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Nördlingen/Ingolstadt

18.06.2019

Frühere Nördlinger Hebamme setzt sich für Geburtshaus ein

Sabine Schmuck (links) hat das Geburtshaus gegründet. Da zwei weitere Hebammen, darunter Madlen Hofmann (rechts), dort zu arbeiten begonnen haben, muss das Geburtshaus nicht schließen.
Bild:  Luzia Grasser

Noch im vergangenen Jahr sah es so aus, als müsste Gründerin Sabine Schmuck zusperren. Sie fand einfach keine Hebammen. Doch jetzt kann es weitergehen.

Noch im Herbst vergangenen Jahres war Sabine Schmuck davon überzeugt, dass sie Ende Mai das Ingolstädter Geburtshaus zusperren muss. Im Jahr 2002 hatte sie es gegründet, doch in den vergangenen Jahren war es für sie immer schwieriger geworden, Hebammen zu finden. Mütter, die ihre Kinder dort zur Welt gebracht haben, haben sogar Spenden für eine Stellenanzeige in einer Fachzeitschrift gesammelt – alles vergebens, niemand meldete sich. Und alleine, sagte Schmuck damals, könne sie all die Geburten und die Betreuung der Mütter und Babys unmöglich stemmen. Doch jetzt gibt es eine Zukunft für das Geburtshaus. Zwei junge Hebammen aus Schwaben wollen mit Sabine Schmuck das Geburtshaus an der Gerolfinger Straße weiterführen. Im Oktober kommt eine weitere Kollegin dazu.

Madlen Hofmann (23) aus Augsburg und Janine Haase, Anfang 30 und aus Tapfheim, haben sich einst bei der Ausbildung in Augsburg kennengelernt und beiden war klar, dass sie einmal zusammen arbeiten möchten – und zwar nicht in einem Krankenhaus. Dennoch waren die zwei Hebammen zuletzt in einer Klinik tätig, Haase in Nördlingen. Aber der Gedanke blieb und so wurden sie auf das Geburtshaus in Ingolstadt aufmerksam. Und zwar zu einer Zeit, als Sabine Schmuck die Suche nach neuen Kolleginnen längst aufgegeben hatte. Stattdessen war sie bereits dabei, die Vermietung der Räumlichkeiten zu organisieren. Nur hin und wieder wollte sie einzelne Geburten betreuen, das war der Plan.

Die Beziehung zu den Frauen sei ein Unterschied zur Klinik

Doch dann trafen sich die Frauen und für Hofmann war bald klar: „Das Konzept war für uns nicht zu toppen.“ Sie hat im Februar in Ingolstadt angefangen zu arbeiten, ihre Kollegin im Mai.

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Einer der großen Unterschiede zur Arbeit in der Klinik sei „die Beziehung zu den Frauen“, betont Hofmann. Im Geburtshaus werden sie von den Hebammen bereits viele Monate vor der Geburt, währenddessen und auch noch in der Zeit danach begleitet. Hebamme sein, ohne bei einer Geburt dabei zu sein, wie es mittlerweile einige Kolleginnen tun – das kam für Hofmann nie in Frage: „Geburtshilfe muss sein, das ist die Herzensarbeit.“

Zu dritt wären rund 12 bis 15 Geburten im Monat machbar, sagt Schmuck. Höchstens. Denn: „Wir werden nicht in die Masse gehen.“ Und deshalb müssen die Hebammen auch immer wieder Schwangeren absagen, gerade weil die Nachfrage groß ist. Die nächsten Geburtshäuser sind in Nürnberg und München. Freie Termine gibt es in Ingolstadt erst wieder für Mütter, die ihre Kinder ab November auf die Welt bringen.

Es gab Bedauern von vielen Seiten

Als bekanntgeworden war, dass das Geburtshaus in Ingolstadt möglicherweise schließen muss, habe sie Bedauern von vielen Seiten erfahren, erzählt Sabine Schmuck. Von vielen Eltern, aber auch von Kolleginnen, die im Klinikum arbeiten. Die Zusammenarbeit sei wichtig, es müssten auch Geburten vom Geburtshaus ins Krankenhaus verlegt werden: „Wir könnten nicht die gute Geburtshilfe leisten, wenn wir nicht das Klinikum hätten, das uns auffängt.“

Schrittweise will sich Sabine Schmuck in den kommenden Jahren zurückziehen. Jetzt wird sie erst einmal einen längeren Urlaub machen. Dann werden Hofmann und Haase zusammen mit einer weiteren Hebamme die Geburten betreuen.

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