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Kühbach

13.01.2020

Schicksale: Hier bekommen ausgesetzte Katzen eine neue Chance

Aufgepäppelt: Karli (links) und Kosmo (rechts) haben sich dank der Pflege von Sahra Scheffler wieder erholt und konnten an neue Besitzer vermittelt werden. Sie wurden vor einigen Monaten halb verhungert an der Landstraße von Kühbach nach Rapperzell (Gemeinde Schiltberg) gefunden.
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Aufgepäppelt: Karli (links) und Kosmo (rechts) haben sich dank der Pflege von Sahra Scheffler wieder erholt und konnten an neue Besitzer vermittelt werden. Sie wurden vor einigen Monaten halb verhungert an der Landstraße von Kühbach nach Rapperzell (Gemeinde Schiltberg) gefunden.
Bild: Sahra Scheffler

Plus Die Kühbacherin Sahra Scheffler leitet den Tierschutzverein Attis und päppelt halb verhungerte und kranke Tiere wieder auf. Was ihr dabei neue Kraft gibt.

Verängstigt kauern sie sich in ihrem Gehege zusammen. Einer blickt mit kranken und flehenden Augen in die Kamera, der andere wendet seinen Blick ab. Kosmo und Karli wurden vor einigen Monaten an der Landstraße zwischen Kühbach und dem Schiltberger Ortsteil Rapperzell gefunden. Sie wurden kurz nach der B300-Brücke am Straßenrand unter der Leitplanke ausgesetzt. Als sie entdeckt wurden, waren die etwa sechs Wochen alten Kätzchen halb verhungert, hatten Katzenschnupfen und waren von unzähligen Flöhen, Milben und Würmern befallen.

Derart hilfsbedürftige Katzen landen nicht selten bei Sahra Scheffler. Die 52-jährige Kühbacherin ist ehrenamtliche Vorsitzende des Tierschutzvereins Attis, der in ganz Schwaben aktiv ist. Wenn es um die aktive Betreuung der Tiere geht, ist Scheffler vor allem für den Raum Aichach und Dasing zuständig. Um etwa 300 Tiere hat sie sich im vergangenen Jahr gekümmert. Darunter waren auch 130 Katzen, die kastriert wurden. Unter den über 60 Fundtieren, die sie im Vorjahr bei sich aufgenommen hat, waren vor allem Katzen, aber auch 14 Hunde, zwei Schildkröten, zwei Nymphensittiche und drei Tauben. Bis auf die Tauben, die wieder in die Aichacher Taubenschläge entlassen wurden, wurden alle Fundtiere wieder abgeholt. Nur die Katzen holt nahezu keiner ab. Die meisten werden absichtlich ausgesetzt, vernachlässigt oder verstoßen.

Katze mit völlig verklebten Augen gefunden

So wie Holly, die im September auf der Hollenbacher Hauptstraße gefunden wurde. Weil ihre Augen durch den Katzenschnupfen total verklebt waren, konnte sie nichts sehen. Holly war damals etwa vier Wochen alt und hatte auch Probleme mit der Atmung, Durchfall und ebenfalls einige Parasiten. Sie musste einige Wochen gepflegt werden, hat dann aber eine liebe neue Familie gefunden.

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Geschichten wie diese sind es auch, die Sahra Scheffler Mut machen: „Der Augenblick, wenn ich die Katze bei ihrem neuen Besitzer abgebe und sehe, wie schön sie es zukünftig haben wird, gibt mir immer wieder neue Kraft.“ So war es auch bei der kleinen Kringel, die mit einer Wachstumsstörung geboren wurde. Das winzige getigerte Fellknäuel musste mit der Flasche aufgezogen werden und wiegt jetzt – dank ihrer neuen Familie – immerhin zwei Kilo.

Kringel, eine Katze mit Wachstumsstörungen war immer schon viel kleiner und leichter als ihre Geschwister und hat jetzt mit Müh und Not zwei Kilo erreicht.
Bild: Sahra Scheffler

Es gibt immer mehr Streunerkatzen

Warum brauchen so viele Katzen Hilfe? Wie die Kühbacherin erläutert, gibt es immer mehr Streunerkatzen. Diese paaren sich auch mit unkastrierten Hauskatzen und erzeugen neue Nachfahren. Schätzungen zufolge fristen über zwei Millionen Streunerkatzen in Deutschland ein Leben auf der Straße. Da diese unter der Witterung, Unterernährung und fehlender medizinischer Versorgung leiden, sind sie sehr anfällig für Krankheiten. Viele Städte und Gemeinden in Deutschland haben laut Scheffler bereits eine Kastrationspflicht für Katzen eingeführt, jedoch keine Kommune in Bayern. Die gesetzlichen Hürden dafür seien hier viel zu hoch, sagt sie. Attis fordert deshalb eine bundesweite Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für frei lebende Katzen und hat zu diesem Zweck über eine kürzlich abgeschlossene Online-Petition knapp 25000 Unterschriften gesammelt.

Ausgeschrieben bedeutet Attis Aktionsgemeinschaft der Tierversuchsgegner und Tierfreunde in Schwaben. Nach Angaben der Attis-Internetseite gehören dem Verein etwa 900 Mitglieder an. Der Verein finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Alle aktiven Mitglieder arbeiten ehrenamtlich. Im Raum Aichach und Dasing wird Sahra Scheffler von Herta Bernhard aus dem Friedberger Stadtteil Wulfertshausen unterstützt. Die beiden werden aber auch in anderen Orten tätig. Mit der Stadt Aichach und der VG Dasing hat Attis einen Vertrag geschlossen, wonach sich der Verein gegen einen Pauschalbetrag um alle dortigen Fundtiere kümmert.

Holly wurde nachts mit völlig verklebten Augen auf der Hollenbacher Hauptstraße entdeckt.
Bild: Sahra Scheffler

Der Januar ist Kastrationszeit

Doch das ist nur ein Teil der vielfältigen Aufgaben der Attis-Aktiven in Schwaben. Jetzt im Januar ist beispielsweise wieder Kastrationszeit: Dann werden Katzen von Höfen geholt, kastriert und wieder zurückgebracht, damit die Zahl der Streuner im Laufe der Zeit abnimmt.

Eigentlich ist Sahra Scheffler gelernte Verlagskauffrau und hat als Anwendungstechnikerin in einem Softwarehaus gearbeitet. Zur Zeit ist sie Hausfrau und widmet sich voll ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit. Für 2020 wünscht sie sich unter anderem, dass Tiere vor dem Gesetz nicht mehr als Sache behandelt werden und das Ende der Tierversuche. Von ihren Fundtieren ist ihr vor zwölf Jahren auch ein eigener Kater geblieben, der einäugige Timmi.

Den meisten Fundtieren kann letztendlich geholfen werden, aber leider nicht allen. Ein Happy End gab es zum Glück aber auch für Kosmo und Karli – auch sie haben ein schönes neues Zuhause gefunden.

Sahra Scheffler aus Kühbach ist ehrenamtliche Vorsitzende des Tierschutzvereins Attis. Sie hat im Jahr 2019 etwa 300 Tiere betreut.
Bild: Holger Weiß

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar: Kastration gegen Katzenelend

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