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Aystetten

03.07.2019

Internet-Betrug: An der Bushaltestelle klickten die Handschellen

Waren im Wert von mehr als 100.000 Euro soll sich ein Internet-Betrüger im Raum Augsburg erschlichen haben.
Bild: Ole Spata, dpa (Symbolbild)

Die Polizei nimmt einen Asylbewerber fest. Er soll seit Monaten Versandhändler geprellt haben und war zuvor mehrfach knapp entwischt.

Wochenlang hatten die Ermittler die Spur des Verdächtigen verfolgt. Zweimal war er ihnen kann entkommen. Doch jetzt scheinen Beamte der Polizeiinspektion in Zusmarshausen einen gewieften Serienbetrüger erwischt zu haben. Er soll Versandhändler um waren im Wert von mehr als 100.000 Euro geprellt haben.

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Polizei jagte den Verdächtigen schon seit Wochen 

Am Dienstagmittag um 12.20 Uhr konnte eine Streife der Polizei Zusmarshausen einen 28 Jahre alten, nigerianischen Serienbetrüger nach mehrwöchigen Ermittlungen verschiedener Polizeiinspektionen an einer Bushaltestelle in Aystetten festnehmen. Gleichzeitig wurde seine vermutlich gleichaltrige, nigerianische Begleiterin, die als Mittäterin in Verdacht steht, ebenfalls festgenommen. Ihre Identität steht noch nicht zweifelsfrei fest, da sie erst vor kurzem aus Italien eingereist sein will, so die Polizei.

Kurz nach zwölf kam entscheidender Hinweis

Kurz nach zwölf Uhr waren die Beamten alarmiert worden, dass der lang gesuchte Verdächtige in Aystetten aufgetaucht sei. Der Zusmarshauser Polizeichef Raimund Pauli: „Nur durch die schnelle, umsichtige Reaktion der der Beamten gelang die Festnahme des Täters außerhalb des Zuständigkeitsbereiches der Polizei Zusmarshausen und obwohl er sich vom Paketshop schon wieder entfernt hatte. Nach dem Täter wurde von mehreren Inspektionen bereits gefahndet.“

Internet-Betrug: An der Bushaltestelle klickten die Handschellen

Vorausgegangen sind der Festnahme laut Pauli Ermittlungen über mehrere Wochen unter anderem wegen gewerbsmäßigen Betrugs zusammen mit Urkundenfälschung. Beteiligt waren die Polizei Zusmarshausen, aber auch Inspektionen Aichach, Friedberg, Augsburg-Mitte, Augsburg-Süd und Augsburg-6.

Die Beute: Schmuck und Schuhe

Nach Angaben der Polizei hatte sich der 28-jährige mutmaßliche Betrüger folgende Masche ausgedacht: Im Telefonbuch suchte er sich echte Personalien aus und bestellte und mit diesen  im Internet bei verschiedenen Shops Waren. Das Sortiment ging von Kleidung, Schuhe, Schmuck bis zu elektronischen Artikeln.

Die bestellten Waren wurden von einem Paketzusteller an verschiedene Paketshops im  gesamten Großraum Augsburg geliefert. Dort holte der 28-Jährige mit einer gefälschten Blanko-Vollmacht des Paketzustellers die Waren ab. Auf der Vollmacht trug er die Personalien eines gefälschten Reisepasses ein, mit dem er sich auch auswies.

Im Zuge der Ermittlungen warnte die Polizei Paketshops, in denen der Betrüger schon einmal aufgetreten war. Deshalb meldeten in den letzten Tagen zwei Inhaber von Paketshops in Friedberg und Horgau. Doch bis die Polizei da war, war der verdächtige jeweils über alle Berge. In Aystetten waren die Beamten nun schneller.

Asylunterkunft in Stadtbergen durchsucht

Im Anschluss der Festnahme durchsuchten sie den Wohnsitz des 28-Jährigen. In einer Asylunterkunft in Stadtbergen fanden die Beamten mehr als 150 vermutlich betrügerisch erlangte Artikel. Der Wert dieser Waren liegt im unteren fünfstelligen Bereich.

Die Polizei geht jedoch von einer erheblich höheren Beute aus. Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand sind 40 gefälschte Vollmachten mit 93 Paketsendungen aufgelistet. Der Gesamtwert der hierbei gestohlenen Waren liegt im unteren sechsstelligen Bereich.

Der festgenommene Mann und seine Frau werden im Laufe des Mittwochnachmittag dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Die weiteren Ermittlungen übernimmt nun das zuständige Fachkommissariat der Kriminalpolizeiinspektion Augsburg.

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