Newsticker

Länder wollen an Weihnachten und Silvester Treffen von bis zu zehn Personen erlauben
  1. Startseite
  2. Lokales (Wertingen)
  3. Elektrisch unterwegs – ein erstes Zwischenfazit

E-Mobilität

21.11.2017

Elektrisch unterwegs – ein erstes Zwischenfazit

Nach der Fahrt von Augsburg nach Dillingen hat das Auto am Montag noch 30 Prozent Akku. Beim Start waren es 90 Prozent. Die Heizung blieb während der Fahrt aus.
3 Bilder
Nach der Fahrt von Augsburg nach Dillingen hat das Auto am Montag noch 30 Prozent Akku. Beim Start waren es 90 Prozent. Die Heizung blieb während der Fahrt aus.
Bild: Stadler

Seit Freitag testet unsere Redaktion ein Elektroauto. Die bisherigen Fahrten liefern bereits erste Erkenntnisse

Rund 120 Kilometer habe ich mit dem Elektroauto bisher zurückgelegt. Nach der Fahrt von der Übergabe in Lauingen zur Redaktion waren es die Strecke nach Augsburg und zurück sowie eine kurze Fahrt in Augsburg zur nächsten Ladestation. Zeit für die ersten Erkenntnisse im Test unserer Zeitung.

Das Auto fährt fast geräuschlos. Mein erster Ausflug mit dem Leihwagen führt mich zur Ladesäule hinter dem Landratsamt in Dillingen. Dort, in der Regens-Wagner-Straße, steht die Säule der Donau-Stadtwerke Dillingen-Lauingen. Ich komme um 13 Uhr an. Ein ungünstiger Zeitpunkt, denn gerade ist Schulschluss. Die Kinder strömen aus dem Schulgebäude, ihr Weg führt vorbei an der Ladesäule. Und ich fahre ein lautloses Auto. Von innen höre ich gar nichts, und die Kinder, die sich unterhalten, scheinen keine Notiz von mir zu nehmen. Einer der beiden Ladeparkplätze ist belegt. Nachdem ich vorwärts eingeparkt habe, stelle ich fest, dass mein Tankdeckel zu weit entfernt von der Station ist. Das Kabel reicht nicht aus, ich muss wenden und rückwärts einparken. Der Schulkinderstrom reißt nicht ab. Ganz vorsichtig drehe ich den Wagen, schaue mich dabei pausenlos um, um sicherzugehen, dass nicht doch ein Kind in den Weg läuft. Und denke mir: So schlecht ist es gar nicht, wenn Passanten ein fahrendes Auto hören. Vielleicht löst sich das Problem von selbst, wenn einmal so viele Elektroautos unterwegs sind, dass Fußgänger wissen, dass Autos nicht zwangsläufig Geräusche machen. Und als Autofahrer sollte man sich natürlich ohnehin gut umschauen.

Das Fahrgefühl ist fantastisch. Ein Elektromotor kommt ohne Gänge aus. Wie bei einem klassischen Automatikauto mit Verbrennungsmotor gibt es demnach kein Kupplungspedal. Der Wagen fährt unglaublich ruhig. Nicht nur geräuscharm, sondern nahezu ohne jede Erschütterung. Auf der B2 summt der Elektromotor etwas lauter als bei geringerer Geschwindigkeit auf der Landstraße. Um das festzustellen, muss man aber schon das Radio ausschalten.

Die Beschleunigung ist hervorragend, das fällt besonders an der Ampel auf. Und beim Überholen von Lkw, etwa auf der Staatsstraße2033. Da ist auch der sogenannte Kick-down praktisch. Bevor das Gaspedal komplett durchgedrückt ist, spürt man einen leichten Widerstand. Drückt man das Pedal dann weiter durch, beschleunigt das Auto noch einmal stärker. Der Smart zeigt allerdings an, wie stark der Akku beansprucht wird. Während die Nadel beim normalen Fahren auf der Landstraße bei etwa 50 Prozent ruht und beim Beschleunigen auf 75 Prozent ansteigt, schnellt sie, wenn der Kick-down betätigt wird, auf 100 Prozent. Lange sollte man also nicht derart beschleunigen, denn das kostet Reichweite.

Die Reichweite ist gering. Für meine Pendlerstrecke von etwas mehr als 50 Kilometern reicht der Akku. Bei den aktuellen Temperaturen ist die Kapazität aber nicht ausreichend, um mit einer Ladung hin- und zurückzufahren. Die Kälte setzt dem Akku zu, zusätzlich fressen Licht und Heizung Strom. In anderen E-Autos sind deutlich größere Akkus verbaut als im elektrischen Smart. Demnach ist bei diesen Autos auch die Reichweite deutlich größer. Im Handbuch des Smarts heißt es, er schaffe mit einer Ladung 145 Kilometer. Mag sein, dass das bei rigoros sparsamem Fahren im Sommer, ohne Klimaanlage, Radio und Licht, zu erreichen ist. Aktuell aber nicht. Für die erste Fahrt von Dillingen nach Augsburg benötige ich 70 Prozent der Akkuladung. Allein bis nach Wertingen sinkt die Anzeige von 100 auf 80 Prozent. Die Heizung steht auf der niedrigsten Stufe. Radio und Licht sind an. Bei der Rückfahrt am Montag benötige ich 60 Prozent der Ladung – dieses Mal verzichte ich auf die Heizung.

Ursprünglich hatte ich vor, eine längere Strecke mit dem Wagen zurückzulegen. Am Freitagabend wollte ich damit nach München fahren. Doch ich komme relativ schnell zu dem Ergebnis: Das wird nichts. Auch, weil es an der A8 kein besonders gutes Ladenetz gibt. Ich könnte das Auto in Gersthofen laden. Aber von dort aus sind es noch fast 80 Kilometer. Und was, wenn es einen Stau gibt? Ich entscheide mich dafür, das Auto in Augsburg abzustellen. Nach München gibt es schließlich eine gute Zugverbindung.

DiePreise fürs Laden sind extrem unterschiedlich. In Dillingen lade ich umsonst. Bisher habe ich den Smart zwei Mal im Landkreis angeschlossen, an der von der Redaktion aus nächsten Säule. Die gehört den Donau-Stadtwerken Dillingen-Lauingen, aktuell ist das Laden dort kostenlos. In Augsburg habe ich das Auto nun einmal an einer öffentlichen Station geladen. In diesem Fall von der LEW. Die bietet Abos an, für einen einmaligen Betrag kann man dann so viel laden, wie man möchte – allerdings nur an Säulen, die zum Innogy-Verband gehören. Ein ähnliches Angebot gibt es von den Augsburger Stadtwerken. Nachdem ich das Auto nur kurzfristig fahre, zahle ich aber für jede Ladung einzeln über das Smartphone – per Paypal oder Kreditkarte. Um am Montag in die Redaktion zu fahren, lade ich das Auto dreienhalb Stunden, von knapp unter 30 auf 90 Prozent. Ich zahle fast 15 Euro. Mit dem getankten Strom komme ich nur gute 50 Kilometer weit.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren