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01.12.2020

Streit um die Skisaison: Österreich will Lifte öffnen, Bayern bleibt hart

Bayern will wie von der italienischen, der deutschen und französischen Regierung vorgeschlagen den Skitourismus bis Silvester verbieten – und Österreich mit in die Pflicht nehmen.
Bild: Hans Klaus Techt, dpa (Archiv)

Plus Zwischen Bayern und Österreich kriselt es. Grund ist die Skisaison. Österreich will Lifte öffnen, Bayern hart bleiben - und den Nachbar in die Pflicht nehmen.

Bayern und Österreicher galten bislang als gute Nachbarn – beim Skifahren allerdings hört die Freundschaft neuerdings auf. „Wir lassen uns sicher nicht von einem anderen Land vorschreiben, wann wir was öffnen“, betonte Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger am Dienstag. Ihre Regierung würde Deutschland ja auch nicht empfehlen, Schulen oder Friseurbetriebe zu schließen.

Bayern will Skifahren bis Silvester verbieten - Österreich mag nicht mitmachen

Bayern dagegen will wie von der italienischen, der deutschen und französischen Regierung vorgeschlagen den Skitourismus bis Silvester verbieten – und Österreich mit in die Pflicht nehmen.

„Es geht darum, Kontakte zu reduzieren und Mobilität zu reduzieren. Das kann vor dem Winterurlaub nicht haltmachen“, warnte Staatskanzleichef Florian Herrmann ( CSU). Auch wenn er gehört habe, dass Ratschläge nicht erwünscht seien, appelliere er an die österreichischen Nachbarn, sich das mit dem Öffnen der Skigebiete noch einmal zu überlegen, Deutschlands Beispiel zu folgen, 75 Prozent der ausfallenden Umsätze zu erstatten und Hotels und Seilbahnen noch geschlossen zu halten.

„Wir lassen uns sicher nicht von einem anderen Land vorschreiben, wann wir was öffnen“, betonte Österreichs Tourismusministerin Elisabeth Köstinger.
Bild: Simicek, afp

Tourismus-Experte: „Österreich ist auf Wintertourismus mehr angewiesen.“

Die Gastronomie bleibt zwar auch in Österreich zu, in Betrieb gehen sollen nach den Plänen der Regierung jetzt allerdings Seilbahnen und Lifte. Die Details der Regelung will Bundeskanzler Sebastian Kurz an diesem Mittwoch vorstellen. In der CSU argumentieren einige Abgeordnete inzwischen ähnlich: Er sei gegen ein pauschales Ski-Verbot, betonte der Tourismusexperte der Union, Paul Lehrieder, gegenüber unserer Redaktion.

In Regionen mit niedrigen Infektionszahlen könne das Skifahren mit Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen durchaus erlaubt werden – etwa indem in einem Doppelsessellift immer nur eine Person sitze oder Skifahrer wie an Flughäfen mit einem Schnelltest auf Corona getestet werden. „Auf der Piste passiert nichts“, betonte der Würzburger Bundestagsabgeordnete. „Sport an der frischen Luft stärkt das Immunsystem.“ Auch in Ischgl habe sich das Virus nicht auf der Piste verbreitet. Er verstehe daher die österreichische Regierung, wenn sie die Lifte öffne. „Österreich ist auf den Wintertourismus noch mehr angewiesen als Deutschland.“

Die Details der Regelung will Bundeskanzler Sebastian Kurz an diesem Mittwoch vorstellen
Bild: Herbert Neubauer, dpa

Im Allgäu stellt man sich auf einen Ansturm von Tagestouristen ein

Österreich ist nach Köstingers Worten dabei, das Land „nach einem wirklich starken Lockdown“ behutsam Schritt für Schritt wieder hochzufahren. Viele Leute wünschten sich nun einen Tapetenwechsel und wollten „rauskommen aus der Stadt“ und in den Bergen Skifahren. „Skipisten sind sicher“, betonte die Ministerin. An den Ein- und Ausstiegsbereichen der Seilbahnen gebe es eine Maskenpflicht, zudem müsse Abstand gehalten werden.

Bei der für den Tourismus im Allgäu zuständigen Allgäu GmbH geht man davon aus, dass Hotels, Gastronomie und Skigebiete noch bis 10. Januar geschlossen bleiben, das Weihnachtsgeschäft also komplett ausfällt. Alles andere sei unrealistisch, sagte Geschäftsführer Bernhard Joachim.

Im Allgäu stellt man sich jedoch auf einen Ansturm von Tagestouristen ein. Ähnlich wie im Sommer könne es zu Problemen kommen, beispielsweise durch wildes Parken in der Landschaft. Bergwacht und Alpenverein erwarten, dass die Zahl der Winterwanderer, Schneeschuh- und Tourengeher massiv zunehmen wird.

Das Problem: Viele Erholungssuchende, die sonst auf den gesicherten Pisten unterwegs sind, haben keine alpine Erfahrung und können die Lawinengefahr nicht beurteilen.

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