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Champions League

02.05.2018

Handspiel von Marcelo? Bayern hinterfragen lieber sich selbst

Seine Aktionen waren am Ende spielentscheidend: Reals Marcelo hat ein Tor erzielt und eine Flanke mit der Hand abgewehrt.
Bild: Gabriel Bouys, AFP

Im Champions-League-Halbfinale spielten Real Madrid und der FC Bayern entfesselt aufeinander los. Real gewann - auch dank einer Schiedsrichter-Fehlentscheidung.

Als hätte der Stadion-DJ beschwören wollen, was da noch folgen sollte, schickte er vor der Partie schon mal die komplette Ladung Rock-Klassiker durch die Arena-Boxen. Van Halen, AC/DC, Guns n’ Roses. Musik aus einer Zeit, in der Rocky und sein jeweiliger Gegner sich kinobreitwändig die Visagen zurecht schlugen. Keine Girlanden, immer schön drauf. Musik aus einer Zeit, in der fußballerisch die Redensart geprägt wurde, die Mannschaften würden mit offenem Visier spielen. Hier lesen Sie einen ersten Spielbericht: Bayern scheitert erneut an Real

Teams bieten den Fans viel - am Ende auf Kosten des FCB

Und so taten der FC Bayern und Real Madrid wie ihnen gehießen. Visier runter und die Deckung gleich mit. Die Teams boten den Fans ein wunderbares Schauspiel - an deren Ende die Münchner auf die Bretter gingen. Es wird ein Rätsel bleiben, wie Thomas Müller schon kurz nach der Partie zu einer passenden Analyse fähig war. "Madrid hat extreme Probleme in den Halbräumen. Wir waren nach der Führung zu passiv. Wir waren klarer als in München. Wie im Hinspiel haben wir ein Tor weggeschenkt." Bayern-Torwart Ulreich wurde dabei zum Pechvogel: Er erlebte den unglücklichsten Augenblick seiner Karriere.

Alles richtig und doch kann eine sachliche Auseinandersetzung dieses Spiel nur in Teilen beschreiben. Nicht die Taktik ließ Sven Ulreich folgenschwer patzen. Ebenso war es sicher nicht der Plan, dass plötzlich Niklas Süle am rechten Flügel auftaucht, um das 2:2 durch James vorzubereiten. Das Spiel trieb irre Volten. Wann immer sich eine Mannschaft eines Vorteils sicher sein konnte, schlug die andere zurück.

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Real "leidet" sich ins Champions League Finale

Man habe "viel leiden müssen", sagte Zinédine Zidane nach der Partie. So viel wie noch nie? "Ja." So aber sei es am schönsten, ins Finale zu kommen. Wenn Spieler und Trainer alles investieren müssen. Am Ende litten freilich die Münchner Spieler mehr als ihre Gegner. Sie fühlten sich um den Lohn ihrer Mühen gebracht. "Wir waren überlegen, wir waren besser und wir hatten Chancen ohne Ende. Aber das bringt uns leider  gerade gar nichts", so Mats Hummels. Auch ihm bot sich kurz vor dem Ende noch die Möglichkeit zum Siegtreffer. Seine Kernkompetenz liegt aber nun mal im Verhindern von Toren. Das tat er im Verbund mit dem sagenhaft präsenten Süle ausgezeichnet.

Die Gegentreffer entstanden an anderer Stelle. Vor dem ersten ließ Joshua Kimmich seinen Gegenspieler Marcelo ohne größere Gegenwehr flanken und David Alaba streckte schon vor dem Kopfballduell mit Karim Benzema die Waffen. Nummer zwei wird noch einige Jahre im kollektiven Gedächtnis bleiben. Während also Madrid vergleichsweise simpel zu seinen Erfolgserlebnissen kam, mussten sich die Münchner ihre Möglichkeiten hart erarbeiten. Auch das sei ein Grund, dass Robert Lewandowski erneut ohne Torerfolg blieb, so Heynckes. Der Stürmer sei viel unterwegs, arbeite in der Defensive mit und so fehle es manchmal im Abschluss die letzte Konzentration. Ein Schicksal, das der Angreifer an diesem Dienstag mit Cristiano Ronaldo teilte, der den Ball aus wenigen Metern viele Meter übers Tor schoss.

FC Bayern will nicht über den Schiedsrichter sprechen

Zur Analyse gehört auch, dass die Partie um eine weitere Wendung reicher gewesen wäre, falls Schiedsrichter Cüneyt Cakir kurz vor der Pause den Bayern einen durchaus vertretbaren Elfmeter zugesprochen hätte. Marcelo hatte eine Flanke Kimmichs mit der Hand abgewehrt. Doch anders als noch im Vorjahr, stellten die Münchner diesmal den Unparteiischen nicht in den Mittelpunkt ihres Haderns. Sprach damals Karl-Heinz Rummenigge noch von "Beschiss", nahmen die Bayern diesmal den ausbleibenden Pfiff recht emotionslos zur Kenntnis. Natürlich sei das ein Elfmeter, sagte Heynckes. "Aber wir müssen ganz klar sehen, dass wir Geschenke verteilt haben beim Hinspiel in München und hier beim 2:1 kurz nach der Pause. Dann müssen wir nicht über den Schiedsrichter reden."

Also redeten die Bayern über sich selbst. Dass man sich die Frage stellen müsse, warum derart wichtige Spiele so oft ein unglückliches Ende für sie nähmen, sinnierte Müller. Wenn schon die "beste Leistung der vergangenen Jahre" (Heynckes) nicht reicht, können die Gedanken düster werden. Das Gute im Sport allerdings ist: Die vergangene Chance, ist meist nicht die letzte.

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