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Fischach/Gessertshausen

02.11.2019

Der Staudenbahn droht plötzlich die Endstation

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Gras wächst langsam, aber sicher über die Schienen: Sieht so die Zukunft der Staudenbahn aus? Quasi auf dem Abstellgleis? Dieses Szenario muss jetzt wieder befürchtet werden, weil die Reaktivierung der 1991 stillgelegten Strecke nicht wie geplant vorankommt, obwohl diese versprochen und beschlossen ist.
Bild: Marcus Merk

Plus Die Reaktivierung der Bahnlinie ist beschlossen und versprochen. Doch nun könnte sie scheitern. Wie es ausgeht, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Versprochen, verschoben und am Ende endgültig auf dem Abstellgleis? Der Reaktivierung der 1991 stillgelegten Staudenbahn für einen regelmäßigen Personenverkehr zwischen Langenneufnach und Augsburg über Gessertshausen droht ein jähes Ende, weil die Modernisierung der 13 Kilometer langen Strecke nicht vorankommt. Wenn sich das nicht ändert, könnte der Zug für das Nahverkehrsvorhaben endgültig abgefahren sein. In den kommenden Wochen sollen die Weichen für die Zukunft gestellt werden – und wie die Sache ausgeht, ist offenbar ungewiss.

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Landrat: Wir müssen wissen, ob und wie es weitergeht“

Landrat Martin Sailer (CSU) jedenfalls schloss ein Scheitern des Prestigeprojekts, für das sich auch er lange Jahre eingesetzt hatte, nicht mehr aus. „Wir müssen wissen, ob und wie es weitergeht“, sagte Sailer mit Blick auf die kommenden Wochen. In diesen sollen die kommunalpolitischen Gremien entscheiden, ob sich die Staudengemeinden Gessertshausen, Fischach und Langenneufnach sowie der Landkreis an Ausbau und Betrieb der Strecke beteiligen.

Das soll eigentlich die Bahnbetriebsgesellschaft Stauden übernehmen. Refinanzieren sollte sich das schon vor einigen Jahren auf 15 Millionen Euro veranschlagte Vorhaben über Einnahmen aus der Benutzungsgebühr, welche für die regelmäßig verkehrenden Personenzüge fällig wird. Ab Ende 2022 soll die bayerische Regiobahn werktäglich 20 Zugpaare auf die Strecke zwischen Langenneufnach und Augsburg schicken. Die Triebwagen sind offenbar schon bestellt, das Unternehmen hatte im Dezember von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft den Zuschlag erhalten. Dieses Staatsunternehmen plant, finanziert und kontrolliert S-Bahn und Regionalverkehr im Freistaat.

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Doch offenbar benötigt die Bahnbetriebsgesellschaft Stauden nun Unterstützung, um die Modernisierung – dazu zählt eine bessere Sicherung der mehr als 20 Kreuzungen mit Straßen und Feldwegen – umzusetzen. Geschäftsführer Hubert Teichmann, der schon seit langen Jahren Vorkämpfer für die Reaktivierung der Staudenbahn ist, räumt Schwierigkeiten bei der Finanzierung ein. Man müsse Banken von der Werthaltigkeit der Zusagen des Freistaats überzeugen, so Teichmann. Sein Finanzierungsmodell sah im Grunde vor, die Modernisierung auf Pump zu bezahlen und mithilfe der „Gleismiete“ abzustottern.

Teichmann: „Das ist ein gutes Zeichen“

Wie Teichmann betonte, sei er für das Gesamtprojekt weiter zuversichtlich. „Ich bin völlig relaxed.“ Er begrüße das Interesse der Politik an dem Projekt ausdrücklich. „Das ist ein gutes Zeichen.“ Es sei noch genügend Zeit für Genehmigungsverfahren und Bauarbeiten an der Strecke.

Diese Zuversicht tragen nicht alle zur Schau. Landrat Sailer spricht von einem „engen Zeitfenster“. Schon Anfang kommender Woche soll hinter verschlossenen Türen beraten werden, ob und in welcher Form ein Einstieg des Landkreises infrage kommt. Dabei geht es um viele kniffelige Fragen. Nicht zuletzt diese: Wer trägt das finanzielle Risiko?

Zu lange zugeschaut

Klar ist: Am Ende werden die Gemeinderäte und der Kreistag entscheiden müssen. Dort hat der Landkreischef nicht nur Lob zu erwarten. Der Chef der Freie-Wähler-Fraktion im Kreistag, Fabian Mehring, läuft sich auf Anfrage unserer Zeitung schon mal warm für die zu erwartende Debatte. Der Landrat und seine Koalitionspartner (im Kreis die SPD) hätten aus heutiger Sicht viel zu lange zugesehen und müssten jetzt die Notbremse ziehen. Mehring: „Nun stehen wir entweder wieder bei null oder vor einem Scherbenhaufen.“ Ein Ende der Staudenbahn bedeute einen Millionenschaden, sagt Mehring und verweist auf die geschlossenen Verträge. Das gelte es nun durch einen Neustart zu verhindern.

Mit diesem letzten Satz ist Mehring ganz nah bei Teichmann, der seit Jahrzehnten für die Staudenbahn kämpft und für eine Reaktivierung über Langenneufnach hinaus wirbt. Der Geschäftsführer glaubt mit Blick auf die weltweite Klimaschutzdebatte ganz fest an die Zukunft der Staudenbahn: „Niemand will sie beerdigen.“

Schon öfter Verzögerungen

Versprochen ist der Neustart für die Bahn bereits seit 2014, als ein Gutachten der 1991 stillgelegten Bahn gute Chancen bescheinigte. Doch der Fahrplan für die Wiedereröffnung geriet schon wiederholt durcheinander. Zunächst war 2019 für den Start vorgesehen, weil es aber Schwierigkeiten mit Anpassungen an den überregionalen Fahrplan gab, verlegte die BEG diesen um zwei Jahre nach hinten – daran änderten auch Interventionen von Politikern aus dem Landkreis nichts mehr. Aber auch der Dezember 2021 war nicht zu halten. Die Fahrzeughersteller hatten zu viel zu tun und konnten die Triebwagen nicht rechtzeitig liefern. Jetzt aber könnte sogar Dezember 2022 für die Staudenbahn zu früh sein.

Lesen Sie dazu auch unseren Kommentar von Christoph Frey: Fährt die Staudenbahn in eine Sackgasse?

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