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06.02.2015

„Wir wollen unsere eigene Historie schreiben“

Vor dem Rückrundenstart: die Geschäftsführer des FC Ingolstadt Harald Gärtner (links) und Franz Spitzauer auf dem Balkon des Funktionsgebäudes. Im Hintergrund trainiert die Profimannschaft.
Bild: Benjamin Sigmund

Die Geschäftsführer des FC Ingolstadt, Harald Gärtner und Franz Spitzauer, sprechen über einen möglichen Aufstieg und nehmen Stellung zum künftigen Etat, einem Stadionausbau und zum Thema Tradition

Vor dem Rückrundenstart des FC Ingolstadt heute Abend (18.30 Uhr) bei der SpVgg Greuther Fürth (siehe überregionaler Sport) hat sich die NR mit den Geschäftsführern Harald Gärtner und Franz Spitzauer unterhalten.

Herr Spitzauer, Herr Gärtner. Sind Sie jemals entspannter in ein Fußballjahr gestartet?

Ich bin eigentlich immer angespannt. Diesmal ist es sogar noch ein bisschen mehr. Gärtner: Anspannung darf ohnehin nie weggehen. Wenn das der Fall ist, kommt Zufriedenheit auf, und das ist das Schlimmste, was passieren kann.

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Sieben Punkte beträgt der Vorsprung auf den Zweiten. Bedeutet ein möglicher Bundesligaaufstieg im Moment nicht zusätzliche Arbeit?

Von der Lizenzierung her ist es sogar einfacher, weil wir aufgrund der Tabellensituation definitiv die dritte Liga heuer nicht lizenzieren lassen und damit nicht in die DFB-Lizenzierung fallen. Die für die 1. und 2. Liga hingegen ähneln sich sehr. Und die werden wir abgeben. (beide lachen). Gärtner: Wir müssen zweigleisig planen. Zu Saisonbeginn 2012/13 haben wir einen Fünfjahresplan aufgestellt. In der Saison 2016/17 sollte sich die Mannschaft in der 2. Liga oben festbeißen. Es ist schön, dass es nun früher gekommen ist. Wir werden alles dafür tun, Lizenzspieler-Etat und Gesamt-Budget so aufzustellen, dass wir in der Bundesliga konkurrenzfähig wären, wenn es soweit ist. Allerdings werden wir keine Harakiri-Maßnahmen tätigen.

Der Lizenzspieleretat beträgt im Moment ca. 8,5 Millionen Euro, ca. 20 Millionen Euro der Gesamtetat. Mit wie viel könnte man in der Bundesliga planen?

Beim Gesamtetat sollten um die 40 bis 45 Millionen rauskommen, um vernünftige Rahmenbedingungen zu schaffen. Wir wollen im Aufstiegsfall auch in der Bundesliga ein ausgeglichenes Ergebnis erreichen. Aber wir werden uns kaufmännisch auf neuem Terrain bewegen. Man darf sich nicht zu sicher sein, alles im Griff zu haben. Gärtner: Wir würden den Lizenzspieler-Etat im Rahmen unserer Möglichkeiten anpassen, um konkurrenzfähig zu sein. Sportlich würden wir eine Mannschaft formen, die die Möglichkeit hat, in der 1. Liga zu bestehen. Dabei sollte das Gerüst aus den Spielern bestehen, die einen Aufstieg ermöglicht haben. Aber es ist nicht alles planbar. Wir sollten bodenständig bleiben und wissen, wo wir herkommen.

Wird Audi bei einem möglichen Aufstieg seine Zahlungen deutlich erhöhen?

Über die Zahlen herrscht Stillschweigen. Wir haben einen ganz klaren Vertrag mit unserem Partner, der Vereinbarungen für alle Ligen enthält. Klar ist, dass wir in der Bundesliga mehr erhalten würden.

Hat das Stadion mit 15600 Plätzen Bundesligaformat oder ist auf Sicht ein Ausbau im Gespräch?

Unser Stadion erfüllt alle Bundesligaansprüche. Wenn wir künftig eine positive Zuschauerentwicklung erleben, werden wir auf die Stadionbetreiber GmbH zugehen und erörtern, wie viel ein Ausbau kosten würde, in welchen Stufen er durchführbar ist und wie schnell es gehen könnte. Gärtner: Es gibt zwei mögliche Szenarien. Quasi einen Zwischenschritt mit einer Kapazität von 22000 bis 24000 Zuschauern und eine Endversion mit 34 000 Plätzen. Aber wir wollen das vernünftig angehen und nichts überstürzen.

Darüber hinaus sehen Sie auch Verbesserungsbedarf in der Verkehrsführung und Parkplatzsituation im Stadionbereich...

Wir hoffen, dass die An- und Abfahrt zum Stadion durch individuelle Verkehrsführung an den Spieltagen beschleunigt wird und die Stadt Ingolstadt die derzeit 2500 Parkplätze aufstockt. Die Stadt hat uns jedenfalls signalisiert, dass sie aktiv an der Situation arbeitet und Lösungsansätze sucht. Zum Spiel gegen 1860 München, das viele Zuschauer besuchen werden, kommt zudem das Amt für Verkehrsmanagement und beleuchtet die ganze Situation. Alle Parteien sind sehr kooperativ.

Als einer der wenigen Aufsteiger hat sich in den jüngsten Jahren der FC Augsburg in der Bundesliga etabliert. Ist der Verein eine Art Vorbild?

Was die Entwicklung in der 1. Bundesliga betrifft, kann der FC Augsburg ein Vorbild sein. Er spielt im vierten Jahr im Oberhaus, hat ein sehr gut besuchtes Stadion und sich Jahr für Jahr gesteigert. Auch anderen Vereinen ist es gelungen, sich mit wirtschaftlichem Augenmaß festzusetzen.

Augsburgs neuer Vorstandsvorsitzender Klaus Hofmann sagte, dass der FC Augsburg langfristig nicht mit dem FC Ingolstadt mithalten können wird...

(schüttelt den Kopf) Wir wissen nicht, wie der FC Augsburg Geld akquiriert. Das Gleiche gilt aber andersherum auch. Daher kann ich nicht sagen, wie Herr Hofmann zu diesem Urteil kommt. Ich weiß jedenfalls nicht, wer mehr Geld in der 1. Bundesliga hätte. Gärtner: Es ist ein ganz schöner Kraftaufwand, in die 1. Bundesliga zu kommen und sich dort zu etablieren. Ob es für den FC Ingolstadt reicht, einmal am FC Augsburg vorbeizuziehen, können wir nicht sagen, denn im Moment spielen wir noch nicht mal in derselben Liga.

Der FC Ingolstadt wird aus verschiedenen Kreisen gerne als Werksklub bezeichnet und in einen Topf mit Wolfsburg oder Leverkusen geworfen. Gerade Mainz-Manager Christian Heidel stichelt gerne gegen den FC Ingolstadt mit Sponsor Audi. Wie sehen Sie diese Aussagen?

Diese Aussagen muss man in dem Geschäft einfach so hinnehmen. Der einzige Satz von Christian Heidel, der mich gestört hat, ist, dass Mainz sein Geld mit Fußball verdienen müsste. Wir verdienen unser Geld auch mit Fußball, mit was denn sonst (lacht)? Unsere Einnahmen setzen sich aus Sponsoring, TV-Einnahmen, Zuschauer- und Merchandisingeinnahmen sowie Transferüberschüssen zusammen. Mir wäre es neu, wenn Vereine wie Mainz oder Augsburg nicht die gleichen Einnahmequellen hätten. Spitzauer: In Mainz gibt es die Coface-Arena, bei uns den Audi-Sportpark. Ich sehe da keinen Unterschied. Gärtner: Diese Aussagen sind doch populistisch. Wichtiger ist, dass diese Vereine uns wahrnehmen. Das macht uns stolz.

Und die Bezeichnung als Werksklub?

Ein Werksklub ist im Sport ein Team, das einem Unternehmen angehört. Die Audi Quattro GmbH hält 19,98 Prozent an der Fußball GmbH. Wir haben eine gelebte Partnerschaft mit Audi und sind stolz darauf. Andere Vereine würden auch nicht Nein zu einem Partner wie Audi sagen.

Einige Traditionsvereine stehen in der ersten Liga unten und sehen in aufstrebenden Vereinen eine Gefahr...

Was ist Tradition? Für mich ist das ein Verein, der auf eine lange Historie zurückblickt. Wir sind ein junger Verein, der sich Tradition noch erarbeiten muss. Die sogenannten Traditionsvereine lenken von ihren eigenen Problemen ab. Für die können wir nichts. Spitzauer: Der FC Ingolstadt ist aus dem Spielrecht eines 1881 (MTV Ingolstadt) und einer Abteilung eines 1919 (ESV) gegründeten Vereins entstanden. Wir haben sie zusammengeführt und einen neuen Namen genommen. Wir hätten auch eines der alten Gründungsdaten verwenden können. Das haben wir nicht gemacht, und jetzt sollen wir keine Tradition haben. Die alten Zöpfe haben wir bewusst abgeschnitten, um einen echten Neustart möglich zu machen... Gärtner: Uns muss gestattet sein, unsere eigene Historie zu schreiben.

Der FC Ingolstadt ist elf Jahre alt. Wo steht der Verein in elf Jahren?

Ich hoffe, dass wir uns eine Klasse höher etablieren können. Zudem wollen wir unsere Jugendarbeit weiter voranbringen. Unser Nachwuchs-Leistungszentrum, das die höchste Auszeichnung erhalten hat, soll eines der führenden werden. Auch infrastrukturell haben wir noch viele Themen auf dem Zettel. Wir haben schon einige Etappenziele in unserer Entwicklung erreicht und wollen diese weiterführen. Wichtig ist dabei, weiterhin mit wirtschaftlichem Augenmaß zu handeln und sich realistische Ziele zu setzen. Spitzauer: Man kann sich auch überheben und Fehler begehen. Das wollen wir solange es geht vermeiden und Nachhaltigkeit schaffen. Der Verein hat keine Schulden. Auch künftig sollen die GmbH, der Stadionbetreiber und der Verein eine schwarze Null schreiben.

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