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Airbus Helicopters

16.10.2020

Deutschland-Chef Schoder: "Der City-Airbus steht nicht vor dem Aus"

Die Geschäftsführung steht auch in schwierigen Corona-Zeiten hinter dem City-Airbus-Projekt.
Bild: Airbus Helicopters

Plus Wolfgang Schoder, Deutschland-Chef von Airbus Helicopters, spricht offen über die zuletzt in Zweifel gezogene Zukunft des elektrischen Fluggeräts.

Wolfgang Schoder schüttelt den Kopf. Der Deutschland-Chef der Hubschrauber-Sparte von Airbus versteht nicht, wie zuletzt Gerüchte aufkommen konnten, das von Politikern auf Bundes- und Landesebene unterstützte Prestigeobjekt eines elektrisch angetriebenen City-Airbus stehe vor der Einstellung. In der FAZ  ist von einem „Projekt-Stopp“ die Rede und die Welt berichtet gar, dem futuristisch aussehenden, 2,2 Tonnen schweren Modell  mit den auffälligen vier Ringen über der Kabine drohe das Aus.

Das wäre ein herber Rückschlag für den großen Airbus-Luftfahrtstandort in Donauwörth mit gut 6000 Mitarbeitern. Dort werden solche Vehikel für Airbus federführend entwickelt und sollen einmal auch neben Hubschraubern und Türen sowie Toren für Airbus-Flugzeuge gebaut werden.

Schoder dementiert angebliches City-Airbus-Aus: "Wir fangen gerade erst richtig an"

Ein Ende des City-Airbus würde auch ein Tiefschlag für die Verantwortlichen in der Region Ingolstadt bedeuten, in der mit viel Aufwand und Geld der Einsatz solcher Fluggeräte erprobt werden soll. Vor allem aber käme eine Einstellung des Programms einer Ohrfeige für Politiker wie den ohnehin massiv unter Druck stehenden Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, aber auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gleich. Beide CSU-Männer haben sich wie ihre Parteikollegin Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitales, für das Zukunftsvorhaben „Made in Bavaria“ stark gemacht. Der politische Kollateralschaden wäre also immens, wenn der City-Airbus beerdigt würde.

Doch Schoder tritt solchen Spekulationen am Freitag im Gespräch mit unserer Redaktion vehement entgegen. Wie schon im Mai sagte er auf Anfrage erneut: „Wir rücken nicht von dem Programm ab. Das Thema genießt hohe Priorität im Konzern.“ So stehe Airbus-Chef Guillaume Faury voll hinter der Entwicklung solcher dank Elektroantrieb einmal emissionsfrei fliegender Drohnen. Der Deutschland-Chef von Airbus Helicopters ist überzeugt: „Wir fangen mit dem City-Airbus gerade erst richtig an.“ Wie berichtet, finden nach einer ersten Entwicklungsphase in Donauwörth nun weitere Flug-Tests in Manching bei Ingolstadt statt. Hier kann das Fluggerät umfangreicher als in Donauwörth erprobt werden.

Wolfgang Schoder (links im Bild neben Bruno Even) hält an der Entwicklung des City-Airbus fest.
Bild: Ulrich Wagner (Archiv)

Luft-Taxis sind ein heißes Thema: Konkurrierende Hersteller buhlen um Gunst der Politik

Dabei waren in Münchner Luftfahrtkreisen Gerüchte gestreut worden, dem massiv unter der Corona-Krise leidenden Airbus-Konzern gehe das Geld für das City-Airbus-Projekt aus. Dem widerspricht Schoder entschieden: „Die Finanzierung steht weiter. Wir haben einen hohen dreistelligen Millionenbetrag auf fünf Jahre fest eingeplant.“ Dabei sei offen, wie der vertikal startende und landende City-Airbus, der laut Branchenkennern nicht vor 2025 Passagiere befördern soll, einmal aussieht.

Es ist nicht entschieden, ob das Produkt nach einer langen weiteren Erprobungsphase dann immer noch wie das heutige Testmodell mit vier Ringen über der Kabine ausgelegt wird. Airbus hat nämlich in den USA eine zweite, „Vahana“ genannte Drohne erprobt, die eher wie eine Mischung aus einem kleinen Flugzeug und einem Hubschrauber wirkt. All die gewonnen Testergebnisse – ob beim Donauwörther City-Airbus mit einmal Platz für vier Insassen oder dem für einen Gast ausgelegten Vahana-Modell ­- sollen ausgewertet werden. Dann, so schildert es Schoder, werde der Konzern klären, mit welchen Angeboten er an Kunden herantritt. Am Ende ist alles möglich: Airbus könnte ein oder mehrere Drohnen-Typen verkaufen, also Angebote für Flüge innerhalb von urbanen Zentren und auch von Stadt zu Stadt machen.

Das Lufttaxi von Airbus soll einmal bis zu vier Menschen befördern. Zur Vorstellung in Ingolstadt kamen Digitalministerin Dorothee Bär und Verkehrsminister Andreas Scheuer.
15 Bilder
Lufttaxi in Ingolstadt vorgestellt - Bilder zum City Airbus
Bild: Luzia Grasser

Längst ist ein heftiger Wettbewerb um das beste Produkt ausgebrochen. Allein in Deutschland versuchen Anbieter wie die schon ziemlich weit scheinende Firma Volocopter aus dem badischen Bruchsal und Lilium, ein 2015 aus der Taufe gehobenes Start-up aus Weßling bei München, die Interessen auf sich zu ziehen. Lilium war auch bereits Gegenstand von allerlei, auch weniger wohlmeinender Berichte. So hatten Experten in der Fachzeitschrift Aerokurier zu Jahresanfang Zweifel  an der Machbarkeit des Flug-Projekts unter der Schlagzeile „Hoffnungsträger oder Hochstapler?“ geäußert. Später wurde von anderen Experten wieder versucht, derartige Bedenken zu zerstreuen. All das macht deutlich: Luft-Taxis sind ein heißes Thema – und das nicht nur für Investoren, die sich einmal das ganz große Geschäft erwarten. Hinter den Kulissen wird entsprechend auch mit allerlei PR-Manövern um die Aufmerksamkeits-Gunst von Politikern gebuhlt, auch um an Fördertöpfe ranzukommen. Da werden, wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben, Gerüchte über Konkurrenten gestreut.

Schoder betont: "Habe keinen Zweifel, dass der Demonstrator weiter entwickelt wird"

Airbus-Helicopters-Manager Schoder äußert sich zu alledem nicht, schon gar nicht über Konkurrenten. Er sagt nur: „Es ist gut, dass viele Firmen solche Vehikel entwickeln. Das nutzt der gesamten Branche.“ Dabei ist der City-Airbus bislang nur ein Demonstrator, also ein Fluggerät, an dem weitere Tests vorgenommen werden. Es handelt sich also noch lange nicht um einen Prototypen. Der Manager meint: „Vielleicht wird das Vehikel einmal von einer Batterie angetrieben, vielleicht auch von einer Brennstoffzelle.“ Airbus-Chef Faury ist bekanntermaßen ein großer Wasserstoff-Fan, der mit  Elan das „saubere Fliegen“ vorantreiben will. Hier soll der City-Airbus eine wichtige Rolle spielen.

Schoder betont dann noch einmal: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Demonstrator weiter entwickelt wird. Wir sind bisher sehr gut vorangekommen.“ Doch ist das Fluggerät mit 2,2 Tonnen, wobei allein die Batterien  650 Kilo wiegen, nicht zu schwer? Der Manager sagt dazu: „Wir haben bewusst kein kleineres Modell gebaut, sondern ein von der Größe her realistisches Fluggerät, in dem bis zu vier Menschen einschließlich des Piloten sitzen können.“ Natürlich arbeite das Unternehmen daran, den City-Airbus, gerade was die Batterien betrifft, weiter abzuspecken.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass noch nicht feststeht, wann genau Luft-Taxis einmal eingesetzt werden und wie sie aussehen. Fest steht aber: Sie sollen möglichst leise fliegen und keine Schadstoffe ausstoßen. Letztlich wird sich die Zahl der Anbieter sicher lichten, was auch manches aktuelle Gerangel hinter den Kulissen erklären mag.

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