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Bobingen

11.06.2019

Neues Baugebiet kann durchstarten

Der Bund Naturschutz fürchtet, dass das Baugebiet Point IV durch künftig steigende Hochwasserereignisse an Wertach und Singold gefährdet sein könnte. Das Bild zeigt die Wertach am Wehr and der Max-Fischer-Straße bei hohem Wasserstand vor zirka zwei Wochen.
Bild: Elmar Knöchel

Bobinger Bauausschuss drückt weiter aufs Gas. In der Sitzung vor den Pfingstferien wurde der Bebauungsplan beschlossen. Es gibt aber auch eine Ablehnung.

Die Stadt Bobingen wächst. Das lässt sich im Moment überall beobachten. Im Ort selber, wo an vielen Plätzen Baulücken geschlossen oder Altbestände abgerissen und durch moderne Mehrfamilienhäuser ersetzt werden. Im Baugebiet in der Siedlung, wo nun die Bagger der Häuslebauer anrollen können. Die Begrünung zum Abschluss wird gerade ausgeschrieben. Da folgt jetzt schon der nächste Streich.

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Der Bebauungsplan zum Baugebiet „Point IV“ an der Wertachstraße wurde beschlossen und die Verwaltung wurde beauftragt, diesen in Kraft zu setzen. Nachdem der Bauausschuss Kenntnis genommen hatte von den Stellungnahmen der sogenannten „Träger öffentlicher Belange“, wurde der Beschluss einstimmig gefasst. In diesen Stellungnahmen, von Behörden wie Landratsamt, Staatlichem Bauamt, Amt für Digitalisierung und noch einigen mehr, waren keine relevanten Bedenken geäußert worden. Es gab nur textliche Klar- und Richtigstellungen, die aber keine aufschiebende Wirkung entfalten. Auch umliegende Gemeinden, die von den Baumaßnahmen betroffen sein könnten, wie Königsbrunn und Oberottmarshausen hatten keine Einwände.

Bund Naturschutz lehnt das Baugebiet kategorisch ab

Anders sieht es in seiner Stellungnahme der Bund Naturschutz. Auf Antrag der Stadträtin Monika Müller-Weigand (Die Grünen) wurde diese Stellungnahme komplett verlesen. Die Bobinger Ortsgruppe des Bund Naturschutz lehnt in ihrer Stellungnahme das Neubaugebiet kategorisch ab. Unterzeichnet von Otmar Vellinger legen die Naturschützer dar, warum sie mit der Ausweisung dieses Baugebietes nicht einverstanden sind. Sie bemängeln den unnötigen Flächenverbrauch durch die Ausweisung von großen Grundstücken für den Neubau von Einfamilienhäusern. Dies sei aus ihrer Sicht die ineffizienteste Methode, der Wohnungsnot zu begegnen. Gleichzeitig würden zu viele landwirtschaftliche Flächen in dem Bereich zwischen bestehender Bebauung und Auwald verloren gehen. Der Bund Naturschutz empfiehlt daher, stärker auf Nachverdichtung und weitere Lückenschlüsse im inneren Ort zu setzen. Aufstockung von bestehenden Gebäuden und der Bau von Mehrfamilienhäusern seien die erfolgversprechendsten Maßnahmen. Auch würde das Wachstum im Nordwesten Bobingens zu erheblich mehr Verkehrsaufkommen führen. Weil es im westlichen Teil Bobingens keinerlei Einkaufsmöglichkeiten gebe, würde der Verkehr stark anwachsen. Ein weiterer gewichtiger Grund, auf dieses Baugebiet zu verzichten, sei aus Sicht des Bund Naturschutz, dass in diesem Bereich erhebliche Hochwassergefahr bestünde. Denn die Point liege nur 505 Meter über Normal Null und befände sich zusätzlich in einer natürlichen Flutmulde von Wertach und Singold. Da in Zukunft mit ansteigenden Hochwassern zu rechnen sei, steige auch die Überflutungsgefahr.

Bobingen hat diese Punkte wohlbedacht

Hierauf entgegnete Bürgermeister Bernd Müller, dass die Stadt bei ihrer Planung diese Punkte wohlbedacht hätte. Auch sei Bobingen in der Vergangenheit sehr restriktiv mit der Ausweisung von Bauland umgegangen. Vorrang hätten stets Baumaßnahmen im Innenbereich genossen. Doch der unaufhaltbar stark aufkommende Wohnungsmangel würde Bobingen nun zu diesen Ausweisungen am Ortsrand zwingen. Vor allem für junge Familien würden neue Wohnungen gebraucht. Diese zu schaffen, sei am besten in einem Gebiet am Ortsrand möglich. Gleichzeitig diene dies der Verbesserung der sozialen Strukturen im Ort, da man darauf angewiesen sei, eine gesunde soziale Durchmischung zu erhalten. Eine dichtere Bebauung mit Zwei- und Mehrfamilienhäusern hätte die Stadt gerne realisiert. Durch die Grundwassersituation wäre eine Unterkellerung von mehrgeschossigen Gebäuden allerdings nicht möglich. Somit wären auch keine Tiefgaragen möglich. Daher habe man sich zu einer lockeren Bebauung mit großzügiger Begrünung und möglichst geringer Flächenversiegelung entschieden. Auch auf eine gute Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei geachtet worden, so Müller. Weiterhin solle es eine durchgängige Verbindung zwischen Wertacher und Krumbacher Straße geben. Dann könne der Verkehr auch in diese Richtung abfließen. Zudem stellte Müller klar, dass das Bebauungsrecht für die Teile jener Flächen, die im Hochwassergebiet liegen, erst dann gelte, wenn durch geeignete Hochwasserschutzmaßnahmen diese Abschnitte als nicht mehr gefährdet eingestuft würden. Erst dann könne auch dort gebaut werden. Somit enthalte der Bebauungsplan durchaus eine Schutzfunktion für das Neubaugebiet. Da die Entwicklungspotenziale im Innenstadtbereich mittlerweile nahezu ausgeschöpft seien, könne der Wohnungsnot, insbesondere junger Familien, nur durch Ausweisung eines Neubaugebietes begegnet werden. Bei der abschließenden Abstimmung wurde der Bebauungsplan einstimmig abgesegnet.

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