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ERC Ingolstadt

19.02.2021

ERC-Profi Henriquez-Morales: Chili brennt auf mehr

Voller Einsatz: Enrico Henriquez-Morales gab gegen Augsburg alles, musste sich mit dem ERC Ingolstadt aber geschlagen geben.
Bild: Johannes Traub

Plus Corona hat Enrico Henriquez-Morales das Highlight seiner Karriere, aber auch einen schweren Start beim ERC Ingolstadt beschert. Über ein Talent, das sein Trainer kaum kennt.

Ohne Corona hätte Enrico Henriquez-Morales das Highlight seiner noch kurzen Karriere verpasst. Er wäre nie in einen Flieger nach Edmonton gestiegen, hätte nie gegen die besten, jungen Eishockeyspieler dieser Welt gespielt, dürfte sich jetzt nicht herausragender Sechster der U-20-Weltmeisterschaft nennen.

Weil das Virus aber selbst in den letzten Ecken verschwitzter Kabinen wütet und sich drei Nachwuchstalente der deutschen Mannschaft infizierten, verbrachte Henriquez-Morales – eigentlich nur auf Abruf – die Silvesternacht 2020 in einem Fünf-Sterne-Hotel in Downtown Edmonton, spielte gegen Toptalente wie Bowen Byram (Kanada) oder Yaroslav Askarov (Russland), wurde herausragender Sechster mit der U20 im Eishockeymutterland.

Ansonsten aber macht Corona dem 19-Jährigen einen ziemlichen Strich durch die Rechnung. Am Donnerstag hat Henriquez-Morales gegen Augsburg seine zweite DEL-Partie absolviert. Es hätten schon mehr sein können.

ERC Ingolstadt: Corona bringt die Pläne durcheinander

Als sein Wechsel zum ERC Ingolstadt im April letzten Jahres publik wurde und die Leute glaubten, Covid-19 würde über den Sommer einfach vertrocknen, war der Plan einfach: „Freitag, Sonntag Rosenheim, dann Dienstag, Mittwoch Ingolstadt, dann Rosenheim“, skizziert der Deutsch-Chilene. „So wie es halt normal ist.“

Beim ERC-Kooperationspartner Rosenheim sollte der Stürmer Spielpraxis und Selbstvertrauen tanken, bei den Panthern sich langsam an das höhere Tempo in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gewöhnen. Förderlizenzspieler sind immer auch Pendler. Aber Pendeln und Pandemie? An den bayerischen Grenzen braucht es jetzt wieder Passierscheine, öffentliche Verkehrsmittel fahren nur eingeschränkt. Und deutsche Eishockeyspieler bremst das sogenannte „Vier-Tages-Protokoll“.

Zwei negative PCR-Tests innerhalb von vier Tagen braucht es, um von einem Team – einer sogenannten geschlossenen Bubble – ins andere wechseln zu können. Werden junge Spieler sonst oft ins kalte Wasser geworfen, wenn Not am Mann ist, sind jetzt nur Einsätze mit Vorlaufzeit möglich. „Es ist schon schwer. Du kannst dich nicht mit dem Team vermischen und bist etwas auf dich allein gestellt“, sagt Henriquez-Morales. „Es ist schade für die Entwicklung junger Spieler. Aber ich gebe da keinem die Schuld. Das ist leider wegen Corona so“, findet auch ERC-Sportdirektor Larry Mitchell.

ERC Ingolstadt: Das Debüt von Henriquez-Morales verschiebt sich

Als Henriquez-Morales am frühen Dienstagmorgen des 5. Januars nach seinem Kanada-Abenteuer wieder deutschen Boden betrat, sollte bald das nächste Highlight folgen: das DEL-Debüt. Vier Panther-Stürmer waren angeschlagen, Ende der Woche wartete Topteam München. Das Sturmtalent, das bei seiner Ankunft schon negativ getestet wurde, sollte am Dienstagabend also nicht in Rosenheim trainieren, um das Protokoll nicht zu durchbrechen. Am nächsten Tag sah Mitchell, wie im Vormittagstraining nun doch alle Ingolstädter Spieler auf dem Eis standen. Er rief beim Partnerverein an, Henriquez-Morales durfte den Mannschaftsbus des Oberligisten betreten, es ging nach Deggendorf, während in der Saturn-Arena Wojciech Stachowiak dann doch unter Schmerzen das Eis verließ. Sein Kaderplatz am Freitag gegen München blieb frei, der Einstand von Henriquez-Morales kam dann erst mit einer Woche Verspätung – eine blutige Nase nach dem ersten Wechsel für die Schanzer inklusive.

Aktuell aber hat der ERC verletzungstechnisch Planungssicherheit. Hans Detsch fehlt sechs Wochen mit einer Fingerverletzung. Stachowiak fällt noch mindestens zwei Wochen aus. So lange ist Platz für Henriquez-Morales. „Ich freue mich über jedes Spiel“, sagt der 1,73 Meter kleine, aber gallige Stürmer.

Trotz nur gut sechs Minuten Eiszeit zeigte er sich am Donnerstag frech und spritzig, auch wenn die Laufwege noch nicht immer stimmten. „Natürlich braucht man etwas, um reinzukommen. Aber das war kein Problem. Ich soll einfach spielen und Spaß haben. Das ist das Wichtigste“, fasst er seinen zweiten Einsatz zusammen, vor dem es noch eine kleine Systemauffrischung gab. Ingolstadt spielt ein eher unkonventionelles 1-3-1-System in der neutralen Zone, Rosenheim meist etwas passiver mit einem tiefen 1-2-2.

„Er hat Fähigkeiten auf den Schlittschuhen und mit den Händen, die nicht häufig sind in diesem Alter. Wenn er sich weiter so entwickelt, kann er eine feste Größe in Ingolstadt sein. Er weiß, wie wichtig es ist, dass er viel spielt, aber eben auch, dass er irgendwann den nächsten Schritt gehen muss“, sagt Tim Wohlgemuth über den zwei Jahre jüngeren Kollegen.

Henriquez-Morales hat einen langfristigen Vertrag in Ingolstadt. Sind seine aktuell 13 Tore und 15 Vorlagen in 18 Oberliga-Partien ein Zeichen der Unterforderung? El Chico oder Chili, wie er wegen der chilenischen Herkunft seines Vaters in Ingolstadt genannt wird, würde das so natürlich nie zugeben. Aber er sagt auch: „Ich merke schon, dass ich den nächsten Schritt machen muss, um aus der Oberliga rauszukommen. Mein persönliches Ziel ist, nächstes Jahr fest hier im Team zu sein.“

ERC Ingolstadt gastiert in Schwenningen

Dann könnte wohl auch Doug Shedden etwas mehr über den Jungen sagen. Nach der bitteren 2:3-Niederlage gegen Augsburg hatte der Panther-Coach sichtlich andere Sorgen als den kleinen Chili – was wiederum als Lob zu deuten ist: „Ich kenne ihn nicht so wirklich. Er war ja nur vier-, fünfmal hier. Aber er schlägt sich gut. Seine Reihe hat uns heute nicht wehgetan“, sagte Shedden, der vor allem über die Leistung der Formation um Louis-Marc Aubry, Petrus Palmu und Ryan Kuffner klagte. Einer dieser Kandidaten wird am Sonntag (19.30 Uhr) in Schwenningen wohl draußen sitzen, weil Frederik Storm seinen Fußbruch inzwischen auskuriert hat und somit ein Importspieler überzählig ist. Henriquez-Morales aber wird erst mal bleiben. Bis die Verletztenliste kürzer wird. Und das nächste Corona-Protokoll ruft.

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