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Landkreis Augsburg

06.08.2019

Ein Spieltag mit reichlich Diskussionsbedarf

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Nicht nur mit den Aystetter Spielern Benni Schmoll und Maximilian Köhler hatte Schiedsrichterin Johanna Klamper Diskussionen. Vor Beginn der zweiten Spielhälfte verwies sie die Zuschauer zwischen den Trainerbänken vom Platz.
Bild: Oliver Reiser

Im Augsburger Land sorgt ein Schiedsrichtergespann beim SV Cosmos Aystetten für reichlich Unmut. Alle Tops & Flops im Überblick in unserer ausführlichen Fußball-Nachlese.

Marco Löring tut sich noch immer schwer, den Auftritt des Schiedsrichtergespanns um Johanna Klamper aus Langenneufnach in Worte zu fassen. Es waren nicht allein ihre Pfiffe, die manches Mal eine gewisse Feinfühligkeit vermissen ließen. Die junge Dame hatte unmittelbar vor dem Wiederanpfiff die Zuschauerreihen zwischen und neben den Trainerbänken räumen lassen.

„Ohne Grund wurden die Zuschauer, die dort immer stehen, weggeschickt. Es gab keinen Anlass dazu“, schüttelt der Trainer des SV Cosmos Aystetten den Kopf. Sein Co-Trainer Aleksandar Canovic habe die Gelbe Karte bekommen, weil er nach einer Entscheidung gefragt hatte, was das solle. Auch die neue Regel, dass der Ball sofort liegen gelassen werden muss, hält Löring für lächerlich: „Dadurch kommt noch mehr Hektik rein.“

Eine klare Leistungssteigerung

Obwohl die Seinen nach dem 1:1 in Neusäß nun eine 0:1-Heimniederlage gegen den BSK Olympia Neugablonz hinnehmen mussten, gerät er selbst nicht in Hektik. „Ich war begeistert. Das war eine klare Leistungssteigerung. Beide Mannschaften haben ein richtig gutes Spiel gemacht“, blickt er auf die 90 Minuten zurück. „Wir haben nur eine Chance zugelassen und die hat zum Tor geführt, während wir selbst 50 Versuche hatten, aber nur fünfmal das Tor getroffen haben“, fasst er zusammen, dass man sich für den betriebenen Aufwand wieder nicht belohnt habe.

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Fast hätte der SV Cosmos Aystetten in der vergangenen Woche noch einen Torhüter der Extraklasse verpflichtet. Mit Raif Husic, der schon bei Werder Bremen, dem VfR Aalen und zuletzt bei Wacker Burghausen unter Vertrag war, sei man sich schon fast einig gewesen. Der 23-Jährige, der momentan vereinslos ist, sollte bis zur Genesung von Valentin Coca, maximal bis zur Winterpause aushelfen. „Er will sich nun seinem Heimatverein anschließen“, bedauert Löring den geplatzten Transfer. Das wäre der TSV Zusmarshausen.

Punktverlust für Gersthofen, Punktgewinn für Altenmünster

„Wenn wir das Spiel 3:0 gewonnen hätten, hätten alle gesagt, dass wir jetzt auf dem richtigen Weg sind“, sagte Florian Fischer, der Spielertrainer des TSV Gersthofen. Nach der 3:4-Niederlage beim FC Affing hat er bei seiner Mannschaft eine positive Reaktion gesehen. „Engagement und Aggressivität war absolut in Ordnung, wir haben eine ganz andere Körpersprache gezeigt. Ich bin nicht sauer auf die Truppe.“ Hätte, hätte, Fahrradkette – das Ergebnis hat nicht gestimmt. Der TSV Gersthofen kam im Landkreisderby gegen den SC Altenmünster über ein 1:1 nicht hinaus. „Ein völlig unnötiger Punktverlust“, so Fischer, „vor dem Ausgleich musst du 3:0 führen. Obwohl der Gegner ziemlich tief gestanden ist, haben wir zahlreiche Chancen gehabt, die wir nicht verwertet haben. Dadurch haben wir uns um den verdienten Lohn gebracht.“

Auch Peter Ferme hat seine Mannschaft viel besser gesehen, als im letzten Spiel bei der 0:3-Niederlage gegen den SC Bubesheim. „Vor allem defensiv sind wir gut gestanden“, sagt der kickende Coach des SC Altenmünster, der den TSV Gersthofen wesentlich stärker erwartet hatte. Aber es sei nicht alles gut gewesen: „Es gibt noch viele Sachen, die wir besser machen können. Wir brauchen noch Zeit, bis wir uns vertrauen.“ Obwohl vier Stammspieler gefehlt haben, habe man aber immer daran geglaubt, noch ein Treffer landen zu können. Was schließlich mit einer der wenigen Chancen auch gelang. „Auch wenn wir wieder ein schnelles Tor kassiert haben, haben wir gezeigt, dass wir etwas holen können. Wir müssen nur weiter geduldig sein.“

Ein Derby, das keine Wünsche offen ließ

380 Zuschauer hatten beim 4:3 zwischen dem TSV Meitingen und dem TSV Wertingen ein packendes und dramatisches Fußballspiel gesehen, das keine Wünsche offenließ. Nicht dabei sein konnte bei diesem Altlandkreis-Klassiker Wertingens Sportleiter Fritz Bühringer aus privaten Gründen. „Im Nachhinein war es wohl gut, dass ich gefehlt habe“, konnte sich der 62-Jährige über das, was ihm am Abend alles berichtet worden war, selbst am gestrigen Montag noch immer nicht so richtig beruhigen. „Wenn ich vor Ort gewesen wäre, hätten wir wohl eine weitere Rote Karte bekommen“, spielt er auf die Strafe gegenüber seinem Trainer Christoph Kehrle an. Dieser hatte vor dem Elfmeter der Meitinger zum 3:3 durch Arthur Fichtner lautstark moniert, dass zuvor der Wertinger Florian Eising im Mittelfeld gefoult wurde, ohne dass ein Pfiff erfolgte. „Christoph Kehrle hat niemanden beleidigt, sondern als Trainer einfach nur Emotionen gezeigt“, kann Bühringer die Rote Karte gegen seinen Coach nicht nachvollziehen.

Dem Trainer droht nun eine Sperre

Dem ehemaligen Trainer des TSV Zusmarshausen droht nun durch das Sportgericht eine Sperre. Für Fritz Bühringer ein Unding hoch drei: „Das wird alles nur deswegen gemacht, weil der Verband seine eigenen Kassen weiter füllen möchte“, wettert der Wertinger Funktionär gegen die RVO. „Wenn man beim Fußball seinen Emotionen nicht mehr freien Lauf lassen kann, dann ist es am besten, wenn wir am Stadioneingang demnächst ein Schild mit der Aufschrift ,Silencio‘ aufstellen.“ Bei Entscheidungen wie der gegen Kehrle, der seinem Sportlichen Leiter gegenüber versicherte, beim Protest kein einziges beleidigendes Wort gewählt zu haben, brauche man sich nach Ansicht Bühringers nicht zu wundern, wenn immer weniger Ehrenamtliche in den Vereinen mit anpacken.

Das Einzige, was die Zuschauer in der Rathaus-Apotheken-Arena vielleicht vermissten, war die Stadionzeitung des TSV Meitingen. Das „Lechauenblatt“ war kurz nach Erscheinen wieder aus dem Verkehr gezogen worden. Als es am Freitagabend online gestellt wurde, gab es in den sozialen Medien bereits heftige Reaktionen auf harsche Kritik, die Trainer Paolo Mavros an Spielern der zweiten Mannschaft geübt hatte. Als „asozial“ und „Dummköpfe“ hatte er einige der 15 Spieler bezeichnet, die in der Sommerpause wie die Lemminge den TSV verlassen hatten. Am Ende hörte auch Trainer Christoph Brückner auf.

„Er trägt halt sein Herz auf der Zunge“

„Die zweite Mannschaft hätte sich fast aufgelöst“, konstatiert Abteilungsleiter Torsten Vrazic, der sich nicht erklären kann, warum so viele Spieler dem TSV den Rücken gekehrt haben, nachdem alle zusammengeholfen hätten, den Klassenerhalt in der Kreisklasse Nordwest zu sichern. Zwei Monate hätten er und Mavros anschließend verzweifelt gekämpft, die Mannschaft am Leben zu erhalten. „Ich habe Verständnis, dass sich Paolo Mavros darüber geärgert hat. Seine Aussagen waren sehr emotional. Das hätte man vielleicht auch anders ausdrücken können. Aber er trägt halt sein Herz auf der Zunge“, nimmt Vrazic seinen Trainer in Schutz. „Wenn sich jemand betroffen fühlt, tut es uns Leid“, es liege ihm fern, mit gleicher Münze zurückzuzahlen: „Da gäbe es Etliches zu erzählen.“ In einer Vorstandssitzung am heutigen Dienstag will man über das weitere Vorgehen beraten.

Seinen ersten Auftritt in der Kreisklasse Nord 2 absolvierte der in den Kreis Donau gewechselte SV Ehingen-Ortlfingen vor der stattlichen Kulisse von 212 Zuschauern. „Das lag mit Sicherheit auch daran, dass die Kreisklasse Nordwest noch nicht gespielt hat und viele unserer ehemaligen Gegner zum Zuschauen gekommen sind“, sagt Sportlicher Leiter Florian Pfitzner. Auch viele Meitinger hätten ihre ehemaligen Teamkollegen unterstützt. Einer davon, Jan Blochum, konnte sich beim 2:2 gegen den VfB Oberndorf gleich als Torschütze auszeichnen. Grundsätzlich zeigte sich Pfitzner mit dem Ergebnis zufrieden, aber: „Wenn man zweimal führt, will man natürlich gewinnen.“ Was ihn freut, ist die Tatsache, dass mit Marco Aust und Robin Schmidbauer zwei Kicker in der Startelf standen, die gerade der A-Jugend entwachsen sind. Einen bitteren Nachgeschmack hinterließ die Verletzung von Johannes Zerle. Ein eigener Mitspieler war dem vom Stürmer zum Abwehrspieler umgeschulten 22-Jährigen auf den Knöchel getreten, der sich dabei einen Bänderriss zuzog.

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