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Verkehr

21.02.2019

Bahnchaos: Lokführer schickt Passagiere aus dem Zug

Nahe des Oberhauser Bahnhofes entgleisten drei Güterwaggons. Seitdem herrscht Chaos auf der Bahnstrecke zwischen Augsburg und Donauwörth.
Bild: Silvio Wyszengrad

Zu den Behinderungen auf der Strecke kommt ein Informations-Wirrwarr. Zu leiden haben die Fahrgäste

Nach der Arbeit in den Zug steigen und nach Hause fahren – für tausende Pendler im Augsburger Land ist das Alltag. Doch das klappt nicht immer.

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Seit vor einer Woche ein Güterzug am Oberhauser Bahnhof entgleiste, herrscht Chaos auf der Strecke zwischen Augsburg und Donauwörth. Bereits im Januar fielen die Regionalbahnen zwischen Augsburg und Dinkelscherben teils witterungsbedingt aus. Pendlern bleibt dann oft nur eins: warten. Auf den nächsten Zug, auf Informationen. Gerade die mangelnde Kommunikation seitens der Bahn ärgert viele.

Seit dem Güterzug-Unglück am Oberhauser Bahnhof herrscht Chaos

Auch Manfred Dinger ist genervt. Er pendelt jeden Tag von Nordendorf nach Donauwörth in die Arbeit. Eigentlich dauert die Fahrt mit dem Fuggerexpress elf Minuten. Am Dienstagabend brauchte Dinger eine Stunde. Seit dem Güterzug-Unglück am vergangenen Freitag fahren nur noch vereinzelt Regionalzüge. Die Strecke zwischen Augsburg und Gersthofen ist gesperrt. Fahrgäste müssen auf den Ersatzverkehr mit Bus und Straßenbahn ausweichen.

Bahnchaos: Lokführer schickt Passagiere aus dem Zug

Unserer Zeitung schrieb Dinger von seinem Bahn-Unterfangen: Der erste Zug in Donauwörth fiel aus. Ohne Ansage oder Hinweis auf der Anzeigetafel. Auch der junge Mann im Reisezentrum wusste von nichts. Der zweite Zug kam. Alle Fahrgäste stiegen ein, mussten aber kurz darauf wieder aussteigen, nachdem der Lokführer mitteilte, dass der Zug nicht weiterfährt. Keine Ansage, kein Hinweis auf der Anzeigetafel. Der junge Mann schloss das Reisezentrum. Laut Bahn-App sollten beide Züge fahren.

Erst mit dem dritten Zug schaffte es Dinger nach Nordendorf – mit einer dreiviertel Stunde Verspätung. Was sich die Bahn zur Zeit leiste, sei mit nichts zu entschuldigen, ärgert sich Dinger. Er könne verstehen, dass ein solches Zugunglück Probleme bereitet und der ein oder andere Zug ausfällt. Aber es sei nicht zu tolerieren, dass es die Bahn in fünf Tagen nicht schafft, ihre Fahrgäste ordentlich zu informieren.

Pro-Bahn-Sprecher fordert zentral gesteuerte Kommunikation

Das kritisiert auch Pro-Bahn-Sprecher Winfried Karg: „Es ist absurd, dass eine Woche nach dem Unfall immer noch so ein Durcheinander herrscht.“ Die Kommunikationsprobleme seitens der Bahn seien deutschlandweit wahrnehmbar.

Einen Grund sieht Karg darin, dass Informationen nicht zentral gebündelt werden. „Wir drängen seit Jahren darauf, dass das Unternehmen, dem die Schienen gehören, die Fahrgäste informiert“, sagt Karg. Im Falle des Güterzug-Unglücks sei das die DB Netz AG. Sie betreibt größtenteils das Schienennetz im Augsburger Land. Derzeit gebe die Firma ihre Informationen an die Unternehmen DB Fernverkehr, DB Regio und Bayerische Regiobahn weiter. „Sobald mehrere Unternehmen betroffen sind, vergrößert sich das Chaos“, sagt Karg.

Störungen wegen des Güterzug-Unglücks dauern weiter an

Dass Fahrgäste über die Bahn-App oder die Anzeigen am Bahnhof keine Informationen bekommen – wie von Pendler Manfred Dinger kritisiert – erklärt Karg so: für die App und die Anzeigentafeln gebe es eigene EDV-Systeme, die Lokführer würden wieder auf anderes System zurückgreifen. „Ein riesiger Datenwust“, bemängelt Karg.

Die Daten in den Systemen müssten händisch von Mitarbeitern aktualisiert werden. „Dadurch entstehen Diskrepanzen und Verzögerungen“, kritisiert Karg. Aber nur mit Technik sei es nicht getan. Es gebe auch zu wenig Personal, das im Notfall abgezogen werden kann, um Menschen vor Ort zu informieren.

Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt ein Bahnsprecher: „Wir versuchen, unseren Streckenagenten ständig auf dem Laufenden zu halten.“ Dieser kann als App auf dem Handy installiert werden und warnt bei Verspätungen. Das Unternehmen entschuldige sich, sollten sich Reisende schlecht informiert fühlen.

Pendler, die zwischen Augsburg und Donauwörth unterwegs sind, müssen sich wohl noch gedulden. Nach Angaben des Bahnsprechers dauerten die Störungen wegen des Güterzug-Unglücks noch bis kommenden Donnerstag an.

Unseren Kommentar zum Bahnchaos lesen Sie hier: Wenn schon zu spät, dann mit Ansage

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