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FC Ingolstadt

15.12.2019

Michael Henke: „Das Derby elektrisiert die Leute“

Früher Co-Trainer, jetzt Sportdirektor beim FC Ingolstadt: Michael Henke hofft, dass die Schanzer im bayerischen Derby gegen 1860 München zum zehnten Mal in Folge ungeschlagen bleiben.
Bild: Roland Geier

Plus Sportdirektor Michael Henke zieht vor dem Spiel des FC Ingolstadt gegen 1860 München einen Vergleich zwischen den Vereinen. Ungern erinnert er sich an ein Derby aus seiner Bayern-Zeit.

Michael Henke, welche Erinnerungen haben Sie an den 27. November 1999, als 1860 München den FC Bayern München, bei dem Sie Co-Trainer waren, mit 1:0 besiegte und den ersten Derbysieg nach 22 Jahren feierte?

Henke: Wir haben leider durch ein Tor von Thomas Riedl unglücklich verloren. Welche Dimension dieses Derby Rot gegen Blau in München hat, wurde uns danach deutlich aufgezeigt. Obwohl wir eigentlich erfolgreich waren und in dieser Saison deutscher Meister wurden, ist gefühlt die Welt zusammengebrochen und die Fans sind durchgedreht. Beim Training wurden Plakate aufgehängt mit der Aufschrift „Wir sind Bayern und ihr nicht“. Auch das Rückspiel in dieser Saison haben wir dann verloren. Zum Glück aber haben wir die meisten Derbys in meiner Bayern-Zeit gewonnen.

Am Montag treffen Sie als Sportdirektor des FCI auf Sechzig. Welchen Stellenwert hat dieses Duell in Ingolstadt?

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Henke: Es ist ein bayerisches Derby und elektrisiert die Leute. Wir freuen uns darauf, auch wenn im Stadion wohl zwei Drittel für Sechzig sein werden. Es ist ein Flutlichtspiel, das Stadion wird voll sein, die Stimmung toll.

Ist die Enttäuschung groß, dass 1860 in der Region nach wie vor eine wichtigere Rolle einnimmt als der FCI?

Henke: Nein, überhaupt nicht. Wir sind Realisten und wissen das einzuschätzen. Allein von der Tradition können wir uns mit 1860 nicht vergleichen und dieses Potenzial werden wir auch lange nicht entwickeln können. Dennoch sind wir zufrieden mit der Entwicklung beim FC Ingolstadt. Trotz der Enttäuschung über den Abstieg ist unsere Fanbasis gewachsen. Es geht bei uns nur nicht in 10.000er, sondern in 1000er-Schritten. Früher kamen in der 3. Liga zwischen 3000 und 4000 Zuschauer, jetzt liegen wir im Schnitt bei über 6000.

Wie sehen Sie die sportliche Entwicklung bei 1860 München?

Henke: In den vergangenen Jahren wurde sicherlich viel Porzellan im Verein zerschlagen. Aber 1860 ist in die 3. Liga zurückgekehrt und hat sich trotz der ständigen Unruhe im Verein stabilisiert. Die Mannschaft ist strukturiert, hat einen klaren Plan und ist seit fünf Spielen ungeschlagen. Der neue Trainer Michael Köllner hat nun bereits drei Partien, absolviert, Sechzig ist gefährlich. Für uns gilt es, wie vergangene Woche beim 2:0-Erfolg in Magdeburg auch, einen Konkurrenten auszubremsen.

Der FC Ingolstadt ist sogar seit neun Spielen ungeschlagen. Was zeichnet das Team derzeit aus?

Henke: Die Mannschaft hat aus Fehlern gelernt und hat eine Entwicklung genommen, was ein großer Verdienst des Trainerteams ist. Die Mannschaft zeichnet trotz des Konkurrenzgedankens eine überragende Gemeinschaft aus, alle ziehen an einem Strang. Auch ein Systemwechsel wie beim Sieg in Magdeburg hat funktioniert. Nun muss die Entwicklung weitergehen, zu viel Euphorie bringt uns nichts. Denn Stillstand ist nicht gut, dafür ist die 3. Liga zu eng.

Was zeichnet Trainer Jeff Saibene aus?

Henke: Jeff hat eine sehr gute Menschen- und Mannschaftsführung, macht sich viele Gedanken über Fußball. Er hat einen guten Draht zu den Spielern, mit ihm können sie über alles reden. Jeff ist kein Angsthase, im Gegenteil, er ist mutig und behält auch in schwierigeren Phasen die Ruhe. Eine weitere Stärke ist, dass er seine Ideen von Fußball schnell in die Mannschaft gebracht hat.

Im Sommer mussten Sie gemeinsam mit Florian Zehe in kurzer Zeit einen Trainer finden und die Mannschaft zusammenstellen. Würden Sie den Umbruch vor dem letzten Hinrundenspiel als gelungen bezeichnen?

Henke: Um ein Fazit zu ziehen, ist es zu früh. Nur wenn wir am Ende der Saison den gewünschten Erfolg erreichen, lässt sich sagen, dass der Umbruch gelungen ist. Aktuell sind wir auf dem richtigen Weg und konnten Dinge umsetzen, die wir uns vorgenommen haben. Der Kader wurde verschlankt, wir haben junge Spieler eingesetzt, der Trainer passt zur Mannschaft. Stand jetzt ist der Umbruch also gelungen.

Was ist der gewünschte Erfolg? Der Aufstieg?

Henke: Nein, den Aufstieg haben wir nicht als Ziel ausgegeben und machen das auch jetzt nicht. Wir hatten im Sommer eine neue, schwierige Situation. Nun werden wir schauen, was rauskommt und es damit abgleichen, was möglich gewesen wäre. Ein Ziel muss sich aus der Mannschaft heraus entwickeln. Die Spieler müssen hungrig sein, dies jede Woche nachweisen, jedes Spiel gewinnen wollen. Wenn sie Zweiter sind, müssen sie es auch bleiben wollen.

Die 3. Liga ist ein schwieriges Pflaster. Würde der Druck, aufzusteigen, nicht von Jahr zu Jahr steigen?

Henke: Zunächst einmal ist die 3. Liga eine geile Liga, die sich vor den Namen und den Stadien von der 2. Liga nicht zu verstecken braucht. Aber der FC Ingolstadt ist ein Zweitligaklub. Die Stadt und der Standort gehören in die 2. Liga, davon bin ich fest überzeugt. Daraus leite ich das ab, nicht aus finanziellen Nöten. Es ist jedoch nicht gesund, wenn man zu lange 3. Liga spielt. Allein bei den Fernsehgeldern ist der Einbruch massiv.

Sind im Winter Veränderungen im Kader geplant?

Henke: Sicher ist, dass wir nicht viel machen werden, vielleicht auch gar nichts. Wir stehen das ganze Jahr mit unserer Scouting-Abteilung im intensiven Austausch und müssen genau überlegen, was wir machen können und was wir lieber sein lassen. Grundsätzlich sind wir sehr zufrieden mit dem Kader. Wir müssen auch abwarten, ob uns ein Spieler mit weniger Einsatzzeiten verlassen will und wie wir dann darauf reagieren.

Zum Abschluss zu Ihnen persönlich: Sie sind seit Sommer Sportdirektor, waren zuvor viele Jahre Co-Trainer. Können Sie sich den Bürojob auf längere Sicht vorstellen?

Henke: Fakt ist, dass ich einen Drei-Jahres-Vertrag habe und eine Aufgabe angefangen habe, die noch lange nicht beendet ist. In der Regel mache ich Sachen zu Ende, die ich begonnen habe. Momentan gefällt mir die Konstellation sehr gut, die Arbeit macht Spaß. Ob ich irgendwann noch einmal einen Trainerjob mache, kann ich aktuell nicht sagen.

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