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Antisemitismus

27.01.2019

Charlotte Knobloch warnt vor wachsendem Antisemitismus

Hat erst kürzlich im Bayerischen Landtag einen AfD-Eklat erlebt: Charlotte Knobloch.
Bild: Peter Kneffel, dpa

Exklusiv Es vergeht kaum eine Woche, in der Juden in Deutschland nicht attackiert werden, sagt Charlotte Knobloch. Junge Familien zweifelten an ihrer Sicherheit.

Können Juden auch künftig sicher in Deutschland leben? Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, hat zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ein entschiedeneres Eintreten gegen den Antisemitismus gefordert: „Es vergeht kaum eine Woche, in der Juden in Deutschland nicht bedroht oder auch körperlich attackiert werden“, betonte die 86-Jährige in unserem "Interview am Montag".

Sie erlebe in ihren Gesprächen, dass ähnlich wie in Frankreich auch hier immer mehr Juden daran dächten, nach Israel auszuwandern. „Vor allem junge Familien kommen immer wieder zu mir und fragen mich, ob sie als Juden in Deutschland noch eine sichere Zukunft haben“, sagte Knobloch. Sie selbst versucht zwar, die Menschen zu überzeugen, dass Deutschland inzwischen eine gefestigte Demokratie sei, die mit dem Antisemitismus fertigwerden könne, wenn sie ihn entschlossen bekämpfe. Sie wisse aber nicht, ob sie als junge Jüdin heute hierbleiben würde, wenn sie kleine Kinder und einen Beruf hätte, mit dem sie auch in anderen Ländern ihr Leben leben könnte, sagte Knobloch. „Auch wenn der Antisemitismus nicht in Deutschland erfunden wurde: Dass er sich genau in dem Land so hartnäckig hält, das sich damals so schuldig gemacht hat, ist mir völlig unverständlich.“

Eine Umfrage in den EU-Staaten ergab, dass 90 Prozent der dort lebenden Juden eine wachsende Judenfeindlichkeit empfinden. In der Gesamtbevölkerung haben rund 36 Prozent dieses Gefühl. Auch Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas riefen anlässlich des Holocaust-Gedenktags zu einem entschlossenen Kampf auf. „Dieser Tag lässt uns daran erinnern, was Rassenwahn, Hass und Menschenfeindlichkeit anrichten können“, sagte Merkel. Maas wies in der Welt am Sonntag darauf hin, dass es schon bald keine Zeitzeugen mehr gebe, die vom Nazi-Unrecht berichten können. „Unsere Erinnerungskultur bröckelt“, warnte Maas. Umso gefährlicher sei das Unwissen gerade vieler junger Menschen in Deutschland über den Holocaust.

Spaenle: Antisemitismus nicht nur in rechtsradikalen Kreisen

Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle warnte im Gespräch mit unserer Redaktion davor, Antisemitismus nur als Phänomen rechtsradikaler Kreise zu deuten: „Mittlerweile wissen wir, dass nicht nur bei Rechtsextremen, sondern auch unter islamistischen Kreisen Antisemitismus weit verbreitet ist und dass auch linksextreme Kräfte mit ihrer Kritik an der Politik des Staates Israel antizionistische Positionen verkünden.“ Er plädiere für eine Kultur des Hinsehens. Dabei sei nicht allein der Staat gefragt. „Jede und jeder Einzelne ist gefordert, deutlich zu machen, dass Jüdinnen und Juden in Bayern und Deutschland ihre Heimat haben.“

Der CSU-Politiker fordert eine breite öffentliche Debatte gegen das Aufkeimen des Antisemitismus: „Das beginnt am Stammtisch und endet bei Begebenheiten am Arbeitsplatz, in der Schule, in Verkehrsmitteln und in Vereinen.“ Nach einer Reihe von Fällen antisemitischen Mobbings vor allem an Berliner Schulen werden in Bayern seit diesem Schuljahr Jugendliche in mehrtägigen Kursen zu sogenannten Wertebotschaftern ausgebildet.

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