiter gehen soll. „Wir müssen uns über ein Verfahren verständigen.“

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