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Jagd

13.05.2015

Wo der Wittelsbacher Hirsch röhrt

Rotwild mit mächtigem Geweih wie auf diesem Bild gibt es im Wittelsbacher Land nicht. Hirsche  leben dennoch hier.
Bild: Symbolbild: Carsten Rehder, dpa, Picture alliance

Im nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg gibt es zwar kein Rotwild mit mächtigem Geweih – aber dennoch leben hier viele andere Hirsche. Wie das kommt und wer sich um die Tiere kümmert

Hirsche hier bei uns? Die gibt es wirklich. Im Wittelsbacher Land leben sogar jede Menge davon – und hier ist ausschließlich von Vierbeinern die Rede. Allein in den Wäldern rund um Pöttmes dürften an die 200 Hirsche unterwegs sein. Aber jetzt bloß keine falsche Vorstellung. Paul Berchtenbreiter vom Jagdschutz- und Jägerverein Aichach weist nämlich auf ein wichtiges Detail hin: „Das ist Damwild“, sagt er (siehe Infoartikel). Die majestätisch anmutenden Rothirsche, die zur Brunft durch den Wald röhren und mächtige, fünf Kilo schwere Geweihe mit 20 Enden mehr auf dem Kopf tragen, wurden im Landkreis zuletzt nicht in freier Wildbahn gesichtet. Sie sind hier auch nicht vorgesehen. Paul Berchtenbreiter sagt: „Wir sind hier kein Hirschgebiet.“ So ein richtiger Rothirsch ist beispielsweise in den Alpen daheim oder im Bayerischen Wald und an der Rhön. In der Region sind sie in der Regel erst in Revieren südlich der Autobahn A96 zu finden.

Wenn sich trotzdem ein Rotwild in eines der 109 Reviere der Kreisgruppe Aichach verirrt, darf das Tier abgeschossen werden, erklärt der Vorsitzende des Jagdschutz- und Jägervereins. Ganz optimale Lebensbedingungen würde ein Rothirsch im Wittelsbacher Land laut Franziskus Freiherr von Gumppenberg ohnehin nicht vorfinden. „Der Mensch hat die Lebensräume verkleinert“, erklärt der Vorsitzende des Damwild-Hegerings Pöttmes.

Das Rotwild brauche Rückzugsorte, große Waldgebiete, die an offene Flächen grenzen. „Das ist hier nicht mehr gegeben.“ Rothirsche seien die größte Hirschart und haben deshalb auch am meisten Hunger. In der Regel ziehen sie in Rudeln durch den Wald und hinterlassen dabei ihre Spuren. Der Verbiss ist auch ohne Rothirsche ein Thema bei Jägern, Förstern und Waldbesitzern in unserer Region. Nicht selten schält das Wild die Rinde von den Bäumen ab, wie Franziskus Freiherr von Gumppenberg berichtet. Das ist das Ende eines jeden Baumes.

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Der Vorsitzende des Damwild-Hegerings schätzt, dass der frei laufende Damhirsch vor etwa 30 bis 40 Jahren rund um Pöttmes wie am Gumppenberg und im Ebenrieder Forst angesiedelt wurde. Seither bemüht sich der Hegering, die Anzahl des Damwilds konstant bei etwa 200 Tieren zu halten oder den Bestand leicht zu vergrößern. Laut Abschussplan werden im Jahr etwa 65 Tiere erlegt. Jagdberater Dieter Büchler nannte bei der letzten Versammlung der Jäger Ende April konkrete Zahlen über die Abschusszahlen in den 109 Revieren. Beim Hochwild (hier Damwild) waren es insgesamt 58 Tiere, darunter 14 Hirsche und 22 Kälber. Das Unfallwild belief sich auf vier Stück. Im Pöttmeser Forst wurde zudem ein verendeter Hirsch gefunden. Zum Vergleich, die anderen Abschusszahlen: 2170 Rehe, davon 77 Stück, die bei Unfällen verendeten und 666 Wildschweine.

Wie viele Damhirsche im gesamten Wittelsbacher Land ihre Runden drehen, konnte die untere Jagdbehörde beim Landratsamt nicht sagen. Sie ist zuständig für jedes jagdbare Wild, das im Wald lebt. Hier war zu erfahren, dass Jagdpächter, Verpächter oder Eigenjagdbesitzer alle drei Jahre ihre Abschusspläne vorlegen müssen. Meist schießt der Revierpächter die Tiere.

Für ein Tier im Aichacher Stadtteil Oberschneitbach gelten allerdings besondere Regeln: Tatsächlich lebt hier ein Rothirsch in einem Gehege. Weil er nicht in Freiheit umherläuft, kommen in seinem Fall das Tierschutzrecht und die Tierschutz-Schlachtverordnung zur Anwendung. Wer diesen Rothirsch schießen will, bräuchte neben der Sachkunde eine behördliche Schießerlaubnis. Die erteilt das Landratsamt. Das gilt auch für die Erlegung von Damwild, das oft in Gattern (Gehegen) als Nutztier (Wildbret-Erzeugung) oder in Parks gehalten wird. (mit cli)

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