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Natur

30.01.2019

Meeresmuscheln in der Schorner Röste

Der Spaziergang der Ortsgruppe Pöttmes des Bund Naturschutz führte durch Teile des Projektgebiets „Schorner Röste“, das der Donaumoos-Zweckverband renaturieren will. Ein gutes Dutzend interessierter Frauen und Männer nahm daran teil. Hier ein Blick auf den Pöttmeser Ortsteil Schorn von Nordosten her.
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Der Spaziergang der Ortsgruppe Pöttmes des Bund Naturschutz führte durch Teile des Projektgebiets „Schorner Röste“, das der Donaumoos-Zweckverband renaturieren will. Ein gutes Dutzend interessierter Frauen und Männer nahm daran teil. Hier ein Blick auf den Pöttmeser Ortsteil Schorn von Nordosten her.
Bild: Johann Eibl

Elisabeth Birkmeir vom Bund Naturschutz führt durch einen Teil des Gebiets nahe dem Pöttmeser Ortsteil, das der Donaumoos-Zweckverband renaturieren möchte. Welche Besonderheiten die Landschaft hier bereit hält

Es ist noch gar nicht so lange her, da wussten die wenigsten mit dem Begriff „Schorner Röste“ etwas anzufangen. Das hat sich geändert, seit bekannt wurde, dass Bestrebungen im Gange sind, ein Moosgebiet von über 300 Hektar nördlich von Pöttmes wiederzuvernässen und damit ökologische Fehler zu beheben, die vor rund 200 Jahren begangen wurden.

Betroffen wären neben Pöttmes auch die Gemeinden Ehekirchen und Königsmoos, beide im Nachbarlandkreis Neuburg-Schrobenhausen. Was unter der Schorner Röste zu verstehen ist, darüber informierte die Pöttmeser Ortsgruppe des Bundes Naturschutz (BN) bei ihrem ersten Sonntagsspaziergang in diesem Jahr.

Knappe zwei Stunden war ein gutes Dutzend interessierter Frauen und Männer auf einem Rundweg unterwegs, der am Schützenheim in Schorn startete und endete. Elisabeth Birkmeir, die mit Janine Baumer die Doppelspitze in der BN-Ortsgruppe bildet, lieferte an verschiedenen Stellen Informationen zu dieser Landschaft, die einen weiten Blick bis hinauf nach Vohburg erlaubt, und zu der umstrittenen Renaturierung, die derzeit angedacht, aber noch keineswegs beschlossen ist. Birkmeir, die zuhause in einem Demeter-Hof tätig ist, hat einen engen Bezug zu der Gegend: „Meine Schwiegermutter ist 87 Jahre alt, die hat noch Torf gestochen.“

In den Jahren 1981 und 1982 hat die Stadt München große Areale am nordwestlichen Rand des Landkreises Aichach-Friedberg erworben. Nun befindet sich der größte Teil der betroffenen Fläche im Besitz der bayerischen Landeshauptstadt. Lehne sie die Moor-Renaturierung ab, werde sie wohl nicht umgesetzt werden, sagte Birkmeir. Aus München war bisher zu hören, dass man den Plänen nur zustimmen wolle, wenn man dadurch keine Nachteile zu befürchten habe.

Es wurden bereits Untersuchungen darüber angestellt, wie viel Wasser woher kommt. An diesen Messstellen wird nun das Wasser beobachtet. Birkmeir betonte, dass es im Zusammenhang mit diesem Projekt zu keinen Enteignungen kommen könne. Es werde vielmehr angestrebt, Grundstücke im Tauschverfahren zu erwerben oder den Besitzern abzukaufen. Das hatte auch der Donaumoos-Zweckverband, der Projektträger ist, bei mehreren Versammlungen in der Marktgemeinde Pöttmes immer wieder betont (wir berichteten).

Während des Rundgangs waren einige interessante Details erfahren. So habe der heiße Sommer 2018 dazu geführt, dass das Moor reduziert wurde. Der Höhenzug, der den ersten Teil des Wegs bildete, ist von den Planungen ausgenommen, die drei Zonen umfasst:das Gebiet zwischen Schorn und Walda, den Bereich zwischen Schorn und Pöttmes sowie die Region östlich des Wegs von Schorn in Richtung Nordosten.

Die Gruppe kam vorbei an einem Schild, von dem aus man bei gutem Wetter die Türme von nicht weniger als 29 Kirchen sehen kann. Von dort aus ist außerdem nahezu der komplette Bereich des Gebiets zu sehen, das möglicherweise wiedervernässt werden soll.

Die Blicke schweiften über flaches Land, das in allen Richtungen mehr oder weniger viel Moor enthält. Bevor die Gruppe nach rechts abbog, kam sie an zwei Weiden auf der linken Seite vorbei. Die eine stammt offensichtlich aus dem Jahr 1870, an ihr nagt erkennbar der Zahn der Zeit.

Auf beiden Seiten des Wegs fühlt sich der Maulwurf ausgesprochen wohl, wie an den vielen Erdhaufen zu erkennen ist. Sollte die Renaturierung verwirklicht werden, geht dieses Tier in der Region schweren Zeiten entgegen, weil dann der Grundwasserpegel steigen würde. Danach gab’s eine Lektion in puncto Geologie. Eichstätt sei früher mal am Mittelmeer gelegen, hieß es da. Aus der Zeit von vor zwei Millionen Jahren stammten auch Meeresmuscheln, die man hier im Sand des Tertiärhügellands entdecken könne.

Weiter führte der Weg zum Moosbichl, einem Staatsforst auf Sandhügeln. Nicht fehlen durfte bei der Exkursion auch der Röstgraben, der dem Projektgebiet für die Renaturierung den Namen gegeben hat. Nun gab’s noch mal einen Schlenker zurück in eine Zeit, die an die 400 Jahre zurückliegt. Damals habe man hier Flachs und Hanf geröstet. Deutlich kam bei der Wanderung zum Ausdruck, dass Pufferzonen vorgesehen sind, falls die Pläne realisiert werden. Demnach bräuchten Anlieger und Landwirte keine Angst vor dem Wasser zu haben.

Auch der Donaumoos-Zweckverband betonte wiederholt, dass Siedlungen nicht beeinträchtigt würden, dass das Renaturierungsgebiet in zwei Talsenken liege. Dennoch war die Frage nach Schäden durch Wasser in Wohnhäusern und nach der Haftung eine der meistgestellten bei den bisherigen Versammlungen. Laut Zweckverband muss in einem Planfeststellungsverfahren belegt werden, dass die Renaturierung keine Nachteile für die Menschen hat. Nur dann werde sie genehmigt. Dazu würden etwa Gutachten zu den Folgen höherer Grundwasserstände erstellt.

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