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Wertingen

22.01.2019

Mit Linedance lebt eine Wertingerin den Spaß am Tanzen

Die 56-jährige Karolina Dippel aus Wertingen hat den Linedance im Landkreis Dillingen populär gemacht. Nachdem ihr Leben an einem seidenen Faden hing, hat sie sich erinnert, wie viel Spaß ihr das Tanzen schon immer gemacht hat.
Bild: privat/Dippel

Karolina Dippel aus Wertingen baute nicht nur zwei Gruppen im Landkreis Dillingen auf. Sie machte den Tanz in der Gegend erst richtig bekannt. Jetzt entdeckte sie ein neues Hobby. Was das alles mit ihrem eigenen Leben zu tun hat.

Frauen und Männer, mit und ohne Cowboyhüten, karierten Hemden, Jeans und Lederstiefeln – was sie tragen ist zweitrangig. Was sie tanzen, möglichst identisch. Und das Ziel? „Spaß haben!“ Karolina Dippel weiß, wovon sie spricht. Vor elf Jahren hat sie mehr oder weniger zufällig den Linedance entdeckt. Seitdem hat er sich nicht nur in Zentren wie Berlin ausgebreitet, sondern auch in ihrer Heimat Wertingen und dem ganzen Landkreis Dillingen. „Man kann schon sagen, ich war die Anschubserin“, sagt sie lachend. In Wertingen und Schwenningen leitet die 56-Jährige seit vielen Jahren Linedance-Gruppen und organisiert Events. Das nächste steht am kommenden Samstag in Laugna an. Ab 20 Uhr spielt dort im Bürgersaal die „Why not band“ aus Augsburg. Sowohl Linedance- wie Country-Fans sind eingeladen.

Von Gottmannshofen nach Laugna

Und davon gibt es in der Gegend scheinbar immer mehr. Jahrelang hatte die Tanzveranstaltung im Gasthaus Stark stattgefunden. Heuer ziehen die Country-Fans nach Laugna um, um mehr Platz zu haben. Ob dem so sein wird, sei allerdings dahingestellt. Denn mit dem größeren Raum hatte Karolina Dippel sofort mehr Anmeldungen. 140 standen Ende vergangener Woche bereits auf ihrer Liste. „Eigentlich sind wir damit voll“, sagt die 56-Jährige, versichert aber gleichzeitig: „Wenn noch ein paar spontan kommen, ist das nicht so schlimm.“ Mit Sitzplätzen ist es an dem Abend nämlich keineswegs getan. Die Besucher brauchen vor allem Platz zum Tanzen. „Lieber eng sitzen, dafür gescheit tanzen“, heiße das Motto der Linedancer. Je nach Lied kann es sein, dass sich alle gleichzeitig auf der Tanzfläche wiederfinden und prompt auch das Gleiche tanzen. Beim Linedance sei das nämlich so: „Zu jedem Lied gibt es genau eine Choreografie.“ Die wird auf einer weltweiten Plattform im Internet eingegeben, geprüft und dann eingestellt. Zehn Stück stammen mittlerweile auch von der 56-Jährigen aus dem Wertinger Stadtteil Gottmannshofen.

Wenn sie ein Lied hört, das ihr gefällt, geht sie ins Internet und schaut, ob’s darauf schon eine Choreografie gibt. „Das Lied geht mir dann nicht mehr aus dem Kopf, meine Füße fangen wie von alleine an, Schritte zu tanzen, und irgendwann beginn ich aufzuschreiben.“ Zuhause im Esszimmer rollt sie jede Woche meist nicht nur einmal flink den Teppich zur Seite, lässt Country-Musik laufen und tanzt los. Solange, bis ein Stück fließt. Das ist das Schöne für sie: „Linedance kann ich auch ganz alleine tanzen.“ Aus Mangel an einem Tanzpartner – „mein Mann tanzt nicht“ – hatte sie viele Jahre aufs Tanzen verzichtet. Heute teilen sie sich das Hobby: „Er lässt mich gehen und ich tanze“, scherzt sie.

Karolina Dippel stieß auf den Linedance zu einer Zeit, da sie offen dafür war. Die Jahre davor hatte sie mehrere schwere Bauchoperationen zu überstehen. Dadurch begann sie, ihr Leben neu wahrzunehmen. „Vieles war plötzlich nicht mehr wichtig“, sagt sie. „Und meine Prioritäten setze ich seitdem auf das, was mir wirklich Spaß macht.“ Dazu gehörte und gehört für sie eindeutig der Linedance. Übers Internet brachte sie sich einen Schritt und Tanz nach dem anderen selbst bei. Kaum saß einer, interessierte sie der nächste.

Gruppen in Wertingen und Schwenningen

Die Hohenreichener Gruppe hatte sich bald nach ihrem Eintritt aufgelöst. Zu viert gründeten sie in Wertingen eine Linedance-Gruppe, die „Jumping Boots“. Aus den Anfangszeiten ist noch eine außer ihr übrig geblieben. 16 Frauen tanzen heute mindestens einmal wöchentlich gemeinsam – die jüngste 42, die älteste gut 60 Jahre alt. Zusätzlich aufnehmen können sie derzeit niemand, der Raum zum Üben lasse keine Erweiterung zu.

Noch Platz gibt es dagegen in Schwenningen, wo derzeit zwölf Frauen und zwei Männer regelmäßig tanzen. Eine private Freundesgruppe hatte die „Jumping Boots“ vor knapp acht Jahren auf der Goldbergalm tanzen gesehen und gefragt, wo man das lernen könne. „Na bei mir“, antwortete Karolina Dippel damals flapsig. Nach einem Probetraining, dachte sie, würde sich schon jemand finden, der sie weitertrainiert. Sie hatte sich getäuscht. Die Gruppe ist ihr bis heute geblieben.

Linedance auf dem Volksfest (Tanzen für die Kartei der Not), ein Flashmob auf dem Stadtfest ( Alle glücklich, alle friedlich), öffentliche Tanzveranstaltungen und zum Linedance-Weltrekordversuch nach St. Anton ( Weltrekord verpasst und dennoch glücklich ) – immer wieder fasziniert Karolina Dippel die Vielfalt, die der Linedance bieten kann, seien es die Aktionen oder die verschiedenen Choreografien. „Zeitweise“, sagt sie rückblickend, „habe ich versucht, meine Ängste mit dem Tanzen zuzudecken.“ Mittlerweile hat sie sich eingependelt. Den Spaß und das fetzige Tanzen liebt sie immer noch, gleichzeitig genießt sie auch ruhigere Momente. „Heute höre ich bei einer Country-Veranstaltung gerne zwischendurch bei einem Lied zu“, reflektiert sie. Und wenn die Why-not-Band „57 Chevrolet“ anspielt, greift Karolina Dippel regelmäßig zum Mikrofon und singt voller Freude auf der Bühne mit.

Vor zwei Jahren hatte das Leben ihr nochmals etwas aufgezeigt. Massive Schulter- und Rückenprobleme führten dazu, dass die gelernte Metzgereifachverkäuferin den Beruf, den sie seit 40 Jahren gut und gerne ausgeübt hatte, endgültig aufgeben musste. „Den Leuten ein gutes Stück Fleisch zu verkaufen, hat mir einfach Spaß gemacht, und wenn ich dabei auch noch ’schwierige Kunden’ knackte, umso mehr“, erzählt sie noch heute begeistert.

Erstmals Idogo im Landreis Dillingen

Auf einer Reha lernte sie vor zwei Jahren dann etwas ganz Neues kennen: Idogo – einfache Bewegungen mit einem Holzstab, die auf den Körper und die Psyche wirken. „Wenn du den Ablauf kennst, brauchst du nicht mehr denken und kannst komplett in die Entspannung kommen.“ Als sie zuhause weitere Übungen kennenlernen wollte, merkte sie, dass sie im Landkreis Dillingen nicht weiterkam. So machte sie kurzerhand selbst den Übungsleiterschein, bietet Stunden im Fitnesszentrum an und gibt demnächst einen Kurs bei der Volkshochschule Wertingen. Ob sie damit wohl erneut Vorreiterin im Landkreis Dillingen wird?

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