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Neusäß/Augsburg

29.01.2020

Getöteter Arbeiter in Neusäß: Geständnis beim Schachspiel?

Im Prozess um einen mutmaßlichen tödlichen Angriff in Neusäß belastet ein Mit-Häftling den 34-jährigen Angeklagten aus dem Landkreis Augsburg. Der Mann soll seinen Arbeitskollegen brutal getötet haben.
Bild: Stefan Puchner, dpa (Archivbild)

Plus Im Prozess um einen tödlichen Angriff in Neusäß belastet ein Mit-Häftling den Angeklagten. Ein Gutachten offenbart brutale Details.

War es Mord oder Totschlag? Ist der Angeklagte voll schuldfähig? Fragen wie diese schweben über dem Verfahren gegen einen 34-jährigen Arbeiter, der in einer Bauarbeiter-Unterkunft im Gewerbegebiet von Täfertingen (Neusäß) einen 24-jährigen Arbeitskollegen getötet haben soll. Ein Mithäftling des Angeklagten berichtete, was er im Gefängnis in Gablingen aus Gesprächen mit diesem erfahren hatte, während die beiden Schach gespielt hatten.

Medizinische Einzelheiten erklärte Gutachter Dr. Oliver Peschel, Professor für Rechtsmedizin an der LMU in München. Dabei zeigte sich, dass der Angeklagte und das Opfer reichlich getrunken haben müssen. Der Sachverständige kommt auf einen Wert von wahrscheinlich 2,0, maximal 2,4 Promille zum Tatzeitpunkt. Das, so Peschel, entspreche etwa acht Halben Bier und gut einer halben Flasche Wodka. Am Körper des Angeklagten seien Bagatellverletzungen wie Abschürfungen, Ritzungen oder Rötungen gefunden worden, die im Rahmen einer möglichen Auseinandersetzung vor der Tat entstanden sein können. Keine dieser Verletzungen lasse aber konkrete Rückschlüsse auf ein Tatgeschehen zu.

Rund 20 Schläge gegen den Kopf und ein Dutzend Messerstiche

Das Obduktionsgutachten des getöteten 24-jährigen Arbeitskollegen des Angeklagten zeigte die Vielzahl der Verletzungen auf. Laut Gutachter seien zahlreiche erhebliche Verletzungen des Kopfes durch stumpfe Gewalteinwirkung wohl erfolgt, als das Opfer bereits auf dem Boden gelegen habe. Die Verletzungen seien aber nicht allein tödlich gewesen. Aufgrund der Spurenlage war ermittelt worden, dass diese Verletzungen dem Opfer mit einer Hantelscheibe zugefügt worden sein könnten. Die Obduktion könne das weder endgültig bestätigen noch widerlegen, auch Gutachten zu DNA und Fingerabdrücken konnten das nicht leisten. Nicht eindeutig beweisbar gewesen sei, ob die Verletzungen des Kopfes vor oder nach den Stichen und Schnitten mit einem Messer an Hals, Bauch und Brust erfolgt waren. Es sei aber davon auszugehen, dass das Opfer erst am Kopf verletzt wurde und dann die Attacke mit dem Messer folgte. Aus Sicht des Gutachters habe die gesamte Tat mit rund 20 Schlägen gegen den Kopf und einem Dutzend Messerstichen innerhalb von einer halben bis einer Minute stattfinden können.

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Von seinen Begegnungen mit dem Angeklagten im Gablinger Gefängnis berichtete ein 39-jähriger ehemaliger Mithäftling Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser als Zeuge. Weil beide relativ gute Schachspieler gewesen seien, habe es nahezu tägliche Treffen gegeben. Dabei habe der Angeklagte zunehmend detaillierter vom Tatgeschehen erzählt – gipfelnd in der Aussage, er habe jemandem den Kopf abgeschnitten, weil seine Familie von ihm bedroht worden sei. Weil er, der Zeuge, sich an die Kriminalpolizei gewandt hatte und der Angeklagte davon Kunde bekam, sei es daraufhin zu Schwierigkeiten auch mit anderen Häftlingen gekommen.

Dem Opfer wurde praktisch der Kopf abgeschnitten

Deswegen sei er inzwischen in der Haftanstalt getrennt von anderen Gefangenen untergebracht worden. Der Zeuge übergab dem Gericht eine von ihm angefertigte Skizze über die Situation des Wohncontainers, die er aufgrund der Gespräche mit dem Angeklagten im Gefängnis angefertigt hatte.

Der Angeklagte bezichtigte diesen Zeugen daraufhin der Lüge. Seine Berichte an die Polizei hätten auf der Lektüre der Anklageschrift beruht, nicht auf gemeinsamen Gesprächen. Vor allem über die Situation bei der ersten Vernehmung morgens um 6 Uhr nach der Tat berichtete ein Kripo-Beamter. Etwas zerzaust, übernächtigt, nach Alkohol riechend, aber voll da, so habe der Angeklagte vor ihm gesessen. Als es um die Frage nach dem Streit ging, habe man sich über das Messer unterhalten und über eine Art Rauferei, aber dann habe es Erinnerungslücken gegeben. Auf den Vorhalt des Polizisten, dass dem Opfer der Kopf praktisch abgeschnitten worden sei und dass ja keine dritte Person an der Tat beteiligt gewesen sei, sei dann die Antwort gekommen, „dann bin es wohl ich gewesen“.

In der Nacht des 1. Februar 2019 sei ein 24-jähriger polnischer Arbeiter auf dem Gelände einer Baufirma getötet worden. Täter soll der jetzt angeklagte 34-jährige Arbeitskollege sein, der zuvor mit dem Opfer in dessen Wohncontainer zusammengesessen hatte.

Lesen Sie dazu auch:Brutaler Mord in Neusäß: Es kommen immer neue Details ans Licht

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