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Neuburg

08.01.2020

Muslime in der CSU: Engagement wichtiger als Glaube

Sener Sahin wollte in Wallerstein als Kandidat für die CSU Bürgermeister werden.
Bild: Robert Milde

Plus In Wallerstein wollte ein Muslim für die CSU als Bürgermeister kandidieren - doch wurde zum Rückzug gedrängt. In der CSU in Neuburg und Umgebung stößt das auf Unverständnis.

Noch vor einer Woche hatte die CSU im nordschwäbischen Wallerstein einen Kandidaten, der für sie bei der Kommunalwahl im März zur Bürgermeisterwahl antreten wollte. Doch dass Sener Sahin Muslim war, passte einigen Kandidaten für den Gemeinderat der 3000-Einwohner-Gemeinde zwischen Nördlingen und der württembergischen Grenze nicht: Sie drohten, ihre Kandidatur zurückzuziehen. Obwohl er die Unterstützung des Vorstands im Ortsverein hatte, kam Sahin ihnen zuvor. Die Folge: Jetzt hat die Partei in Wallerstein keinen Kandidaten mehr. Der Fall machte schnell bundesweit Schlagzeilen. Auch in der CSU im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist Wallerstein ein Thema. Denn hinter dem Vorfall steht eine Grundsatzfrage: Haben Muslime einen Platz in einer Partei, die ihren christlichen Hintergrund im Namen trägt?

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Für Matthias Enghuber, Kreisvorsitzender der CSU und Landtagsabgeordneter, ist die Antwort auf die Frage eindeutig: „Ein Engagement von Muslimen ist überhaupt nicht kritisch“, sagt er. Die christlichen Werte stellen für ihn das Fundament der Partei dar. Ob ein Mitglied an Gott, Allah oder an gar nichts glaube, spielt für ihn hingegen keine Rolle. „Wir haben viele Mitglieder, die keine Christen sind“, sagt Enghuber. Darunter seien auch Migranten, die sich bewusst für Deutschland entschieden haben. „Und das ist gut“, findet er. „Wir verlangen schließlich Integration und wollen keine Parallelgesellschaften.“

CSU-Kandidat in Wallerstein: "Gefühl, weggemobbt zu sein"

Wäre er Ortsvorsitzender der CSU in Wallerstein gewesen, hätte er mit den Parteimitgliedern gesprochen, die sich gegen Sener Sahin ausgesprochen haben. „Dabei hätte ich aber auch klargemacht, dass der Ortsverein und die Mitglieder ihn für den Richtigen halten“, sagt Enghuber. Einen Imageschaden dürfte der Vorfall für die Partei im Wahlkampf sicher bedeuten. „Das Gefühl, dass der Kandidat weggemobbt wurde, bleibt bestehen“, schätzt er.

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Unterstützung bekommt Enghuber von Wigbert Kramer, dem scheidenden CSU-Bürgermeister von Rohrenfels. „Wer sich für die Gemeinde engagiert, soll sie auch führen können“, sagt er. Dabei spiele die Religion für ihn keine Rolle. Die Gemeinde ist noch kleiner als Wallerstein. Eine Kommune, in der der dortige CSU-Ortsvorsitzende sagt, man sei eben auf dem Dorf und „noch nicht so weit“. Für Rohrenfels gelte das nicht, findet Kramer. Zwar würde letztlich der Wähler entscheiden. „Doch ich glaube schon, dass Rohrenfels so weit ist.“

Ortsverbände der CSU hätten kein Problem mit Muslimen

Wakas Ashraf kann das bisher bestätigen. Er ist in der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde in Neuburg aktiv und leitet zugleich die Geschäftsstelle der Sparkasse in Rohrenfels – dort habe er bisher von den Menschen keinen Widerstand gespürt. Mitglied in einer Partei ist er nicht, und zieht dies momentan auch nicht in Betracht. Im Hinblick auf die Kandidatur von Sener Sahin wünscht er sich als engagierter Muslim aber von der CSU, sich stärker zu öffnen. Ein Bürgermeister diene schließlich nicht der Kirche, sondern den Menschen im Ort. „Natürlich ist die CSU auch christlich“, sagt er. „Aber wir sind im 21. Jahrhundert? Wann sind wir so weit?“

Nicht bewerten möchte den Vorfall die Neuburger CSU-Stadträtin Elfriede Müller. Matthias Seitz sagt, er habe sich noch nicht genauer mit dem Thema beschäftigt. Er ist Vorsitzender der CSU in Bergheim. Grundsätzlich freue er sich über jedes Engagement. „Und das sieht sicher jeder Ortsverband so“, meint er. Auch Julia Abspacher ist sich sicher, dass in der Union wenige ein Problem mit Muslimen haben. Sie kandidiert für die CSU für den Stadtrat in Neuburg. Ihre Partei definiert sich ihrer Ansicht nach nicht über Religionszugehörigkeit, sondern über Werte. „Wenn sich jemand daran hält und sich zum Rechtsstaat bekennt, dann sehe ich kein Problem.“

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Wir müssen so weit sein

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