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FC Ingolstadt

09.10.2020

FCI-Spieler Marc Stendera im Interview: „Ich will wieder Spaß am Fußball haben“

Prominenter Neuzugang: Marc Stendera (vorne) hat 78 Bundesliga- und vier Europa-League-Spiele mit Eintracht Frankfurt in seiner Vita stehen. Seit dieser Saison läuft er für den FC Ingolstadt auf.
Bild: Roland Geier

Plus Marc Stendera ist der prominenteste Neuzugang beim FC Ingolstadt. Er spricht über schwierige Jahre, die Gründe für seinen Wechsel, seinen Fitnesszustand und die Ziele mit den Schanzern.

Marc Stendera, Sie haben als gebürtiger Hesse zunächst ein Jahr in Hannover im Norden gespielt und sind seit einigen Wochen erstmals in Bayern aktiv. Haben Sie sich bereits akklimatisiert?

Marc Stendera: Nein, dafür hat bisher einfach die Zeit gefehlt. Ich habe noch Nachholbedarf, weil ich lange nicht gespielt habe. Daher liegt mein Fokus auf dem Training, weshalb ich noch nicht viel von Ingolstadt gesehen habe.

Sie haben von einem sportlichen Neuanfang gesprochen. Was hat den Ausschlag für einen Wechsel zum FC Ingolstadt gegeben?

Stendera: Ich habe mir viele Gedanken gemacht, was ich überhaupt möchte und worauf ich Lust habe und bin zum Entschluss gekommen, wieder Spaß am Fußball haben zu wollen. Einfach mit Freude zum Training zu gehen statt mit schlechter Laune, die ich teilweise in den vergangenen Jahren hatte. Überzeugt haben mich letztendlich ein Gespräch mit dem Trainer und das Konzept des Vereins. Die Anlage und die Professionalität beim FC Ingolstadt sind bundesligatauglich. Ja, sogar viel besser als bei dem ein oder anderen Bundesligisten.

Hat es Sie nicht gestört, dass Sie in die 3. Liga wechseln?

Stendera: Auch in der 3. Liga wird Fußball gespielt. Die letzten Zehn der 2. Liga und die ersten Zehn der 3. Liga nehmen sich von der Qualität ohnehin nicht viel. Ich bin mit dem Ziel hierhergekommen, den Jungs zu helfen, das bestmögliche rauszuholen und zu schauen, dass Ingolstadt nicht mehr allzu lange in der 3. Liga spielt.

Sie sind bei Eintracht Frankfurt bereits mit 17 Jahren Bundesligaspieler geworden. Kam das alles für Sie im Nachhinein betrachtet vielleicht etwas zu früh?

Stendera: Nein, zu früh kam das alles nicht. Ich hatte danach leider viel Pech mit Verletzungen, was ich mir nicht ausgesucht habe. Im Fußball kann es dann schnell gehen, wenn du ein Jahr draußen bist. Es kommen neue Spieler, beim Verein läuft es gut. Dann ist es schwierig, sich wieder ranzukämpfen. Daher liefen die vergangenen Jahre für mich sicherlich nicht optimal und so, wie ich mir das vorgestellt habe. Aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. Letztlich muss man die Situation annehmen und das Beste daraus machen.

Sie haben die Verletzungen angesprochen. Wie sind Sie mit den zwei Kreuzbandrissen umgegangen?

Stendera: Das waren schwierige Zeiten, weil es für einen Fußballer nichts Schlimmeres gibt, als so lange raus zu sein. Mir blieb nichts anderes übrig, als nach vorne zu schauen und alles dafür zu geben, wieder gesund Fußball spielen zu können. Das war die einzige Option, die ich im Kopf hatte. Ich bin aber niemand, der irgendetwas hinterher trauert. Jetzt bin ich gesund, das ist das Wichtigste.

Sie sind erst 24 Jahre alt und haben einiges erlebt. War der Einzug ins Europa-League-Halbfinale mit Eintracht Frankfurt, als Sie viermal zum Einsatz kamen und unter anderem beim 1:0-Sieg bei Inter Mailand im Viertelfinale 17 Minuten auf dem Feld standen, das bisherige Highlight Ihrer Karriere?

Stendera: Natürlich sind das Dinge, die man nicht vergisst. Es waren einzigartige Momente und schöne Gefühle. Gerade deswegen mache ich mir keinen Kopf, jetzt in der 3. Liga zu spielen. Ich weiß, was ich kann und will die Zeit hier nutzen, um auf ein Niveau zu kommen, das mich wieder voranbringt.

Bisher haben Sie zwei Kurzeinsätze für den FCI absolviert. Was fehlt Ihnen noch, um länger oder sogar von Anfang an zu spielen?

Stendera: Es fehlt immer etwas, wenn man lange keine Spielpraxis hatte und erst spät ins Training bei seinem neuen Verein eingestiegen ist. Generell bin ich sehr zufrieden damit, wie ich mich im Moment fühle. Wenn der Trainer das Gefühl hat, mich reinzuwerfen, bin ich nicht abgeneigt und bereit dafür. Aber jede Woche, in der ich trainieren und aufholen kann, tut mir auch gut.

Von Ihnen stammt die Aussage: „Das Sprinten ist nicht meine Stärke, aber der liebe Gott hat mir andere Fähigkeiten gegeben.“ Auf welche dürfen sich die FCI-Fans denn freuen?

Stendera: Ich habe gerne den Ball und will Mitspieler einsetzen, am besten mit direkten Vorlagen zu Toren. Ich will das Spiel in die Hand nehmen, habe zudem auch eine kämpferische Leidenschaft und gehe gerne in Zweikämpfe. Daher sehe ich mich als eine Mischung aus Achter und Sechser, der für die Offensive zuständig ist und in der Defensive hilft. Was ich versprechen kann, ist, in jedem Spiel 100 Prozent zu geben und das Beste rauszuholen.

Welche persönlichen Ziele und welche mit der Mannschaft haben Sie sich für diese Saison gesetzt?

Stendera: Mein persönliches Ziel ist, so viele Spiele zu machen wie möglich und gute Leistungen zu zeigen. Ich will jede Woche bereit sein und zeigen, dass ich keinen Rückschritt gemacht habe und wieder weiter nach oben will, gemeinsam mit den Jungs. Mit der Mannschaft wollen wir jedes Spiel so bestreiten, dass wir die drei Punkte bei uns in Ingolstadt lassen.

Das Ziel Aufstieg wollen Sie nicht in den Mund nehmen?

Stendera: Das bringt ja in dieser frühen Phase nichts. Die Realität ist, am Wochenende Spiele zu gewinnen. Wenn wir das nicht machen, können wir nicht aufsteigen. Wenn ja, werden wir erfolgreich sein. Falls wir auf den Platz bekommen, was in der Mannschaft steckt, werden wir jedenfalls deutlich öfter die drei Punkte holen, als dass wir als Verlierer vom Platz gehen.

Der FC Ingolstadt war nach der dramatisch verlorenen Relegation gegen den 1. FC Nürnberg im Schockzustand. Ist das der Mannschaft noch anzumerken?

Stendera: Ich merke davon nichts. Wenn sich ein Fußballer von Ereignissen, die in der Vergangenheit geschehen sind, runterkriegen lässt, brauchen wir alle nicht mehr zu spielen. Wir alle haben Dinge erlebt und Chancen vertan. Die Gedanken daran bringen einen nicht weiter, man muss nach vorne schauen. Wie gesagt, ich spüre nichts von der vergangenen Saison, sondern nur den unbedingten Willen, es diese Saison noch besser zu machen.

Zur Person Marc Stendera

Marc Stendera (24) wurde in Kassel geboren und wechselte mit 14 Jahren zu Eintracht Frankfurt. Für die Hessen absolvierte er 78 Bundesligaspiele und lief viermal in der Europa League auf. Nach einer Saison bei Zweitligist Hannover 96 (17 Einsätze) wechselte Stendera, der über 30 U-Länderspiele für Deutschland bestritten hat, vor der laufenden Saison zum FC Ingolstadt.


Zum Spiel Viktoria Köln - FC Ingolstadt

FC Ingolstadt Während bei Stefan Kutschke die Zeit für die Partie bei Viktoria Köln (Sonntag, 14 Uhr) knapp wird, hofft Trainer Tomas Oral auf die Rückkehr von Dennis Eckert Ayensa in den Kader. Fehlen wird der Finne Ilmari Niskanen, der für seine Nationalmannschaft im Einsatz ist.

Viktoria Köln Oral erwartet, dass die Kölner, die sich im Sommer verstärkt haben, oben mitspielen werden. Nach drei Spielen hat die Mannschaft von Trainer Pavel Dotchev vier Punkte auf dem Konto.


Mögliche Aufstellungen

Viktoria Köln Mielitz – Gottschling, Rossmann, Hajrovic, Holthaus – Klefisch, Klingenburg – Holzweiler, Wunderlich, Cueto – Bunjaku.

FC Ingolstadt Buntic – Heinloth, Paulsen, Schröck, Franke – Krauße, Gaus – Bilbija, Beister, Elva – Kaya (Butler).



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