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Landkreis Donau-Ries

30.01.2015

Bedeutet neue Prognose das Aus für die Hesselbergbahn?

Das Gleis der Hesselbergbahn zwischen Wassertrüdingen und Nördlingen bleibt auch in den nächsten Jahren wahrscheinlich ungenutzt.
Bild: dpa

Der Abschnitt von Wassertrüdingen nach Nördlingen erfüllt auch nach optimistischen Vorhersagen nicht die Kriterien für eine Wiederbelebung. Dennoch sind Lokalpolitiker optimistisch.

Die Chancen auf eine Reaktivierung des Südabschnittes der Hesselbergbahn zwischen Wassertrüdingen und Nördlingen sind auf absehbare Zeit auf den Nullpunkt gesunken. Mit dieser Erkenntnis fuhren die Kommunalpolitiker aus der Region von einem Treffen mit Vertretern des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) und des Bayerischen Innenministeriums im mittelfränkischen Unterschwaningen nach Hause.

Bei der Zusammenkunft legte der VGN eine aktuelle Fahrgastprognose vor, die recht ernüchternd ausfiel: Auch bei optimistischen Prognosen hinsichtlich Bevölkerungsentwicklung und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Region und die Städte Nördlingen und Oettingen würden nur 960 Reisende pro Werktag die Strecke inklusive des Schülerverkehrs nutzen. 1000 sind erforderlich, um einen Betrieb vom Freistaat finanziert zu bekommen. Die oft kritisierten „Widerstände im Netz“, wie beispielsweise die langen Umsteigezeiten von und nach Aalen und Donauwörth am Bahnhof Nördlingen, enthielt die Berechnung nicht mehr.

Der stellvertretende Landrat des Donau-Ries-Kreises, Reinhold Bittner, der in Unterschwaningen dabei war und als Skeptiker einer Reaktivierung gilt, zeigte sich nicht überrascht über die Ergebnisse. Bittner sieht den Weg einer Reaktivierung mit einer Reihe von Hürden gepflastert, auch für die geplante Wiederinbetriebnahme des Nordabschnitts der Hesselbergbahn zwischen Gunzenhausen und Wassertrüdingen ab 2019 (wir berichteten).

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Der CSU-Politiker fragt sich beispielsweise, wie die Schüler vom jeweiligen Bahnhof, an dem sie aussteigen, zur Schule kommen sollen. „Da muss unter Umständen eine zusätzliche Busverbindung mit den entsprechenden Folgekosten eingerichtet werden, was nicht Sinn der Sache sein kann“, sagte Bittner. Seitens des Landkreises gelte es dennoch, nach der Inbetriebnahme der Nordstrecke in vier Jahren die dortige Entwicklung zu beobachten.

Darauf setzt auch Landrat Stefan Rößle, der ein endgültiges Aus für den Südabschnitt noch nicht sieht. „In ein paar Jahren gibt es möglicherweise Erkenntnisse, die alle Beteiligten nochmals nachdenken lassen“, sagte er. Tatsache sei eben, „dass in einem Flächenlandkreis wie dem unseren das Auto Vorrang vor dem Öffentlichen Nahverkehrs genießt“. Vielleicht ändere sich dies später einmal und andere Verkehrsmittel rückten in den Vordergrund. Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul und Oettingens Bürgermeisterin Petra Wagner erklärten übereinstimmend, die vorgelegten Zahlen erst einmal zur Kenntnis zu nehmen. Faul sagte, es sei wichtig gewesen, dass für den südlichen Abschnitt die gleichen Vorgaben bei der Erhebung zugrunde gelegt worden seien, wie beim Nordabschnitt.

Anlass für die neueste Potenzialberechnung war die von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im Sommer vergangenen Jahres in Aussicht gestellte Reaktivierung des Abschnittes Gunzenhausen – Wassertrüdingen. Auf dieser Strecke wurde bei den Untersuchungen der Schwellenwert mit 1010 Fahrgäste pro Tag knapp überschritten. Danach forderten die betroffenen Kommunen im Landkreis Donau-Ries, für den Südteil der Hesselbergbahn nochmals das Fahrgastpotenzial zu ermitteln.

Albrecht Röttger, Leiter des Arbeitskreises Bahnreaktivierung beim Grünen-Kreisverband Donau-Ries, äußerte sich gestern keineswegs enttäuscht über die neuen Zahlen. Trotz der nicht erreichten 1000 Reisenden sei man einer Reaktivierung näher gekommen. „Im Gutachten von 2012 lagen wir noch bei 830“. Röttger geht davon aus, dass der geforderte Schwellenwert erreicht werde, würde man zusätzliche Haltepunkte in Hainsfarth und im Nördlinger Industriegebiet vorgesehen. Auch fehlten ihm durchgehende Züge von Gunzenhausen nach Donauwörth. „Wenn ein Hainsfarther nach Donauwörth will und in Nördlingen nicht umsteigen muss, nutzt er vielleicht den Zug und nicht sein Auto“, sagte Röttgers. „Wir müssen weiter dran bleiben“, meinte der Bahnexperte und regte ein „Werkstattgespräch“ mit allen Beteiligten und Vertretern der Politik an. Dabei sollte erörtert werden, wie die 1000 Reisenden erreicht werden könnten.

Die Mitglieder des Stadtrates in Oettingen möchten sich hingegen gerne erklären lassen, wie die aktuellen Zahlen überhaupt zustande kommen. Als Bürgermeisterin Petra Wagner in der jüngsten Sitzung das Ergebnis des Treffens mit Vertretern des VGN vorstellte, löste das unterschiedliche Reaktionen aus. Erwin Taglieber von der CSU/FWG-Fraktion betonte, die Reaktivierung sei für die strukturschwache Region Nordries enorm wichtig. SPD-Fraktionschef Robin Bhattacharyya sprach von einem „niederschmetternden Ergebnis“. Vermutlich wird in der nächsten Stadtrats-Sitzung ein Vertreter der VGN die Zahlen erläutern. (bs, jaka)

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