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Verkehr

15.01.2020

Unfälle im Ries: Sind Senioren am Steuer ein Risiko?

Immer wieder gibt es Autounfälle, die von Senioren verursacht werden. Im Alter lässt die Reaktionsfähigkeit nach, doch ältere Personen können ihre Fähigkeiten am Steuer bei Übungen der Verkehrswacht testen.
Bild: Matthias Becker (Symbol)

Plus Regelmäßig sind Senioren an Unfällen beteiligt. Wie viele Crashs die Gruppe der über 80-Jährigen verursacht hat und wie ältere Fahrer beim Training der Verkehrswacht abschneiden.

Ein 84-Jähriger hat einen Unfall in Alerheim verursacht. Er habe die Vorfahrt einer anderen Verkehrsteilnehmerin übersehen, so schildert es die Polizei. Ist das ein Einzelfall oder verursachen über 80-Jährige vermehrt Unfälle?

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Alle Statistiken dazu kommen bei Stephan Roßmanith von der Polizei Donauwörth zusammen. Die über 80-Jährigen haben im vergangenen Jahr 72 Unfälle im Landkreis verursacht, sagt er. 26 Unfälle hätten sich im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Nördlingen, 36 im Donauwörther Gebiet und zehn in dem der PI Rain ereignet. In der Gruppe der über 80-Jährigen gab es zudem 29 Personen, die als Geschädigte bei einem Unfall zu Schaden kamen.

Der älteste Fahrer war 95 Jahre alt. Er beschädigte einen Pkw am Parkplatz eines Supermarktes in Donauwörth und fuhr dann weg. 63 der Unfälle seien mit einem Pkw, einer mit einem Lkw und acht mit einem Fahrrad beziehungsweise Pedelec verursacht worden. Einen tödlichen Unfall gab es in Nördlingen, bei dem ein 81-Jähriger starb. Die anderen Unfälle verliefen relativ glimpflich, fünf Personen wurden schwer, 33 leicht verletzt.

Unfälle im Ries: Sind Senioren am Steuer ein Risiko?

„Keine besondere Schwerpunktgruppe“

Dass ältere Personen grundsätzlich häufiger Unfälle verursachen, kann Roßmanith aus den Daten nicht ablesen. „Wir können nicht behaupten, dass die über 80-Jährigen eine besondere Schwerpunktgruppe sind. Grundsätzlich ist es so, dass die Reaktion im Alter nachlässt. Das ist bei manchen vor dem Alter von 80 Jahren der Fall, bei anderen vielleicht später“, sagt Roßmanith.

Eines falle an den Unfallzahlen allerdings schon auf: 48 der Verkehrsunfälle ereigneten sich auf Gemeindestraßen. „Da passieren meist mehr Parkrempler, viele Senioren sind offenbar innerorts unterwegs und legen nicht mehr so viele Kilometer außerhalb zurück“, vermutet Roßmanith. Bemerkenswert aus seiner Sicht: Es habe keinen einzigen Unfall unter dem Einfluss von Alkohol oder anderen Drogen gegeben.

Vergleiche mit den Unfällen jüngerer Menschen seien schwierig, sagt der Polizist. Die 17- bis 23-Jährigen hätten im vergangenen Jahr 179 Unfälle verursacht. „Aber wir wissen nicht, wie viele Personen der jeweiligen Altersgruppe unterwegs sind.“ Vermutlich gebe es mehr jüngere Autofahrer und daher statistisch gesehen mehr Unfälle.

Trainingsprogramm für Senioren bei der Verkehrswacht Nördlingen

Heinrich Berger ist Geschäftsführer der Verkehrswacht Nördlingen. Die bietet ein Trainingsprogramm für Senioren an, in dem diese verschiedene Übungen absolvieren. Berger berichtet, dass die Senioren beispielsweise mit Verkehrskegeln eine Art Tunnel aufbauen und anschließend hindurchfahren müssen. So könne man sehen, wie Abstände eingeschätzt werden. Bei einer anderen Übung muss der Fahrer an einem Hindernis vorbeifahren und eine Vollbremsung ausführen. „Bei einigen ist die Reaktionsfähigkeit nicht mehr so wie bei Jungen. Ansonsten haben sie die Übungen wunderbar gemacht“, sagt Berger.

Zudem frage er die Senioren, was sie alles im Straßenverkehr erlebt hätten. Da könne jeder etwas sagen. Berger beurteilt dann, wie die Person reagiert hat. „Im Normalfall war das schon richtig“, schildert der Polizist. Fehler könnten alle Verkehrsteilnehmer machen.

Kritik am Fahrplan des Stadtbusses Nördlingen

Dass das Training auch bei den Senioren gut ankam, schildert Elisabeth Strauß, Vorsitzende des Seniorenbeirats Nördlingen: „Das hat viel Spaß gemacht, wir wollen das auch wiederholen.“ Die Senioren würden sich auch gegenseitig sagen, wenn einer von ihnen nicht mehr fahren sollte. Dafür organisiere man dann Alternativen: „Wir haben einen Abholdienst eingeführt, damit Senioren, die nicht mehr so gut oder gerne fahren, abgeholt werden. Ganz toll wäre es aber, wenn unser Stadtbus anders fahren würde.“ Am Samstag, wenn Markt sei, fahre der letzte Bus vor 12 Uhr aus der Stadt. Die Zeiten seien häufig unpraktisch und sollten überdacht werden.

In einigen Städten in Deutschland können Personen ab einem bestimmten Alter ein kostenfreies Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr bekommen – wenn sie ihren Führerschein abgeben. Im Landkreis Donau-Ries gibt es laut Landratsamtssprecherin Gabriele Hoidn kein solches Projekt und es sei auch keines angedacht. Man habe solche Projekte zwar beobachtet, in den Regionen sei die Resonanz für solche Angebote aber nicht groß genug gewesen.

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15.01.2020

in Ungarn können Senioren ab dem 65. Lebensjahr kostenlos die öffentlichen Verkhersmittel nutzen. Die Nationalität spielt dabei keine Rolle und ist auch nicht an Bedingungen geknüpft.

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