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Neu-Ulm

17.12.2019

Spektakulärer Drogenfund: So kam das Kokain nach Neu-Ulm

An die 500 Kilogramm Kokain hat die Polizei bei ihrem Großeinsatz in Neu-Ulm sichergestellt. Sechs Tatverdächtige wurden festgenommen, einer war am Dienstag noch auf der Flucht.
Bild: Thomas Heckmann

Plus Die Ermittler schildern Details zu dem Fund von fast 500 Kilogramm Rauschgift, das in Bananenkisten versteckt war. An der Illertalbahn suchen Polizisten nach weiteren Spuren.

Eine mannshoch beladene Palette wird mit einem Hubwagen ins Foyer des bayerischen Landeskriminalamts (LKA) in München gefahren. Die knapp 500 Ein-Kilo-Päckchen mit Kokain im Wert von rund 20 Millionen Euro sind der sichtbare Erfolg des Polizeieinsatzes in Neu-Ulm.

Zunächst verrät die Polizei keine Details zu dem Großeinsatz in Neu-Ulm

Am Sonntag war stundenlang ein Polizeihubschrauber über Schwaighofen und Ludwigsfeld gekreist und und hatte Anwohner beunruhigt. Anrufer erhielten keinerlei Auskünfte über den Grund für den Großeinsatz. Erst nach Stunden ergab sich ein Bild, das am Montag komplettiert wurde, als das LKA bekannt gab, dass knapp 500 Kilogramm Kokain sichergestellt wurden. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann verkündete am Rande einer anderen Pressekonferenz, dass in Bananenkisten eine erhebliche Menge Kokain gefunden worden sei. Zahlreiche weitere Details wurden nun am Dienstag beim LKA in München verraten.

Sofort bei der Anlieferung in einem Fruchtgroßhandel bemerkt ein Mitarbeiter, dass etwas faul ist

Der guten Qualitätssicherung ist es demnach zu verdanken, dass sofort bei Anlieferung in einem Fruchtgroßhandel bemerkt wurde, dass am Freitag nicht nur die bestellten Bananen in Neu-Ulm ankamen. Die Polizei durchsuchte zwei Sattelzüge voller Obstkisten und fand 498 Ein-Kilo-Päckchen mit Kokain. Die Bananen und ihr Beipack waren mit dem Schiff im niederländischen Vlissingen angekommen, und die Paletten mit den Bananenkartons wurden von dort direkt mit zwei Lastwagen nach Neu-Ulm gebracht. Ein dritter Lkw aus dieser Lieferung ging zu einem niederländischen Empfänger, dort fand sich jedoch kein Kokain.

Bei einer Pressekonferenz im Landeskriminalamt in München präsentierten bewaffnete Polizisten den spektakulären Drogenfund.
Bild: Thomas Hekcmann

Die Polizei legt sich in Neu-Ulm auf die Lauer und wartet auf die Einbrecher

Sofort legte sich die Polizei auf die Lauer, denn man ging davon aus, dass die wertvolle Fracht irgendwann in den nächsten Tagen bei einem Einbruch abgeholt werden sollte. In der Nacht von Samstag auf Sonntag sind einige Stunden lang keine Mitarbeiter in der Bananenreifehalle. Und zu genau dieser Zeit tauchten drei Einbrecher auf, die gezielt nach dem Kokain suchten. Später kamen noch vier weitere Männer hinzu, die große Reisetaschen brachten, um das Schmuggelgut aus der Firma zu transportieren. Am Firmenzaun erfolgte dann der Zugriff der Polizei. Das ganze Kokain konnte sichergestellt werden, aber eine Verfolgungsjagd nach den flüchtenden Tätern begann.

Der Polizeihubschrauber kreist stundenlang über der Stadt

Stundenlang kreiste ein Polizeihubschrauber über dem Industriegebiet und angrenzenden Stadtteilen, am Boden waren uniformierte und zivile Polizeieinheiten unterwegs. In der Von-Liebig-Straße wurde ein Transporter der Kokain-Abholer gestoppt. In der Pressekonferenz gingen die Ermittler nicht näher auf die Umstände ein. Offenbar kam es zu einem Zusammenstoß mit einem zivilen Polizeifahrzeug.

Das LKA bestreitet, dass mit einem Sondereinsatzkommando in Weißenhorn nach einem Verdächtigen gesucht wurde

Sechs der Täter konnten verhaftet werden, ein siebter ist noch flüchtig. Am Dienstagmittag suchten Polizisten unter Federführung des Landeskriminalamts die Gleise der Illertalbahn ab – die Zugstrecke musste deswegen vorübergehend gesperrt werden. Gerüchte, die Polizei habe mit einem Sondereinsatzkommando in Weißenhorn nach dem noch immer flüchtigen siebten Täter gesucht, wies LKA-Sprecher Ludwig Waldinger auf Anfrage unserer Redaktion zurück: „Wir suchen den Flüchtigen weiter – aber dort haben wir nach Beweismitteln gesucht“, sagte er.

Das Rauschgift wurde per Hubwagen hereingebracht.
Bild: Thomas Heckmann

Die Tatverdächtigen sitzen inzwischen in Untersuchungshaft

Staatsanwalt Christoph Ebert geht davon aus, dass die festgenommenen Männer im Alter von 24 bis 39 Jahren extra für die Tat aus Albanien und Rumänien nach Deutschland eingereist sind, denn sie sind der deutschen Polizei bisher komplett unbekannt. Zur Tat haben die Festgenommenen noch keine Aussagen gemacht. Wegen des Verdachtes des bandenmäßigen Diebstahls sind sie in Untersuchungshaft.

Schwerbewaffnete Polizisten bewachen den 20-Millionen-Euro-Fund

Bei der Pressekonferenz im LKA wurde der 20-Millionen-Fund gezeigt, jedes grün eingeschlagene Kokain-Päckchen durch die Polizei fein säuberlich in durchsichtige Kunststoffbeutel verpackt und mit Asservatennummer versehen, damit kein Beweismittel verloren geht. Links und rechts der wertvollen Ausstellung je ein Polizist mit Maschinenpistole und viele weitere bewaffnete Beamte im Raum, zu dem nur Journalisten Zugang bekamen.

Wurde Neu-Ulm gezielt als Lieferort für das Kokain ausgesucht?

Die nächsten Monate werden weitere Ermittlungen notwendig sein. Einsatzleiter Falk von Usslar wird die Erkenntnisse mit ähnlichen Transporten von Kokain nach Deutschland vergleichen, um Hinweise auf die Lieferwege und die Auftraggeber zu finden. Ob Neu-Ulm versehentlich oder gezielt als Lieferort für das Kokain gewählt wurde, ist der Polizei noch unbekannt. Sie prüft auch Lieferpapiere und -wege auf Auffälligkeiten. Das belieferte Unternehmen selbst hat mit dem Kokain nichts zu tun und hat mit der Polizei optimal zusammengearbeitet. Möglicherweise wurde die Firma schon vorher ausgespäht, um Möglichkeiten zu finden, dort das Kokain aus der Reifehalle abzuholen. (mit mase)

Lesen Sie hier mehr dazu und zu anderen Rauschgift-Fällen in der Region:

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