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Landkreis Augsburg

29.08.2020

Betreuung: Nur halb so viele Gäste in der Tagespflege

Die Corona-Pandemie hat die Tagespflegeeinrichtungen in der Region hart getroffen, aber auch die Besucher und deren Angehörige.
Bild: Matthias Becker (Symbol)

Plus Viele Betreuungseinrichtungen haben wegen Corona nur noch eingeschränkten Betrieb. Das macht sich auch in der Tagespflege bemerkbar.

Die Corona-Pandemie hat die Tagespflegeeinrichtungen in der Region hart getroffen, aber auch die Besucher und deren Angehörige. Bereits während der ersten Schließung wegen Covid-19 wurden viele der Gäste aus ihrer gewohnten Tagesroutine gerissen. Im schlimmsten Fall brach das bewährte Betreuungsschema zusammen. In der Regel haben die Tagespflegen zwar wieder ihren Betrieb aufgenommen, jedoch nur in einem eingeschränkten Maße. Von einer generellen Problemlösung sei man derzeit noch weit entfernt, lautet der einhellige Tenor auf Nachfrage.

Nach der Corona-Schließung hat die Ökumenische Sozialstation Gersthofen ihre Tagespflegen vor Ort und in Langweid seit Juni wieder geöffnet. Wie die derzeit 16 Einrichtungen im Landkreis Augsburg trägt sie zur Entlastung von pflegenden Angehörigen bei. Untertags werden die Gäste in den Einrichtungen liebevoll umsorgt. Ein interessantes und vielseitiges Beschäftigungsprogramm rundet das Angebot ab. Dadurch können die Angehörigen wieder Kräfte sammeln oder weiter ihrer Beschäftigung nachgehen.

So sieht der Normalfall aus. „Damit alle Hygieneregeln eingehalten werden können, ist derzeit nur eine Auslastung von 50 Prozent möglich“, informiert Geschäftsführer Bernhard Brosch von der Gersthofer Sozialstation. Um Defizite zu minimieren, hat die Einrichtung einen Teil der Tagespflege ins Haus der Pflegebedürftigen verlagert. „Damit haben wir für beide Seiten eine Win-win-Situation geschaffen“, so Brosch. Er verweist auf die durch Corona eingetretene Zwickmühle: „Einerseits haben wir den Anspruch und das Ziel zu helfen und zu unterstützen, andererseits müssen wir Regeln einhalten und sehen das Leid der betroffenen Angehörigen.“

Betreuung zu Hause ist kein vollwertiger Ersatz

Letztere seien über das Angebot zu Hause sehr dankbar gewesen. „Viele pflegende Angehörige sind während unserer Schließung an ihre Grenzen gelangt, vor allem wenn Demenzkranke zu betreuen sind.“ Die Betreuung zu Hause sei allerdings kein vollwertiger Ersatz, gesteht Brosch. Ähnlich reagiert hat die Häusliche Pflege Schell in Neusäß. „Wir haben ein erfahrenes Team zusammengestellt, um die Pflegebedürftigen in ihren eigenen vier Wänden zu unterstützen“, verdeutlicht Einrichtungsleiterin Yvonne Schell. Damit habe man die Angehörigen bei ihren Problemen nicht allein gelassen und zugleich die eigenen Arbeitsplätze erhalten.

Mittlerweile ist die Tagespflege unter Einhaltung eines ausgeklügelten Hygienekonzepts wöchentlich an drei Tagen geöffnet. Aber auch hier wurde die Platzzahl halbiert. Yvonne Schnell weist darauf hin, dass die Corona-Pandemie auch etwas Positives bewirkt habe: „Sie verdeutlicht, dass wir selbst in Krisenzeiten handlungsfähig sind.“ Ermöglicht haben dies der große Zusammenhalt und die hundertprozentige Verlässlichkeit des Personals.

Tagespflege der Sozialstation in Zusmarshausen ist geschlossen

Noch zu hat übrigens die Tagespflege der Sozialstation Augsburger Land West in Zusmarshausen. „Wir haben auf Anweisung unseres Dachverbands seit 23. März geschlossen“, erklärt Geschäftsführerin Martina Fischer auf Nachfrage. Nähere Auskünfte zum Warum und über das Thema selbst will sie aber keine erteilen. Seit rund sechs Wochen hat das St.-Martha-Heim der Sozialstation Meitingen geöffnet. In dieser Zeitspanne sei das umfangreiche Angebot der Tagespflege wieder langsam hochgefahren worden, teilt Pflegedienstleiterin Nina Reichert mit. Die vorübergehende Schließung der Tagespflege habe anfangs sowohl bei den Pflegebedürftigen als auch bei deren Angehörigen zu einer großen Enttäuschung geführt. Dies könne sie durchaus verstehen. „Die Lage der Betroffenen ist vergleichbar mit den Eltern, die ihr Kind nicht in den Kindergarten bringen können.“ Nur, dass beispielsweise Demenzerkrankte und körperlich Gebrechliche noch schwerer zu betreuen seien. „Mit der jetzigen Öffnung ist uns ein großer Stein vom Herzen gefallen.“ Ein Wermutstropfen bleibt dennoch. „Die Nachfrage nach Tagespflegeplätzen ist enorm groß“, macht Nina Reichert aufmerksam. „Wir haben eine lange Warteliste.“ Der Landkreis würde locker noch eine Einrichtung dieser Art benötigen, meint sie.

Eine zusätzliche Tagespflege in Fischach

Das hat auch Elisabeth Wilhelm-Jakob von der Tagespflege St. Gabriel der Sozialstation Schwabmünchen festgestellt. Ihre Einrichtung eröffnet deshalb ab November eine zusätzliche Tagespflege in Fischach mit zehn bis zwölf Plätzen. Schwabmünchen hat seit 11. Mai wieder offene Pforten. Der Normalbetrieb vor Corona sei dennoch nicht eingetreten. „Jeder zweite Platz ist frei“, betont sie. Das tue ihr besonders weh. „Nicht mehr alle, die früher da waren, finden jetzt eine Unterbringung.“

In diesem Zusammenhang ziehe sie den Hut vor den pflegenden Angehörigen: „Sie sind starke Menschen, die vieles meistern müssen. Manche müssen sogar die Pflege zu Hause komplett neu organisieren.“ Auch die Tagespflege St. Gabriel ist vom Regelbetrieb noch entfernt. Doch die derzeitige Situation werde unter den bestmöglichen Bedingungen bewältigt, versichert Elisabeth Wilhelm-Jakob.

Die Tagespflege hilft, Pflegebedürftigen den Tag in Gesellschaft zu ermöglichen. Sie entlastet tagsüber Pflegepersonen bei Berufstätigkeit oder Abwesenheit, entlastet die Familie oder hilft, wenn der Pflegebedürftige sich zu Hause unbeaufsichtigt selbst gefährden würde.

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