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ERC Ingolstadt

20.02.2020

Patrick Köppchen im Interview: „Das war schon der absolute Wahnsinn“

Der Play-offs-MVP 2014 mit dem Meisterpokal: Patrick Köppchen feiert den Titel gemeinsam mit den Fans auf dem Ingolstädter Rathausbalkon.
Bild: Stefan Bösl

Plus Verteidiger Patrick Köppchen führte die Panther im Jahr 2014 als „MVP“ durch die Play-offs und letztlich auch zum Meistertitel. Am Sonntag beim „Legenden-Spiel“ trägt der 39-Jährige nochmals das ERC-Trikot

Wenn sich am Sonntag (15.30 Uhr) in der Saturn-Arena die ERC-Legenden und das sogenannte „Sternstunden-Team“ (Kader der beiden Mannschaften siehe unten) gegenüberstehen, darf ein Akteur freilich nicht fehlen: Patrick Köppchen (39)! Als die Panther im Jahr 2014 sensationell die deutsche Eishockey-Meisterschaft feierten, wurde der ehemalige National-Verteidiger aufgrund seiner überragenden Leistungen zum „MVP“ der Play-offs gekürt. Im Interview mit der Neuburger Rundschau spricht Köppchen über den "Wahnsinn Meisterschaft ERC Ingolstadt".

Hallo Herr Köppchen! Wo erwischen wir Sie denn gerade?

Köppchen: Ich bin gerade in Düsseldorf, wo augenblicklich noch mein Lebensmittelpunkt ist. Hier absolviere ich nach wie vor meine Reha und habe auch die ganzen Ärzte und – was noch viel wichtiger ist – meine Freunde um mich herum.

Patrick Köppchen im Interview: „Das war schon der absolute Wahnsinn“

Sie haben das Thema Ärzte und Reha gerade angesprochen. In Spiel sieben der Play-off-Serie 2019 gegen Augsburg haben Sie sich an der Schulter verletzt und mussten anschließend operiert werden. Wie geht es Ihnen heute gesundheitlich?

Köppchen: Nun, ich bin nach dieser schweren Schulterverletzung immer noch fleißig dabei, wieder richtig gesund zu werden. Dementsprechend stehen nach wie vor viele Physiotherapeuten- und Arzttermine auf dem Programm. Das Ganze dauert eben leider seine Zeit. Aus diesem Grund war ich auch nach diesem siebten Play-off-Match gegen Augsburg noch nicht wieder auf dem Eis.

Wie intensiv haben Sie das Geschehen im bisherigen DEL-Saisonverlauf verfolgt beziehungsweise wie schmerzhaft war und ist es, die Kollegen auf dem Eis zu sehen?

Köppchen: Ich muss zugeben, dass die ersten Partien schon sehr weh getan haben. Mittlerweile geht es aber. Wenn ich in Düsseldorf bin und die DEG ein Heimspiel hat, schaue ich mir das in der Regel auch an. Ich habe ja nach wie vor viele Freunde im Team – vor allem Alexander Barta! Aber auch abseits der Eisfläche treffen wir uns regelmäßig und tauschen uns aus. Dabei wird natürlich auch immer intensiv über Eishockey gesprochen.

Unabhängig davon, ob Sie nochmals auf das Eis zurückkehren: Haben Sie sich eigentlich schon entschieden, wie Ihre „Karriere nach der Karriere“ ausschaut? Werden Sie dem Eishockey-Sport erhalten bleiben oder schlagen Sie eine komplett andere Richtung ein?

Köppchen: Momentan bin ich in vielen verschiedenen Projekten verwickelt. Sicherlich werde ich mit dem Eishockey – schon alleine aufgrund meiner Vergangenheit – immer verbunden bleiben. Ob ich dann später mal irgendein Amt bekleiden beziehungsweise übernehmen werde, ist absolut offen. Aber wie bereits gesagt, Eishockey wird immer ein Teil meines Lebens bleiben, da es mir sehr viel gegeben hat.

Eine Ihrer großen Leidenschaften bereits zu Ingolstädter Zeiten war bekanntlich die Mode-Branche. Ist das auch eines der Projekte, das Sie angedeutet haben?

Köppchen: Ja, in diese Richtung geht es tatsächlich auch. Aber mehr möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verraten (lacht).

Kommen wir auf das „Legenden-Spiel“ am Sonntag in Ingolstadt zu sprechen. Zunächst einmal eine grundsätzliche Frage: Können Sie mit Ihrer nach wie vor angeschlagenen Schulter überhaupt auf’s Eis?

Köppchen: Nun, im Vorfeld wurde besprochen, dass dieses Spiel körperlos sein wird. Nachdem ich seit meiner Verletzung nicht mehr auf Schlittschuhen stand, werde ich es auf alle Fälle probieren und schauen, wie es sich anfühlt. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass die Jungs tatsächlich nicht die größten Bodychecks in diesem Match fahren werden. Den Rest bekomme ich dann schon hin.

Ein unvergesslicher Moment: Patrick Köppchen (links) bejubelt nach dem siebten Final-Spiel auf der Eisfläche in Köln mit Björn Barta (Mitte) und Derek Dinger (rechts) den Meistertitel.
Bild: Stefan Bösl


Wie groß ist Ihre Vorfreude auf diese Begegnung sowie das Wiedersehen mit den ehemaligen Teamkollegen?

Köppchen: Ich freue mich riesig! Um so näher dieses Ereignis rückt, umso aufgeregter werde ich. Wenn man so viele Jungs nach langer Zeit wiedertrifft, mit denen man einst die ’Murmel’ hochgehalten hat, dann ist das schon etwas Besonderes. An diesem Wochenende werden mit Sicherheit wieder so viele alte Geschichten ausgegraben, die man gemeinsam erlebt und zusammen durchgemacht hat. Letztlich wird es eine große Familien-Zusammenkunft.

Sie haben von 2013 bis 2017 das Trikot des ERC Ingolstadt getragen. Welche Momente und Erlebnisse gehen Ihnen spontan durch den Kopf, wenn Sie auf diese vier Jahre zurückblicken?

Köppchen: Nun, gleich die erste Saison mit den vielen Höhen und Tiefen, an deren Ende die Meisterschaft stand, war schon sehr prägend. Aber auch das zweite Jahr, als wir erneut ins Finale eingezogen sind, darf man nicht vergessen. Das war ebenfalls ein Riesen-Erlebnis! Auf der anderen Seite gibt es aber auch weniger schöne Erinnerungen. Dass wir in den beiden darauffolgenden Spielzeiten jeweils in den Pre-Play-offs rausgeflogen sind, gehört definitiv zu den bitteren Momenten. Aber letztlich überwiegen natürlich immer die positiven Dinge.

Einer der unvergesslichsten Momente dürfte sicherlich auch das siebte Spiel im Finale 2014 bei den Kölner Haien (2:0) sein, in dem die Panther die deutsche Meisterschaft unter Dach und Fach gebracht haben. Wie präsent ist dieses Ereignis noch bei Ihnen?

Köppchen: Jetzt, wo wir darüber reden, sehr präsent (lacht). Da gibt es unglaublich viele Szenen, die durch meinen Kopf schießen. Sei es die beiden Tore von „Gawi“ (Christoph Gawlik, Anm. d. Red.) und „Jonny“ (John Laliberte, Anm. d. Red.) oder auch die anschließenden Feierlichkeiten in der Kabine, als ich mir zusammen mit Derek Dinger eine Zigarre angezündet habe. Das sind Momente, die werden mich mein Leben lang begleiten und an die ich immer gerne zurückdenke.

Was hat die Meister-Mannschaft speziell in den Play-offs ausgezeichnet, nachdem es zuvor in der Hauptrunde – gelinde ausgedrückt – nicht wirklich rund gelaufen war?

Köppchen: Ich denke, dass sich mit dem Siegtreffer von „Schoppi“ (Benedikt Schopper, Anm. d. Red.) im dritten und entscheidenden Pre-Play-off-Spiel in Berlin eine echte Dynamik bei uns entwickelt hat. Ein großes Thema war natürlich auch der Zusammenhalt innerhalb des Teams. Nachdem wir in der Hauptrunde quasi durch die tiefste Scheiße gegangen sind, hat uns diese Erfahrung immens zusammengeschweißt. Rückblickend betrachtet, war das schon der absolute Wahnsinn.

Mit Timo Pielmeier, Christoph Gawlik, Patrick Hager, Thomas Greilinger und Ihnen verfügte das damalige Team über einen starken deutschen Kern. War dies das Fundament des großen Erfolges?

Köppchen: Ein starker deutscher Kern ist heutzutage unabdingbar, um erfolgreich zu sein. Auf der anderen Seite hatten wir aber auch unfassbar gute ausländische Mitspieler wie Tim Conboy, John Laliberte oder Tyler Bouck, der da war, als wir ihn brauchten. Ich möchte deshalb wirklich keinen einzigen Teamkollegen vergessen. Jeder hat einen großen Teil zur Meisterschaft beigetragen. Auch ein Ziga Jeglic, der erst während der Saison zur Mannschaft gestoßen ist. Was der dann mit Robert Sabolic auf dem Eis abgezogen hat, das war schon unglaublich. Sowohl unser starker deutscher Kern als auch unsere Import-Spieler sind in der entscheidenden Saisonphase als echte Einheit und eingeschworener Haufen aufgetreten. Dieser Zusammenhalt hat uns durch die gesamten Play-offs getragen.

Die Panther waren damals als Neuntplatzierter nach der Hauptrunde in die Play-offs gestartet. Denken Sie, dass eine derartige „Sensations-Meisterschaft“ auch heutzutage in der DEL noch möglich ist oder sind die beiden Top-Vereine aus München und Mannheim bereits zu weit enteilt?

Köppchen: Natürlich treten diese beiden Mannschaften schon sehr dominant auf. Dennoch möchte ich behaupten, dass im Sport grundsätzlich alles möglich ist. Auf die DEL bezogen ist es ja nicht so, dass bei den anderen Teams nur „Weiher-Spieler“ in den Kadern stehen. Ganz im Gegenteil. Jeder Klub hat tolle Akteure in seiner Mannschaft und versucht, sich jedes Jahr weiterzuentwickeln. Daher glaube ich schon, dass ein anderer Titelträger als Mannheim oder München durchaus möglich ist. Ich selbst bin dafür ja ein gutes Beispiel. Im Jahr 2010 hätte auch niemand gedacht, dass wir mit Hannover die Meisterschaft holen. Glücklicherweise war ich dann vier Spielzeiten später erneut zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Daher kann man einen Überraschungs-Meister auch heutzutage niemals ausschließen.

Lassen Sie uns abschließend nochmals einen Blick auf das Legenden-Spiel am Sonntag werfen. Auf was oder wen freuen Sie sich ganz besonders?

Köppchen: Ich freue mich einfach riesig darauf, alle Jungs wiederzusehen und zusammen eine schöne Zeit zu haben. Besonders herausheben kann ich diesbezüglich gar keine einzelne Person. Natürlich freue ich mich, mit Björn Barta, der ja einer meiner besten Freunde ist, nochmals gemeinsam auf dem Eis zu stehen und vielleicht den einen oder anderen Flip-Pass durch die Gegend zu schießen (lacht). Ansonsten ist es aber auch etwas Besonderes, mal wieder die Jungs aus Nordamerika zu sehen, mit denen man nicht mehr so regelmäßig in Kontakt steht, und gemeinsam – nach getaner Arbeit – ein Bierchen zu trinken.

Die Kader für das Legenden-Spiel:

ERC-Legenden-Team

Tor: Ian Gordon, Markus Janka

Abwehr: Patrick Köppchen, Jakub Ficenec, Michel Periard, Stephan Retzer, Tim Hambly, Brad Burym, Tim Conboy

Sturm: Tyler Bouck, John Laliberte, Robert Sabolic, Jean-Francois Boucher, Michael Waginger, Björn Barta, Joe Motzko, Sven Zywitza, Markus Welz

Trainer: Ignaz Berndaner, Peppi Heiß

Sternstunden-Team

Tor: Sebastian Elwing, Sven Klockner

Abwehr: Andreas Renz, Michael Bresagk, Martin Ancicka, Danny Pyka, Jan Schinköthe, Bernd Wagner, Jürgen Simon

Sturm: Michael Wolf, Jochen Hecht, Sven Felski, Thomas Martinec, Michael Endraß, Markus Ziesche, Sebastian Kottmair, Markus Pflügl, Martin Schnittger, Thorsten Rau, Daniel Lenz, Florian Zeller

Trainer: Nico Pyka, Marten Pielmeier


Panther gastieren am Freitag bei RedBull München

Kollektives Aufatmen gab es am Mittwochabend in der Saturn-Arena nach dem hart erkämpften 2:1-Erfolg des ERC Ingolstadt gegen die Kölner Haie, die damit bereits ihre 16. (!) Niederlage hintereinander kassierten. Mit diesem wichtigen Sieg verkürzten die Panther ihren Rückstand auf den Tabellensechsten aus Bremerhaven auf drei Punkte. Am Freitagabend (19.30 Uhr) steht den Schützlingen von Cheftrainer Doug Shedden freilich eine deutlich schwierigere Aufgabe bevor, wenn es zum souveränen Spitzenreiter RedBull München geht. Weiterhin verzichten müssen die Panther auf den verletzten Angreifer Jerry D’Amigo und Verteidiger Simon Schütz.

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