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Gersthofen

25.07.2020

Baden am Lech: Viele Schwimmer unterschätzen die Gefahren

Ulrich und Pauline Held sind auf dem Lech gerne auf dem Stand-Up-Paddle-Board unterwegs. Wenn das Wasser allerdings sehr hoch oder die Strömung zu stark ist, gehen sie nicht ins Wasser.
Bild: Marcus Merk

Plus Viele Leute gehen gerne im Lech baden. Die jüngsten Unfälle haben sie jedoch schockiert. Warum vor allem Kinder nicht aus den Augen gelassen werden sollten.

Der Lech hat seine Fans: Obwohl jedes Jahr Experten vor den Gefahren beim Baden im Fluss warnen, tummeln die Leute sich am Wasser. Besonders abends und am Wochenende sind die Kiesbänke voll. Die beiden Todesfälle in der jüngsten Zeit sind aber natürlich auch hier ein Thema. Die meisten Badenden setzen aber auf ihre Erfahrungen und die eigene Einschätzung, an welchen Stellen sie das Gewässer für ungefährlich halten.

„Ich wohne in der Nähe, hier ist es wunderschön und wir finden immer einen Platz“, sagt Ulrich Held. Gemeinsam mit seiner Tochter Pauline pumpt er in Gersthofen ein Stand-Up-Paddle-Board auf. Familie Held kommt aus Schrobenhausen. Zum Stand-Up-Paddeln fahre sie sonst an die Isar oder den Ammersee. „Wenn das Wasser sehr hoch ist oder es eine starke Strömung gibt, gehen wir nicht ins Wasser“, sagt Held. „Und ich habe immer ein Auge aufs Kind.“ Die beiden tragen ihr Board die Böschung zum Lech runter. „Ich bin die beste Schwimmerin in meiner Klasse“, berichtet Pauline Held. Sie habe bereits ein goldenes Abzeichen, erzählt sie und auch der Vater betont, dass er sie nicht mitnehmen würde, wenn sie nicht wirklich gut schwimmen könnte. Vergangenen Mittwoch ging ihre Fahrt 20 Kilometer den Lech entlang bis nach Thierhaupten, wo die Mutter bereits badet und auf die beiden wartet. Routiniert lassen Vater und Tochter ihr Bord ins Wasser, nehmen ihre Plätze ein und paddeln den Lech hinab davon.

Baden im Lech: Viele Schwimmer sind sich der Gefahren bewusst

Auf einen schönen Tag am Lech setzt auch Michael Stepanov aus Pfersee. Der Gefahren ist er sich durchaus bewusst. „Seit drei Jahren gehe ich hier ins Wasser, aber ich schwimme schon seit 25 Jahren im Lech“, erzählt der Pferseer. Während des Gesprächs steht Stepanov bereits im Wasser, weil er gerade schwimmen gehen wollte. Er habe bereits Radtouren entlang des Lechs gemacht und kenne den Fluss. „Ich bin damit aufgewachsen“, sagt Stepanov. Zu Badeunfällen meint er: „Viele Leute sind unerfahren und haben keine Ahnung. Ich weiß, wo ich reingehen kann und ich sehe Strudel.“ Erfahrung sei alles und wenn man die richtigen Stellen kenne, sei im Lech schwimmen kein Problem.

Bei einer Mutter mit zwei Kindern sagt die Tochter ebenfalls, dass sie nie in tiefes Wasser gehen würden. Sie seien selten am Lech und würden nur hier baden, wo das Wasser etwa hüfttief ist.

Viele Besucher entspannen auf Kiesbänken in Langweid

In Langweid entspannen ebenfalls viele Leute schon nachmittags auf den Kiesbänken in der Sonne. So auch die Schwestern Jana und Nina Kappelmeier aus Göggingen. „Wir gehen oft baden und wir waren noch vor fünf Minuten im Wasser“, erzählen die beiden.

Trotzdem seien sie vorsichtig. Von den Unglücken am Wochenende haben sie gehört. „Wir kommen nur hier runter an den Lech, wenn von den Kiesbänken wirklich viel zu sehen ist“, sagt eine der Schwestern. „Nur wenn es überschaubar ist und es keine starken Strömungen gibt.“

Rettungsringe oder Rettungsbretter am Baggersee in Langweid gefordert

Monika Seibold aus Langweid setzt weniger auf Erfahrung, sondern mehr darauf, dass andere Schwimmer die Möglichkeit bekommen, Ertrinkenden zu helfen. „Den ganzen Lech entlang geht das nicht, aber zumindest am Baggersee in Langweid sollten Rettungsringe oder Rettungsbretter zur Verfügung stehen“, sagt sie. „Ich bin eine gute Schwimmerin, aber ich bin 60 Jahre alt. Alleine kann ich niemanden einfach aus dem Wasser ziehen.“ Im Lech gehe sie gar nicht baden, heute sei sie nur zum Kneippen da.

Zum Baden gehe sie selbst lieber an den Baggersee in Langweid. „Am Wochenende ist auch die Wasserwacht da, trotzdem wäre eine Möglichkeit gut, dass auch andere jemanden retten könnten“, betont Monika Seibold. Denn der See habe plötzlich tiefe Stellen, die man davor nicht sehe. Ein Fluss sei allerdings noch gefährlicher. „Es passiert viel“, meint Monika Seibold besorgt. „Vor allem bei Brückenpfeilern bilden sich starke Strömungen, die reißen einen einfach mit“. Sie selbst habe das mal von einer Wasserwachtlerin gehört, aber das wisse nicht jeder.

Lesen Sie auch unseren Kommentar: Respekt vor den Naturgewalten!

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