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Corona-Krise

28.04.2020

Bald gilt: Es gibt Basketball light, aber zumindest live

Die Ulmer (orange) bleiben weiter am Ball. Für Hamburg dagegen ist die Saison zu Ende.
Bild: Horst Hörger

Für viele Sportfans gehen Spiele ohne Zuschauer gar nicht. Zumindest war das vor der Corona-Krise so. Das hat sich mittlerweile geändert.

Es gibt Menschen, die haben in Notlagen keinerlei Skrupel. Etwa dieser Sportsfreund aus einer Kleinstadt im Landkreis Neu-Ulm. Nennen wir ihn an dieser Stelle Gerhard. Als stolzer Besitzer eines Sky-Decoders hat er sich Mitte März das Geisterspiel zwischen Paris Saint-Germain und Dortmund angeschaut. Seine Erkenntnis an diesem Abend: "Sport ohne Zuschauer kannst doch in die Tonne kloppen."

Man muss dazu wissen, dass Gerhard in roter Bettwäsche schläft, dass unter seinem rot überzogenen Kopfkissen ein Autogramm von Hasan Salihamidzic liegt und dass er den Kader der Meistermannschaft des FC Bayern München von 1972 auswendig aufsagen kann. Vorwärts und rückwärts.

Wenn die eigene Mannschaft spielt, steigt die Spannung doch wieder

Unmut, ja geradezu Ekel bei Gerhard hat trotzdem weniger die Tatsache ausgelöst, dass Borussia Dortmund an diesem Spiel der Champions League beteiligt war. Sondern eben der leere Prinzenpark. Schwer zu sagen, ob sich bad vibrations bei Menschen wie Gerhard irgendwie gegenseitig verstärken, ob er das Spiel bei einer Mitwirkung seiner Bayern ähnlich widerwärtig gefunden hätte.

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Zugeschaut hat Gerhard jedenfalls an diesem Abend und er wird sicher auch zuschauen, wenn demnächst die Resterampe der Basketball-Bundesliga mit den Fragmenten ihrer Mannschaften so etwas Ähnliches wie einen deutschen Meister ausspielen sollte.

"Dann würde ich mir auch weißrussischen Fußball anschauen"

Zuschauen wird vermutlich auch Gerhards Bruder im Geiste, der dieser Tage gestand: "Wenn ich einen weißrussischen Sender empfangen könnte, dann würde ich mir auch weißrussischen Fußball anschauen."

Es wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein vielleicht sogar reichweitenstarker deutscher Sender finden, der bereit ist, Basketball zu übertragen. Denn es gibt viele Menschen wie Gerhard und seinen Bruder im Geiste, die nach irgendeiner Art von Sport in Echtzeit lechzen. Der Bruder im Geiste gab zu bedenken: "Das Finale der Champions League 2013 zwischen Borussia Dortmund und Bayern München war zwar eine geile Sache, aber noch zwölf Mal muss ich mir das nicht unbedingt reinziehen."

Die Basketball-Bundesliga konnte in der momentanen Situation nicht viel richtig machen mit ihrer Entscheidung, zehn Mannschaften unter Ausschluss der Öffentlichkeit drei Wochen lang ein Turnier austragen zu lassen. Aber sie macht auch nichts falsch. Es gibt Menschen, die schauen anderen Menschen beim Poker zu. Es werden mangels Alternativen ähnlich viele Menschen Basketball light, aber live sehen wollen. Menschen wie Gerhard und sein Bruder im Geiste. Alle anderen können sich ja wieder mal das Finale der Champions League von 2013 reinziehen. Paris gegen Dortmund gibt es sicher auch bald als Konserve.

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