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Landkreis Augsburg
17.04.2021

Das waren die größten Firmenübernahmen in der Region

Die Firma Ritter in Schwabmünchen wird an einen amerikanischen Pharmazulieferer verkauft. 890 Millionen Euro zahlt der amerikanische Großkonzern Avantor.
Foto: Marcus Merk

Plus Der Schwabmünchner Kunststoffhersteller wird an einen US-Pharmazulieferer verkauft. Doch Ritter ist nicht die erste Firma, die Begehrlichkeiten weckt.

Die Verkaufssumme ist schwindelerregend: 890 Millionen Euro zahlt der amerikanische Pharmazulieferer Avantor für die Übernahme des Schwabmünchner Kunststoffspezialisten Ritter. In Schwabmünchen hatte niemand damit gerechnet, dass das Familienunternehmen mit seinen über 500 Mitarbeitern an einen internationalen Großkonzern geht. Doch damit ist Ritter nicht allein. Immer wieder hatten mittelständische Firmen aus der Region weltweit Interesse geweckt und den Eigentümer gewechselt – mal mit Erfolg, mal zum Leidwesen vieler Mitarbeiter.

Trevira in Bobingen erlebt Odyssee an Eigentümerwechseln

Einen der rasantesten Umbrüche erlebte der Bobinger Faserproduzent Trevira. Gebeutelt von der Wirtschaftskrise und der zunehmenden Konkurrenz in Asien durchlief das Unternehmen eine Odyssee aus Eigentümerwechseln. Nach der Zerschlagung der Hoechst AG in den 1990er-Jahren blieb Trevira als eines von vier Unternehmen auf dem Industriegelände in Bobingen übrig. Damals zählte das Werk noch rund 2500 Beschäftigte.

Der ehemalige Trevira-Turm war ein Symbol für die Entwicklung der Stadt Bobingen. Inzwischen wurde er abgerissen. Nach einer Odyssee an Eigentümerwechseln gehört der Faserproduzent heute einem indischen Großkonzern.
Foto: Karl Rosengart (Archivbild)

Zunächst übernahm ein indonesischer Geldgeber die Firma, später gehörte sie der Deutschen Bank, danach fiel Trevira an die indische Reliance-Gruppe. Vor zehn Jahren übernahm schließlich ein thailändisch-italienisches Konsortium den Faserproduzenten. Damit endete eine zweijährige Insolvenz und das Unternehmen schrieb wieder schwarze Zahlen.

Seit 2017 gehört die Bobinger Firma, die Fasern für Vliesstoffe, Heimtextilien und Bekleidung herstellt und zwei weitere Standorte in Deutschland betreibt, vollständig dem thailändischen Mutterkonzern. Die Belegschaft ist über die Jahre auf rund 450 Mitarbeiter geschrumpft.

Finnischer Großkonzern übernimmt Augsburger Papierfabrik Haindl

Die Pleite der Gersthofer Backbetriebe 2018 war wirtschaftlich ebenfalls ein harter Schlag für die Region. Über 300 Beschäftigte verloren ihren Job. Nur vier Jahre zuvor hatte die Münchner Serafin-Gruppe die Großbäckerei und das dazugehörige Lechbäck-Filialnetz übernommen – doch offenbar auf die falsche Strategie gesetzt.

Monatelang hatten die Beschäftigten der Gersthofer Backbetriebe und von Lechbäck demonstriert - am Ende vergeblich. 2018 ging der Betrieb pleite, nachdem er vier Jahre zuvor von der Serafin-Gruppe übernommen worden war.
Foto: Marcus Merk (Archivbild)

Während andere Bäckereien ihre Filialen ausbauten, warben die Backbetriebe mit niedrigen Preisen und erwirtschafteten den Hauptumsatz mit dem Verkauf von Backwaren an Großkunden wie Discounter und Supermärkte. An der Spitze der Serafin-Gruppe stand damals wie heute Philipp Haindl als Hauptgesellschafter – ein Spross der Augsburger Unternehmerfamilie Haindl, die einige Jahre zuvor ebenfalls für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Denn die Eigentümerfamilie verkaufte 2001 die Haindl’schen Papierfabriken an den finnischen Großkonzern UPM-Kymmene. Rund 3,6 Milliarden Euro bezahlte der Papierriese für das Augsburger Traditionsunternehmen, zu dem drei weitere Werke in Deutschland sowie Tochtergesellschaften in Österreich und den Niederlanden gehörten.

Den Grundstein für die Firma legte Georg Haindl, als er 1849 eine Papiermühle in Augsburg kaufte. Rund 150 Jahre später zählte die Haindl-Gruppe zu den größten europäischen Herstellern von Rollendruckpapier mit weltweit rund 4300 Arbeitsplätzen – allein 500 davon in Augsburg.

Papierfabrik in Ettringen fällt ebenfalls in finnische Hände

In einem spektakulären Verkauf fiel die Papierfabrik dann an das börsennotierte Unternehmen UPM. Die Übernahme sorgte für Wirbel in der Region, doch anders als befürchtet blieb ein Großteil der Stellen erhalten. Heute produzieren in Augsburg rund 300 Mitarbeiter bis zu 350.000 Tonnen Rollendruckpapier, das für Zeitschriften oder Werbeprospekte verwendet wird.

2011 übernahm der finnische Großkonzern UPM die Myllykoski-Gruppe für etwa 900 Millionen Euro – und damit auch die Papierfabrik Lang in Ettringen.
Foto: Carmen Schaumann (Archivbild)

Ähnlich erging es der Papierfabrik Lang in Ettringen im Landkreis Unterallgäu. Das Traditionsunternehmen wurde bereits 1987 von der finnischen Myllykoski-Gruppe, einem Konkurrenten von UPM, übernommen. Im Zuge der Finanzkrise geriet die Firma in finanzielle Schieflage – mit der Folge, dass knapp 80 der 550 Stellen abgebaut wurden. Doch bei diesem Einschnitt blieb es nicht.

2011 übernahm der finnische Papierriese UPM die Myllykoski-Gruppe für etwa 900 Millionen Euro – und damit auch die Papierfabrik Lang in Ettringen. Kurze Zeit später wurden zwei Papiermaschinen stillgelegt, etwa die Hälfte der Belegschaft verlor ihre Jobs. Heute arbeiten am Standort in Ettringen noch etwa 250 Mitarbeiter.

Chinesischer Konzern übernimmt 2016 den Roboterbauer Kuka

Für Aufsehen in der Region sorgte auch die Übernahme des Augsburger Roboterbauers Kuka durch den chinesischen Konzern Midea im Jahr 2016. Auch Siemens oder die schweizerisch-schwedische Firma ABB hatten sich interessiert, doch der Haushaltsgeräte-Riese aus China setzte sich durch. Seitdem wurde Kuka immer wieder umstrukturiert.

Zu Spitzenzeiten arbeiteten rund 4000 Menschen am Hauptsitz in Augsburg, derzeit sind es etwa 3500. Noch vor der Übernahme erlebten die rund 270 Kuka-Mitarbeiter in Gersthofen einen Umbruch. Sie zogen bereits Anfang 2016 in das neue Technologiezentrum in Augsburg-Lechhausen um, nachdem das Unternehmen die Zweigstelle in Gersthofen aufgegeben hatte. Den stadtbildprägenden Kuka-Turm erwarb die Augsburger Immobilienfirma Solidas, die die Gewerbeflächen im zehnstöckigen Hochhaus vermietet.

Mit Ausbruch der Corona-Krise ist Ritter rasant gewachsen

Mit dem Verkauf der Schwabmünchner Firma Ritter fällt nun ein weiteres Unternehmen aus der Region an einen internationalen Konzern. Der amerikanische Pharmazulieferer Avantor hatte die jüngste Entwicklung des Kunststoffspezialisten genau verfolgt. Denn der Erfolg hatte sich abgezeichnet: Mit Ausbruch der Corona-Krise war die Nachfrage nach medizinischen Plastikmaterialien wie Pipetten, Kartuschen und Flüssigkeiten-Spendern in die Höhe geschnellt.

Ritter stellte 200 neue Mitarbeiter ein und beschäftigt nun mehr als 500 Menschen. Zunächst hatten die Familienunternehmer Frank und Ralf Ritter nur einen Partner gesucht, um das weltweite Geschäft in der Medizin-Sparte auszubauen. Daraus wurde nun ein Verkauf in Millionen-Höhe.

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